Android One: Preiswerte Google-Phones mit Startschwierigkeiten in Indien

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Mit Android One zielt Google auf die „nächste Milliarde“ Benutzer seine Smartphone-OS ab. Die Google-Initiative soll preisgünstige Low End-Smartphones mit puristischer Software, also Stock Android, zu Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländer bringen. In Indien wird das Projekt getestet und hat gewisse Anlaufschwierigkeiten: Nachdem die preiswerten Einsteigermodelle zunächst nur online erhältlich waren und die Verkäufe dort nur schleppend anliefen, soll der Einzelhandel mit einbezogen werden – dieser droht die Plattform jedoch zu boykottieren.

Android One: Preiswerte Google-Phones mit Startschwierigkeiten in Indien

Diverse Elektronikketten in Indien weigern sich, die günstigen Smartphones mit Android One in die eigenen Verkaufsregale der zusammengerechnet 1.800 Filialen aufzunehmen. Dem geht voraus, dass Google im Rahmen des Verkaufsstarts in September verlauten ließ, die von Micromax, Karbonn und Spice gebauten Geräte, zunächst ausschließlich online über Amazon, Flipkart und Snapdeal anzubieten. Die Verkäufe verliefen jedoch nur schleppend, weswegen man sich nun dazu entschloss, den Einzelhandel mit einzubeziehen.

Da Android One sich dazu entschieden hat, zu Beginn nicht in Ladengeschäften verkauft zu werden, haben wir uns ebenfalls dazu entschieden, Android One nicht in unsere Lager aufzunehmen. – Subhash Chandra, Geschäftsführer einer indischen Ladenkette

Allerdings drohen die großen Elektronikketten des Landes jetzt mit einem Boykott von Android One als Retourkutsche. Das hängt auch damit zusammen, dass Google lediglich eine Gewinnbeteiligung von drei bis vier Prozent gewährt, branchenüblich sind neun bis zehn Prozent. In einigen Filialen wurden Geräte der Plattform testweise in das Sortiment aufgenommen, konnten aber nach Aussagen der führenden Ketten keine nennenswerten Verkaufszahlen erzielen. Googles Hardwarepartner selbst bieten die Modelle jedoch in den wenigen eigenen Shops an und konnten einen immensen Verkaufsanstieg beobachten – am Tag werden „offline“ rund sechsmal so viele Einheiten wie online abgesetzt.

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Das Android One-Programm zeichnet sich durch Low End-Hardware, Preisen deutlich unter 100 Euro und ein naturbelassenes Stock-Android aus. Bild: Android One-Smartphone der Firma Spice.

Warum also der „Misserfolg“. Google könnte sich schlicht verkalkuliert haben und dabei den falschen Leuten auf den Schlips getreten sein. Denn in Indien werden Schätzungen zufolge lediglich rund zwölf Prozent der Smartphones über das Internet abgesetzt. Seit dem Verkaufsstart im September wurden etwa 4,8 Millionen Android One-Geräte importiert – das entspricht lediglich drei Prozent der gesamten Smartphone-Importe im selben Zeitraum. Dennoch scheint man in Mountain View weiterhin überzeugt von Android One zu sein und plant das Programm unter anderem auf Indonesien, Bangladesch und die Philippinen auszudehnen. Darüber hinaus stehen potentielle Hardwarepartner Schlange, darunter namenhafte Hersteller wie HTC, Lenovo, Asus und Acer. Falsch ist der Ansatz aus unserer Sicht nicht – Motorola konnte mit preiswerten und konzeptionell ähnlichen Geräten wie dem Moto E und dem Moto G im vergangenen Jahr enorme Erfolge in Indien feiern.

Quelle: Times of India [via ZDNet]

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