Glyphosat wurde weitere 18 Monate erlaubt – bis die Ergebnisse der Europäischen Chemikalienagentur zum Krebsrisiko feststehen. Denn das Herbizid steht im Verdacht, schädlich für die Gesundheit und Umwelt zu sein. Das umstrittene Pflanzenschutzmittel wurde in Bier, Muttermilch und Urin gefunden. Dennoch ist die Glyphosat-Anwendung in der Landwirtschaft verbreitet. Wir zeigen euch im Ratgeber Fakten zum geforderten Glyphosat-Verbot auf.

 

Ratgeber

Facts 

Was ist Glyphosat?

  • Glyphosat ist ein Unkrautbekämpfungsmittel, ein sogenanntes Herbizid.
  • Dieses Pflanzenschutzmittel ist seit ca. 40 Jahren im Einsatz. Marktführer ist der US-Konzern Monsanto.
  • 1971 stellte Monsanto erstmals Glyphosat chemisch her und ließ es sich als Herbizid patentieren.

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  • Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Herbizid: Im Jahr 2012 wurden 6000 Tonnen verkauft (Quelle: Spiegel).
  • Laut Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands Bernhard Krüsken ersetzt Glyphosat das Pflügen bei ca. 30 Prozent der Felder in Deutschland. Laut Umweltbundesamt ist das bei ca. 40 Prozent der Felder der Fall. Weltweit werden ca. 700.000 Tonnen auf Äckern verteilt (Quelle: Südeutsche Zeitung).

Update: 30.06.2016

Heute, am 30. Juni läuft die aktuelle Zulassung für Glyphosat aus. Aufgrund der Brexit-Problematik wurde die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung vertagt. Jetzt wurde die Zulassung in einem schriftlichen Verfahren verlängert, nachdem in den bisherigen Abstimmung nie eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten zustande kam. Diese Verlängerung der Zulassung gilt bis zum 31. Dezember 2017 gültig sein. Die eigentlich angestrebte Neuzulassung des Unkrautvernichters für weitere 15 Jahre muss hingegen warten, bis die Bewertung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Bezug auf das Krebsrisiko vorliegt. (Quelle: zeit.de)

Update: 06.06.2016

Ende Juni läuft die Zulassung von Glyphosat aus. Bis dahin müssen Experten aus 28 EU-Ländern in Brüssel entscheiden, ob es für Glyphosat eine erneute Zulassung in der EU gibt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und die SPD sind gegen eine Neuzulassung, denn es gibt keine Beweise, dass das Herbizid nicht krebserregend sei. Dahingegen befürwortet das Bundeslandwirtschaftsministerium den Einsatz von Glyphosat. Es kann aber nur eine Stimme von Deutschland in Brüssel abgegeben werden, deshalb wird sich Deutschland in der Abstimmung enthalten. Jetzt bleibt abzuwarten, wie Frankreich, Italien und Co. zu Glyphosat stehen. Wahrscheinlich wird es zu einer Neuzulassung kommen – unter strengeren Auflagen und für einen begrenzten Zeitraum (Quelle: tagesschau.de). Zunächst hatte sich die EU-Kommission für eine Neuzulassung bis 2031 eingesetzt.

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Contra Glyphosat-Verbot: Diese Vorteile bietet der Einsatz des Herbizids

Die Angst vor Glyphosat in Lebensmitteln ist groß. Aber was spricht gegen ein generelles Glyphosat-Verbot? Hier erfahrt ihr, warum Glyphosat von Landwirten genutzt wird:

