5 Jahre CEO Tim Cook und die Frage, ob mit Steve Jobs heute alles besser wäre

Sebastian Trepesch 11

Heute vor fünf Jahren: Steve Jobs verkündet in einer öffentlichen Mitteilung, dass er als CEO von Apple zurücktritt. Als seinen Nachfolger empfiehlt er Chief Operating Officer Tim Cook. Der hat bis heute die Fäden in der Hand – nicht zu jedermanns Zufriedenheit.

„Brief von Steve Jobs“ – noch heute ist der Text vom 24. August 2011 unter den Pressemitteilungen von Apple zu finden. Nach kalifornischer Zeit (PST) in ein paar Stunden vor fünf Jahren, erklärt Jobs seinen Rücktritt als Chef.

Für viele eingefleischte Apple-Anhänger ein Schock, und doch keine Überraschung: Zu dem Zeitpunkt befindet sich der CEO in seiner dritten und bisher längsten gesundheitsbedingten Auszeit. Viele bezweifelten schon im Vorfeld, dass er seine Arbeit im regulären Ausmaß jemals wieder aufnehmen kann. (Sechs Wochen später, am 5. Oktober 2011, wird Steve Jobs sterben.)

Tim Cook, der neue alte Apple-Chef

Noch am selben Tag ernennt der Verwaltungsrat Tim Cook als den Nachfolger – so wie es sich Jobs in dem Schreiben wünscht und zudem der Nachfolgerplan vorsieht. Für Cook keine neue Rolle: Schon während der Auszeit von Jobs, seit Januar 2011, leitet er das Tagesgeschäft.

Ein Wechsel an der Spitze Apples, von einem Visionär, Charismatiker, Ingenieur, hin zu einem sachlich-nüchternen Buchhalter. Der im Logistik-Bereich von IBM Erfahrungen sammelte und ab 1998 Apple auf Effizienz trimmte, statt über innovative Lösungen zu sinnieren. Als „der gnadenlose Langweiler“ stellte mein damaliger Kollege David Andel Cook im Vorfeld als potentiellen CEO vor.

Tim Cook – vielleicht ja genau der Richtige

Wesentliche Produktinnovationen bleiben aus, lautet eine gern wiederholte Kritik gegenüber Tim Cook. Und bei jedem Fehler – ob ein biegsames iPhone 6 Plus oder eine Sackgassennavigation in Apple Karten – wird er als der Schuldige genannt.

Tim Cook als Chef – folglich eine Fehlbesetzung? Einerseits: Steve Jobs an sich ist nicht ersetzbar, das Imitieren des einstigen Visionärs wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. Andererseits: Apple ist sehr erfolgreich, in den letzten fünf Jahren stark gewachsen, und wird komplexer und komplexer. Vermutlich wäre Jobs mit seinem Führungsstil an seine Grenzen gekommen. Vielleicht ist ein „Buchhalter“ wie Cook mittlerweile sogar der geeignetere Mann. Um die einzelnen Produkte müssen sich die Experten in den Entwicklungsabteilungen kümmern. Der Chef gibt die grobe Ausrichtung vor. Da punktet Cook und verschreibt – ohne große Rücksicht auf Verluste – Apple Alleinstellungsmerkmale. Stichwort: Datenschutz, Umweltschutz, soziale Verantwortung. Die Kommunikation wird offener. Freilich, der Konzern ist alles andere als perfekt. Aber in seiner Größe einer der fortschrittlichsten. Und auf einem richtigen Weg.

Aus den Fehlern muss Tim Cook lernen, und er tut es. Hätte Steve Jobs so etwas wie das Karten-Desaster vorausgesehen? Wäre er mit seinem geleasten Mercedes durch die Welt gefahren und hätte rechtzeitig gemerkt, dass außerhalb von Kalifornien, in Restwelt, der Dienst noch lange nicht zuverlässig funktioniert? 

Tim Cook erkennt, dass komplexere Themen die bisherige Unternehmenspolitik in Frage stellen – und Änderungen notwendig werden. Beispiel Karten-Geschichte: Mittlerweile gibt es weniger Geheimniskrämerei, Apple veröffentlicht öffentliche Beta-Versionen von iOS und macOS/OS X.

So sehen eure Mac-Arbeitsplätze aus

Fehlen nur noch neue Produkte

Ja, ein innovatives neues Produkt ist Tim Cook bislang schuldig geblieben – abgesehen von der Apple Watch, die (noch) kein großer Erfolg wurde, weil sie einerseits ihrer Zeit zwei, drei Jahre voraus war, andererseits manch verwendete Technologie noch nicht den aktuellen Anforderungen entspricht (Akkus!). Der Rest ist, aus Börsianer-Sicht, nur „solide“: Apple TV 4 ist ein Gewinn für jeden Apple-Haushalt, die Konkurrenz ist aber schon etwas länger auf dem Stand – oder weiter. Klar, die Macs werden besser, die MacBooks schlanker. iOS 10 und macOS Sierra fördern die Zusammenarbeit der Geräte untereinander, setzen aber nur die gemächliche Weiterentwicklung fort. (Eine komplette Neuentwicklung der Betriebssysteme, und damit „Veränderung“ unserer Hardware, dürften sich allerdings die wenigsten wirklich wünschen.)

Was aktuell gerne vergessen wird: Im nächsten Jahr führt Apple ein neues Dateisystem ein. Und mit HomeKit hat Apple einen sehr wichtigen Grundstein für die Zukunft gelegt.

Die nächste Hardware aus einer neuen Kategorie – ein Auto? Die Suche nach neuen Märkten gestaltete Tim Cook aktuell nicht über neue Produktkategorien, sondern über das Klientel (Business-Kunden!) und die geographische Ausbreitung. Da hat Apple noch genug Spielraum.

Klar, und das weiß Cook: Irgendwann müssen dann aber doch neue Produkte her.

Video: Der iMac 21 Zoll mit 4K-Display

21,5-Zoll-iMac mit 4K-Display.

Quiz: Was weißt du über Apple?

Wie gut kennst du dich rund um Apple aus? Beweise dich hier im Apple-Quiz: Warum heißt Apple „Apple“? Und welches „One More Thing“ präsentierte Steve Jobs?

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