NVIDIA Tegra K1: Hoher Stromverbrauch macht SoC nutzlos für Tablets und Smartphones

Lukas Funk 20

NVIDIAs kommendes SoC Tegra K1 hat in der Vergangenheit einiges an Lob einstreichen können. Dank der Mobile Kepler-GPU verspricht es Grafik in Konsolenqualität und die öffentliche Bereitstellung des Treiberquellcodes hat sogar Linux-Erfinder Linus Torvalds überzeugt. Ein Bericht des Magazins SemiAccurate lässt nun aber erhebliche Zweifel aufkommen: Mit einem Stromverbrauch von bis zu 60 Watt ist der Chip vermutlich viel zu Energiehungrig für den Einsatz in Smartphones und Tablets.

NVIDIAs Tegra K1-SoC (System-on-a-Chip) klang wie die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau der Mobilbranche: Die Mobile Kepler-GPU, zwischenzeitlich als die „Grafikkarte für Smartphones und Tablets“ bezeichnet, versprach Unterstützung für Standards wie Open GL und Direct X11 und damit Grafik auf dem Niveau von Konsolen der letzten Generation — das Ganze natürlich bei einem Stromverbrauch, der den mobilen Einsatz erst möglich macht.

Während die Rechen- und vor allem Grafikleistung unbestritten bleibt, meldet die Publikation SemiAccurate nun erhebliche Zweifel am niedrigen Energiebedarf des Chips an. Auf Bildern einer Demonstration des Tegra K1, die im Rahmen der CES unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit NDA („Non-Disclosure-Agreement“, Geheimhaltungsvertrag) stattfand, entdeckte man nämlich einige brisante Details.

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nvidia-k1-kühlung

So war der Tegra K1 zu Demozwecken nicht nur in einem Gehäuse mit großer Passivkühlung untergebracht, er wurde zusätzlich noch aktiv gekühlt — ein absolutes Ausschlusskriterium für die mobile Nutzung. Allerdings wurde der Tegra 4 in NVIDIAs Handheld Shield auch aktiv gekühlt. Viel interessanter aber ist der Grund für diese aktive Kühlung: Das Netzteil, über das der Chip mit Strom versorgt wurde, enthüllte eine Spannung von 12 Volt bei einer Stromstärke von 5 Ampere. Das entspricht einer Maximalleistung von 60 Watt — viel zu viel für den Einsatz im Tablet oder gar Smartphone. Zum Vergleich: Ein High End-24 Zoll-Monitor verbraucht im Maximalbetrieb zwischen 30 und 40 Watt.

nvidia-k1-netzteil

Selbst wenn der Tegra K1 nicht die maximale Leistung aufnimmt, sprechen das verwendete Netzteil und die aktive Kühlung Bände. Was also treibt NVIDIA bei seinen Vorführungen? Sehr wahrscheinlich sind die Chips stark übertaktet, um vor der Presse ein möglichst gutes Bild ohne Ruckler und sonstige Ungereimtheiten abzugeben. Die Konsequenz daraus wäre, dass der Tegra K1 im Echtwelteinsatz eben nicht diese beeindruckende Grafikpower vorweisen kann, wie sie bisweilen demonstriert wird. Um in Tablets oder Smartphones verbaut werden zu können, müsste der Chip signifikant gedrosselt werden. Nur stellt sich dann die Frage, ob er überhaupt noch mit der Konkurrenz mithalten kann.

Übrigens: Das erste Foto zeigt in der rechten Bildhälfte einen Zettel mit Hinweisen darauf, dass der Tegra K1 auch als zentraler Prozessor für selbstfahrende Autos eingesetzt werden soll. Dass sich NVIDIA in diese Richtung orientiert ist bekannt, doch wirft es die Frage auf, ob hier eine Variante des K1 gezeigt wird, die für Autos, nicht für Smartphones und Tablets gedacht ist. In diesem Fall wären weder die aktive Kühlung noch der Stromverbrauch problematisch und die geübte Kritik wäre hinfällig.

Quelle: SemiAccurate

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