Galaxy Nexus: Software-Patch soll Verkaufsverbot umgehen

Frank Ritter 6

Wie berichtet, ist in den USA derzeit ein Verkaufsverbot für das Galaxy Nexus in Kraft, was zu einigen Protesten in den sozialen Netzwerken Twitter und Google+ führte. Grund dafür ist die universelle Suche, die auf dem Smartphone vorinstalliert ist. Ein Patch soll diesen „Missstand“ nun beheben und das Galaxy Nexus wieder verfügbar machen.

Ein unbeteiligter Beobachter sollte meinen, dass Apple die Hersteller von Android-Geräten aufgrund gröbster Kopien von iPhone, iPad und Konsorten sowie dreistestem Software-Ideenklau verklagt. Tatsächlich sind es aber oft eher kleine Software-Ideen, mit denen Apple die Konkurrenten qua Berichtsbeschluss aus dem Handel nehmen lässt. Im aktuellen Fall des Verkaufsverbots für das Galaxy Nexus in den USA handelt es sich um die - eigentlich naheliegende - Funktion einer Suchbox, die eben nicht nur Ergebnisse aus dem Netz liefert, sondern gleichzeitig auch Kontakte, E-Mails, installierte Apps und dergleichen auswirft. Dieses Feature kennt man aus nahezu jedem aktuellen Betriebssystem.

Mag man über die Sinnhaftigkeit und die Frage, ob eine solche Softwarefunktion schützbar ist, streiten. Apple besitzt darauf jedoch ein Patent und hat dieses vor Gericht geltend gemacht, weswegen das Galaxy Nexus in den USA derzeit nicht verkauft werden darf und auch aus dem Google Play Store entfernt wurde. Im Google Play Store, über den in den USA das Galaxy Nexus in der GSM-Version verkauft wird, gibt es derzeit nur ein „Coming Soon“-Hinweis nebst Aufforderung zu sehen, seine E-Mail-Adresse für weitere Informationen zu hinterlassen.

galaxy nexus play store

Google und Samsung lassen das jedoch nicht auf sich sitzen. Dabei versuchen die Konzerne nicht nur, den eigenen Standpunkt im Gerichtssaal zu verteidigen - ein Antrag seitens Samsung, die einstweilige Verfügung fallenzulassen, wurde gestern vom Gericht zurückgewiesen. Als temporäre Lösung entwickelt man derzeit zudem einen Software-Patch, der bewirken soll, dass das Apple-Patent nicht mehr verletzt wird. Zu diesem Zweck wird die Suchfunktion im Galaxy Nexus in voller Absicht „verdummt“. Wenn der Software-Patch ausgerollt wird, wird man über das Google-Such-Widget nur noch Ergebnisse von der Suchmaschine erhalten. Informationen zufolge, die The Verge erhalten hat, soll der Software-Flicken noch heute ausrollen. Es steht zu vermuten, dass Samsung und Google dann erneut versuchen werden, den Verkauf des Galaxy Nexus vom Gericht wieder erlauben zu lassen. Das Google Now-Feature aus Android 4.1 „Jelly Bean“ soll davon nicht betroffen sein.

Ein Software absichtlich um Kernfunktionalitäten zu berauben mag absurd klingen, ist aber im Zuge von Apples juristischem Kreuzzug derzeit leider notwendig. Auch HTC musste im Juni Änderungen an seiner Software vornehmen, um die eigenen Produkte in den USA zu verkaufen.

Viel schlimmer als die Folgen von beschnittener Funktionalität, die Smartphone-Nutzer nun erdulden müssen, ist jedoch die Eskalation der Streitigkeiten um geistiges Eigentum. Während Firmen früher Neuerungen von Konkurrenzunternehmen übernehmen und graduell verbessern durften - was Erfindungen und Fortschritte begünstigt - führt das Vorgehen von Apple zu einer Stagnation von Innovation. Apples Konkurrenten werden dazu animiert, als Defensivmaßnahmen eigene Patente für trivialste Einfälle einzureichen und externe Patentportfolios anzukaufen. Softwareentwickler müssen stets gegenprüfen, ob eine Idee nicht schon irgendjemand anders erfunden und patentiert hat. Solche Entwicklungen sind des 21. Jahrhunderts, in dem wir leben, eigentlich nicht würdig.

Quelle: The Verge

>> Galaxy Nexus kaufen: | | Cyberport |

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung