BlackBerry KEY2 im Test: Einfach mal in die Tasten hauen!

Severin Pick 2

TCL, der Hersteller der aktuellen BlackBerry-Geräte, weiß mittlerweile, was von ihrer Marke verlangt wird: Die Smartphones sollen Produktivitätsmonster mit starkem Akku, Sicherheitsfeatures und einer hervorragenden Tastatur sein. Mit dem BlackBerry KEY2 wurde versucht, genau diese Erwartungen umzusetzen. Nach einem Arbeitstag ist locker noch die Hälfte des Akkus übrig, die DTEK-App scannt regelmäßig das System nach Sicherheitslecks ab und mit der Tastatur lässt sich hervorragend unterwegs arbeiten. Doch kann das Android-Handy sonst überzeugen? Wir haben es im Test herausgefunden.

BlackBerry KEY2: Ersteindruck im Video

BlackBerry Key2 im GIGA-Hands-On.

BlackBerry KEY2: Testwertung

Erwartungen, die man an BlackBerry hat, dürften mit diesem Handy erfüllt sein. Legt man allerdings Erwartungen an, die man von einem 649 Euro teuren Smartphone besitzt, weist das KEY2 dann doch ein paar Mängel zu viel in unserem Testbericht auf. Die Tastatur ist ein Traum, die Performance absolut zufriedenstellend, das Gerät liegt gut in der Hand. Leider verhindern die schwache Kamera, UI-Probleme und ein bei Tageslicht zu dunkles Display, dass das KEY2 ein Smartphone ist, das man nach unserem Test guten Gewissens empfehlen kann.

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 3/5
  • Kameras: 2/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 73 %

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BlackBerry KEY2 im Test: Eine Tastatur mit Speed (Key)

Wenige Überraschungen gibt es bei der Tastatur des KEY2. In unserem Test konnten die Tasten mit einer grandiosen Haptik überzeugen. Durch die abgeschrägten Kanten wissen die Finger stets, auf welcher Taste sie sich befinden. Nach etwas Eingewöhnung ist ein blindes Tippen auf der Tastatur möglich und auch längere Texte zu verfassen geht mit den Hardware-Tasten einfach von der Hand.

Eine kleine Abweichung vom BlackBerry-Standard hat man sich bei den Tasten aber doch gegönnt: Die rechte Shift-Taste wurde zugunsten des neuen „Speed Key“ entfernt. Mit ihm ist es möglich, Tastenkombinationen auszulösen und damit Apps und Kontakte zu öffnen. Egal ob Twitter, Instagram oder GMail: Alle Apps, die man mit dem Speed Key ansteuert, sind nur noch einen Tastendruck entfernt und dadurch binnen Bruchteilen von Sekunden geöffnet. Der Snapdragon 660 schafft diese App-Wechsel angenehm zügig, Einbußen bei der Geschwindigkeit sind im Test sind nicht aufgefallen.

Die Tastatur besitzt erneut Touch-Funktionen. Durch ein Streichen über die Tasten ist es möglich, Aktionen auf dem Display auszuführen. Mit einem Wischen nach oben oder unten kann man mit Leichtigkeit durch die Timelines von Twitter oder Instagram scrollen, ohne dass mit den Fingern Teile des Feeds verdeckt werden. Diese Gesten helfen auch beim Tippen: Wortvorschläge können mit einem Wischen nach oben akzeptiert werden, das zuletzt getippte Wort mit einem Wisch nach links wieder entfernt werden.

An den in der Leertaste verbauten Fingerabdrucksensor gewöhnt man sich schnell, anfangs ließ die Zuverlässigkeit aber zu wünschen übrig. Gerade in der ersten Nutzungswoche wurden Finger eher seltener erkannt, um das Eingeben der PIN kam ich nicht herum. Danach wurde es etwas besser.

