Dass Gegenstände altern, ist selbstverständlich, aber hier vermuten viele Kunden, dass die Produkte ab Werk schon mit einem bestimmten Verfallsdatum geliefert werden und man so für die Müllhalde kaufen würde. Beispielsweise gehen einige Geräte wie Toaster oder Fernseher genau nach Ablauf der Garantiezeit kaputt. Aber was ist dran am Mythos geplante Obsoleszenz? Wir geben in unserem Ratgeber einen Blick hinter die Kulissen.

 

Ratgeber

Facts 

Was ist geplante Obsoleszenz?

Obsoleszenz ist ein lateinisches Wort und bedeutet „sich abnutzen“. Googelt man nach der „Obsolet Bedeutung“, findet man Synonyme wie „nicht mehr gebräuchlich“, die sich sowohl auf Normen als auch Produkte beziehen. Künstliche Obsoleszenz bedeutet, dass der Verschleiß von den Herstellern geplant wird und die Produkte vergleichsweise zu früheren Jahrzehnten eben schneller kaputt gehen, als es beispielsweise bei Hardware technisch notwendig wäre.

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Zur Obsoleszenz gehören unter anderem auch:

  • Schwierige Reparatur: Durch Zugänglichkeit der Bauteile, Verständlichkeit der Anleitungen aber auch durch den Preis der Ersatzteile.
  • Indirekter Verschleiß: Wenn eine Komponente des Gerätes sich schneller abnutzt, weil ein anderes Bauteil Murks ist: So werden beispielsweise Batterien oder Akkus überbeansprucht oder heiß.
  • Funktionelle Obsoleszenz: Das Gerät ist an sich funktionsfähig, kann aber beispielsweise wegen fehlendem Treiber für das neue Betriebssystem nicht mehr genutzt werden.

Das folgende Video zeigt, wie ihr beim Galaxy S4 mini das Display wechseln könnt:

Samsung Galaxy S4 mini - Display wechseln_defekt

Geplante Obsoleszenz  Wo liegen mögliche Ursachen?

Wenn der Monitor oder die Kaffeemaschine genau dann ihren Geist aufgeben, wenn die Garantie gerade erloschen ist, vermutet man eine Sollbruchstelle und Pfusch der Hersteller. Durch Fehlplanung und weil keine gesetzlichen Vorgaben zur Mindestlebensdauer oder Reparierbarkeit eingehalten werden müssen, scheint diese Vermutung gar nicht abwegig. Oft lässt sich auch nur schwer nachvollziehen, von welchem Lieferanten das Produkt eigentlich stammt. Andererseits ist Geiz immer noch geil und an einige Produkte sollte man von vornherein keine Höchstleistung in puncto Haltbarkeit erwarten.

Garantie und Gewährleistung

Zu diesem Thema gibt es viele Fragen, die wir euch in unserem Artikel Garantie und Gewährleistung: Die 10 häufigsten Fragen ausführlich beantworten. Denn die Begriffe werden gern verwechselt. Garantie bedeutet lediglich, dass der Hersteller dem Kunden freiwillig und zusätzlich Schadenersatz zugesteht. Mit Garantiezeit ist zumeist eher die gesetzliche Gewährleistung gemeint.

  • Die gesetzliche Gewährleistung beträgt in Deutschland bei einem Neukauf zwischen Händler und Verbraucht 24 Monate. Bei Gebrauchtwaren kann sie auf 12 Monate verkürzt werden.
  • In den ersten 6 Monaten liegt die Beweislast beim Hersteller, das heißt, er muss nachweisen, dass das Produkt ohne Mängel geliefert wurde. Zumeist entscheidet der Hersteller, ob er das Produkt reparieren oder austauschen möchte.

Hersteller können auch mehr als 2 Jahre Gewährleistung geben.

Geplante Obsoleszenz: Mythos oder Alltag?

Für das Umweltbundesamt haben das Freiburger Öko-Institut und die Uni Bonn 2016 eine Studie durchgeführt, die Konsumverhalten, Austauschgewohnheiten und Ursachen für Defekte bei Elektro-Geräten untersuchte. Eine geplante Obsoleszenz konnte nicht nachgewiesen werden. Heraus kam, dass bei einem Neukauf nicht nur technisches Versagen die Ursache ist, sondern auch, weil man bei all den technischen Innovationen up-to-date sein möchte. Dennoch waren ca. ein Drittel der Verbraucher unzufriedener mit der Haltbarkeit ihrer Geräte als noch 2013. Außerdem werden einige Produkte nicht umfangreich getestet, da sie später nicht als technisch veraltet auf den Markt gelangen sollen.

Kritik an der UBA-Studie zur geplanten Obsoleszenz

Nicht nur, dass die Studie erheblich länger gedauert hat, als angedacht, sie sieht die Hersteller auch als Opfer der Konsumindustrie. Unter einer Mängelliste zur UBA-Studie finden sich Hinweise von und für Verbraucher, die das ca. 300-Seiten starke Studiendokument auf Herz und Nieren prüfen und die ein oder andere berechtigte Kritik anbringen.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger legt nahe, dass wir „über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte.“. Wir sind gespannt, was die weitere Entwicklung in diesem Bereich bringt und ob und vor allem auch wann ihre Forderung sich durchsetzen wird.

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Quellen: Umweltbundesamt.de
Bildquelle: newart-graphics via Shutterstock

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