  • Glyphosat beseitigt einfach und kosteneffektiv Unkraut. Nahezu alle mehrjährigen Unkräuter werden bekämpft.
  • Auf das Pflügen mit schweren Traktoren können Landwirte verzichten. Besonders Weinbauern können auf Steilhängen oft nicht mit schweren Maschinen fahren, um zu pflügen.
  • Sollte es zu einem Glyphosat-Verbot kommen, könnten die Ersatzstoffe problematischer sein. Hier könnten Pflanzen leichter Resistenzen entwickeln. Es könnte zu Ertragseinbußen kommen.
  • Das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen schätzt Glyphosat im seiner Zusammensetzung als weniger schädlich ein als andere chemisch-synthetische Herbizide.
  • Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) würden Lebensmittel „nur sehr gering durch Rückstände von Glyphosat beeinflusst“, die Studien sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

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Gründe für das Glyphosat-Verbot

Der Streit um das Glyphosat-Verbot hat seinen Zenit erreicht. Medien berichteten von Glyphosat in Bier und die Angst vor schädlichen Rückständen in Lebensmitteln wird geschürt. Aber was sind rationale Gründe für das Glyphosat-Verbot?

  • Ackerkräuter und Insekten fallen dem Glyphosat zum Opfer, was wiederum zum Rückgang der Bestände von Feldvögeln wie Rebhuhn oder Feldlerche beiträgt (Quelle: Umweltbundesamt).
  • Ein Verzicht auf das Unkrautvernichtungsmittel würde laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft eine Chance sein, auf ökologischen Anbau umzusteigen.

Dass hier weniger Gründe genannt sind, als bei den Vorteilen, ändert nichts daran, dass Glyphosat ein schädlicher Stoff ist. Die Punkte sind je nach Bedeutung unterschiedlich zu gewichten. Es ist bislang noch schwer, eindeutige Langzeitwirkungen aus zuverlässigen Quellen zu nennen. Eine Auswahl verschiedener Ergebnisse zeigen wir euch nachfolgend.

Messwerte von Glyphosat

  • Laut Untersuchungen des Umweltbundesamtes fällt die Belastung von Oberflächengewässern mit Glyphosat in Deutschland niedriger als die akzeptable Konzentration aus.
  • In Bezug auf das Grundwasser jedoch wurde der gesetzliche Grenzwert auch in Deutschland an einigen Stellen überschritten. In 0,4% bis 0,5% der Messproben lag die ermittelte Konzentration über dem Grenzwert.
  • Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA gab bekannt, dass Schäden für den Menschen durch Glyphosat-Einsatz in der Landwirtshaft unwahrscheinlich seien, wenn es bestimmungsgemäß eingesetzt werde (Quelle: Spiegel).
  • Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, stufte Glyphosat als „vermutlich krebserregend“ ein (April 2015).

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  • Das Umweltbundesamt zeigt in einer Studie, dass der Glyphosat-Anteil in Urinproben über die letzten Jahre gestiegen ist (Quelle: Umweltbundesamt). Dennoch sind diese Werte von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als unproblematisch eingestuft, da die höchste gemessene Konzentration um den Faktor 1.000 niedriger ausfällt, als die zulässige tägliche Aufnahmemenge.
  • Die Studie des Umweltinstituts München e.V. zum Glyphosat-Gehalt in Bier ist umstritten. Sie fanden zwar in allen 14 getesteten Biermarken Glyphosat, allerdings ist unklar, wie viele Flaschen untersucht wurden und auch der Vergleich mit dem Trinkwasser-Grenzwert wird kritisiert, da für dieses besonders strenge Richtlinien gelten. Zudem sagt das Umweltinstitut München e.V., dass die Ergebnisse nicht verallgemeinerbar seien. Und mal Hand aufs Herz: Schädlicher Alkohol dürfte auch in Bier zu finden sein.

Wie gefährlich Glyphosat ist, zeigt ein Beitrag der ARD:

Am Ende bleibt die offene Frage, wie schädlich Glyphosat wirklich ist, welche Studien vertrauenswürdig und verlässlich sind und wie das unbekannte Risiko bewertet wird.

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Bildquellen: Alf RibeiroSubbotina Anna, sysasyaa katz / Shutterstock.com

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