Die Optik des BlackBerry KEY2 im Detail

Nachfolgend einige Bilder des BlackBerry KEY2, die das Smartphone im Detail zeigen:

Die Kamera des BlackBerry KEY2 im Test

Zum ersten Mal wurde in einem BlackBerry eine Dual-Kamera verbaut. Die zweite Linse soll einen optischen Zoom mit zweifacher Vergrößerung bieten. Das Ergebnis überrascht: Qualitativ lassen sich kaum Unterschiede zwischen einem Bild der Zoom-Linse und einem digital hereingezoomten Bild mit der Hauptlinse festmachen.

Gerade bei der Zoom-Linse fällt einerseits ein starkes Nachschäften auf, während gleichzeitig Details in einem Pixelbrei untergehen. Es stellt sich die Frage, ob sich BlackBerry mit der zweiten Linse wirklich einen Gefallen getan hat.

Insgesamt muss man feststellen, dass sich zwischen den guten Fotos, die man durchaus mit dem KEY2 schießen kann, viele Fotos verstecken, bei denen der Weißabgleich nicht stimmt, die Farben wahlweise zu wenig oder zu viel Sättigung besitzen, die verwackelt oder zu stark nachgeschärft sind. Nachtaufnahmen gelingen nur bei stark ausgeleuchteten Objekten. Damit zeigt sich die Kamera im Test als schlicht nicht zuverlässig. Gleiches gilt auch für Videoaufnahmen.

Auch die Front-Kamera liegt hinter den Erwartungen. Obwohl die Gesichtserkennung den Fokus auf das Gesicht lenken soll, wirken diese häufig leicht unscharf, fast so als gäbe es einen integrierten Beauty-Filter, der sich nicht deaktivieren lässt.

Nachfolgend einige Fotos, die wir im Test mit dem BlackBerry KEY2 gemacht haben:

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20 Bilder
BlackBerry KEY2: Dual-Kamera des Business-Smartphones angetestet.

Wer tagsüber versucht Fotos zu schießen, wird oft im Dunklen tappen. Die Displayhelligkeit ist schlicht zu niedrig, um bei Tageslicht ordentlich etwas auf dem Display erkennen zu können.

Die Software des BlackBerry KEY2 im Test

Ausgeliefert wird das KEY2 mit einer angepassten Version von Android 8.1 Oreo. Dabei wurden einige Standard-UI-Elemente angepasst: Beim Einstecken eines USB-Kabels wird in einem eigenen Interface gefragt, ob Daten übertragen, oder nur der Akku geladen werden soll, beim Aufladen informiert ein kleiner Fortschrittsbalken an der Seite als Always-On-Element über den aktuellen Ladestand. Kurzum: Die „BlackBerry UI“ besitzt einige nette Features. Wahrscheinlich kommt es aber ob dieser Features gelegentlich zu Bugs, etwa dann, wenn beim Herunterziehen der Notification Bar auf dem Sperrbildschirm sich die angezeigten Elemente nicht korrekt eingeklappt werden.

Der Touchscreen ist zu empfindlich eingestellt. Viel zu einfach können, z.B. in der Hosentasche, Aktionen auf dem Screen ausgeführt werden. Das führt zu unfreiwilligen PIN-Eingaben, dem Aufrufen – aber glücklicherweise niemals Wählen – des Notrufs, zufälligem Spulen über das Podcast-Widget auf dem Sperrbildschirm oder zum Einschalten der Taschenlampe.

Um die Sicherheit des Systems zu erhöhen, hat BlackBerry die eigene DTEK-App gleich vorinstalliert. Diese prüft in regelmäßigen Abständen, ob es nicht-installierte Updates für Android gibt, welche Apps von ihren Android-API-Freigaben Gebrauch machen und ob die Nutzerdaten verschlüsselt sind. Schade: Die Montags in der Nacht nach dem Scan eintreffende Meldung, dass es keine Probleme gibt, lässt sich nicht deaktivieren.

Außerdem kann man mit der DTEK-App nachvollziehen, welche Apps wie häufig Daten aus den Android-Schnittstellen (z.B. Kamera, Standort) beziehen.

