Android-Erfinder Andy Rubin hat gestern mit dem Essential PH-1 sein erstes Smartphone vorgestellt, das den Markt revolutionieren soll. In einem Interview, wenige Stunden nach der Präsentation, zeigt Rubin das Essential-Phone erstmals und enthüllt weitere Details dazu.

 

Essential PH-1

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Essential PH-1 im Hands-On-Video mit Andy Rubin

Gestern war ein großer Tag für Android-Erfinder Andy Rubin, denn er hat nicht nur sein Unternehmen Essential Products offiziell vorgestellt, sondern mit dem Essential PH-1 und Essential Home direkt zwei Produkte aus dem Ärmel geschüttelt, die zeitnah auf den Markt kommen. Im Interview mit Walt Mossberg auf der Code 2017 hat Rubin sein Unternehmen, die Produkte und die Idee dahinter näher erläutert. Dort wurde das Essential PH-1 auch erstmals in Aktion gezeigt, denn bisher haben wir nur Renderbilder von dem Smartphone gesehen.

Essential PH-1 im Hands-On-Video mit dem Android-Erfinder (YouTube)

Das Video bringt gleich mehrere wichtige Erkenntnisse mit sich:

  • Das Essential PH-1 sieht tatsächlich so aus, wie auf den Bildern. Es bietet ein fast randloses Display, mit einer eingelassenen Frontkamera im Panel
  • Das Smartphone und die ansteckbare 360-Grad-Kamera funktionieren auch wirklich
  • Der Marktstart findet Ende Juni statt. Andy Rubin war es sehr wichtig, dass zwischen der Präsentation und Markteinführung nicht unnötig viel Zeit vergeht
  • Das Projekt und Unternehmen ist voll finanziert, sodass der Marktstart in den kommenden 30 Tagen durchgeführt werden kann

Es wird auch sehr zeitnah Testberichte geben, die zeigen, ob das Essential PH-1 so revolutionär ist, wie der Android-Erfinder es uns glauben machen möchte. Jeder, der ein Foto seines Badge der Code-Konferenz an eine bestimmte E-Mail-Adresse schickt, bekommt ein Smartphone mit Kamera gestellt. Vor Ort waren alle wichtigen US-Medien vertreten, die von diesem Angebot mit Sicherheit Gebrauch machen werden. Ob und wann auch europäische Pressevertreter ein Testgerät erhalten, muss sich zeigen.

Das modulare System bietet unendliche Möglichkeiten

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Andy Rubin hat bestätigt, das Essential Products weitere Ansteckmodule bauen wird. Diese können nicht nur am Smartphone selbst, sondern beispielsweise auch am Home verwendet werden. Die kabellose Datenverbindung und das kompakte Design erlauben den Einsatz an verschiedenen Produkten – auch an Smartphones in anderen Größen. Das kann Lenovo beim Moto Z nicht. Dort ist man an eine Größe gebunden.

Das Essential-Phone bietet beispielsweise keinen microSD-Slot oder klassischen Kopfhöreranschluss. Für den Android-Erfinder kein Problem: Speichermodule oder zusätzliche Anschlüsse können einfach über Module angesteckt werden. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit stimmt mit dem USB-Typ-C-Anschluss an der Unterseite überein.

Essential Assistent – und offen für alles

Dein Google Assistant: Bereit zu helfen

Das Smartphone ebenso wie Home werden einen Essential-Assistenten erhalten. Da es sich aber um eine offene Plattform handelt, kann jeder andere Hersteller, sei es Amazon mit Alexa oder Apple mit Siri, ebenfalls auf dem Smartphone verwendet werden – vorausgesetzt, die Hersteller sind dazu bereit. Bei Apple darf man das bezweifeln, Google, Amazon oder Microsoft dürften das Angebot mit Sicherheit annehmen.

Als Betriebssystem kommt Android zum Einsatz. Die Version bleibt ein Geheimnis. Die Anpassungen sollen sich in Grenzen halten. Der Verkauf des Essential PH-1 findet zunächst über den Onlineshop statt, Rubin ist aber offen für Kooperationen mit Mobilfunkanbietern. Technische Hindernisse gibt es nicht. Das Smartphone unterstützt alle US-Netze. Rubin möchte aber sicherstellen, dass die Provider das Smartphone weder mit Bloatware noch mit Logo zukleistern.

Der Profit kommt mit der Zeit – falls Essential erfolgreich ist

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Andy Rubin ist sich natürlich bewusst, dass es mit Apple und Samsung zwei große Konkurrenten gibt, die den Markt aktuell beherrschen. Deswegen ist sein Unternehmen zunächst nicht darauf fixiert, Profit zu machen – was in der Smartphone-Branche mit kleinen Stückzahlen sowieso schwierig ist. Vielmehr möchte er gute Produkte bauen, die gerne gekauft werden. Steigt das Interesse, komme auch der Profit.

Er sieht in seinem kleinen Unternehmen auch einen großen Vorteil. Er kann neue Technologie und Materialien viel einfacher erhalten. Wenn Apple oder Samsung 200 Millionen Stück eines neuen Komponenten brauchen, müssen viele Unternehmen ablehnen. Rubin kann hingegen auf einen unverwüstlichen Rahmen aus Titan, eine Rückseite aus Keramik und ein spezielles Display setzen, das eine ausgeschnittene Kamera beherbergt.

Apropos Kamera im Display: Das ist für Andy Rubin beim Essential-Smartphone kein Problem. Hätte man die Kamera an der Unterseite platziert, hätte es die User Experience deutlich gestört. Nutzer müssten bei Selfies das Smartphone umdrehen, um gute Ergebnisse zu erhalten. Die Kamera bedeckt zudem in kaum einem Fall wichtige Inhalte. Benachrichtigungen oder Statussymbole sind jeweils rechts und linkes neben der „Lücke“ zu finden. Videos würden durch das 19:10-Display sowieso nicht in diesem Bereich sichtbar sein. Die Entscheidung für die Kamera im Display wurde also mit Bedacht getroffen – und nicht nur bei der Kamera. Das komplette Smartphone und die Idee dahinter scheinen gut durchdacht zu sein.

Kommt das Essential PH-1 nach Deutschland?

Nicht verraten hat der Android-Erfinder hingegen, wann und ob das Essential PH-1 in anderen Ländern verkauft wird. Sollte das Smartphone in den USA ein Erfolg werden, stünde dem aber vermutlich kaum etwas im Wege. Würdet ihr euch das Essential-Phone kaufen?

Peter Hryciuk
Peter Hryciuk, GIGA-Experte für Smartphones, Tablets, Android, Windows und Deals.

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