Hardware-Tastatur: Eine Gewissensfrage

Ob man mit einer Hardware-Tastatur schneller unterwegs ist, hängt ganz davon ab, wie man beide Tastatur-Typen nutzt. BlackBerry liefert gute Argumente für Hardware-Tasten: Eine angenehme Haptik, der Speed Key und die Gesten sorgen für einen schnellen Arbeitsfluss, bei dem eine On-Screen-Tastatur einfach nicht mithalten kann. Wer allerdings mittlerweile das Swipen von Texten gewohnt ist, wird es schwerer haben sich wieder daran zu gewöhnen, jeden Buchstaben einzeln einzugeben und damit das Arbeiten mit einer Hardware-Tastatur als mühsam empfinden.

Das hat uns gefallen:

  • Die Tastatur ist hochwertig verarbeitet, längere Texte zu schreiben ist mit ihr kein Problem.
  • Komforttaste und Speed Key beschleunigen das Auffinden und Öffnen von Apps.
  • Das KEY2 liegt gut in der Hand, das Gehäuse macht einen robusten Eindruck. Die Oberfläche der Plastik-Rückseite verhindert Fingerabdrücke.
  • Der verbaute 3.500 mAh-Akku übersteht ohne Probleme mehr als einen Arbeitstag. Nach einem Tag Nutzung ist immer mehr als die Hälfte des Akkus übrig. Mit dem mitgelieferten Netzteil ist der Akku nach anderthalb Stunden wieder voll aufgeladen.
  • Weiterhin wird für Kopfhörer ein 3,5-mm-Mini-Klinkenanschluss verbaut.

Das fanden wir nicht gut:

  • Die Kameraleistung ist nur durchschnittlich. Bei schnellem Wechseln zwischen den Linsen hat sich die Kamera-App gelegentlich aufgehängt.
  • Der Touchscreen ist zu sensibel eingestellt: Butt-Dialing ist möglich!
  • Das Display ist bei prallem Sonnenlicht zu dunkel.
  • Keine IP-Zertifizierung: Das Smartphone ist nicht offiziell gegen das Eindringen von Wasser und Staub geschützt!
  • Der Preis von 649 Euro für die 64-GB-Variante ist für ein Gerät mit Snapdragon 660 ziemlich happig.

Gut zu wissen:

  • Der Speicher ist per microSD-Karte bis 256 GB erweiterbar.
  • Für einen Aufpreis von 50 Euro bekommt man eine Version mit 128 GB Speicher (erweiterbar) und Dual-Sim-Slot.
  • Das Display hat ein für Smartphones ungewöhnliches Seitenverhältnis von 3:2 (Auflösung 1.620 x 1.080 Pixel). Wer Videos auf dem Gerät konsumiert, wird mit Letterboxing leben müssen.
  • Mit eingesteckten Kopfhörern kann FM-Radio empfangen werden.
  • Das mitgelieferte Headset liefert einen satten Bass, die Mitten werden durch tiefe Töne überdeckt. Die Höhen klingen betont, können aber j nach Song auch etwas zu scharf klingen. Sitz und Tragekomfort sind top, die Verarbeitungsqualität kennen wir von anderen Beipack-Kopfhörern: Das ist nicht für die Ewigkeit gebaut.

BlackBerry KEY2: Technische Daten

Display 4,5 Zoll IPS-LCD, 1.620 x 1.080 Pixeln, 3:2-Seitenverhältnis
Prozessor Snapdragon 660
Arbeitsspeicher 6 GB
Interner Speicher 64/128 GB, erweiterbar per microSD bis 256 GB
Hauptkamera Dual-Kamera mit 12 MP und f/1.8, zweite Kamera mit 12 MP und f/2.6, Portrait-Modus
Frontkamera 8 MP, f/2.0
Software Android 8.1 Oreo
Akku 3.500 mAh, Quick Charge 3.0
Konnektivität LTE, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 5.0, GPS, USB Typ C 3.0, NFC, FM Radio
Farben Black, Silver
Maße 151,4 x 71,8 x 8,5 mm
Gewicht 168 Gramm
Sonstiges Hardware-Tastatur, Fingerabdrucksensor, Dual-SIM (in der 128 GB-Variante)

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