HTC 10 im Test: Kantiger Reboot

Tuan Le 26

Da ist es, das HTC 10: Das Smartphone, auf das die Tech-Welt mit angehaltenem Atem gewartet hat – weniger aufgrund von Gerüchten zur Technik oder weil spektakuläre, innovative Features erwartet wurden. Vielmehr könnten die Verkaufszahlen darüber entscheiden, ob dem taiwanischen Konzern noch eine Zukunft als Smartphone-Hersteller vergönnt ist oder es sich hierbei gar um das letzte High-End-Gerät des einstigen Android-Pioniers handeln wird.

HTC 10 im Test: Kantiger Reboot

Kurzfazit: Das HTC 10 ist ein gutes Smartphone – ein sehr gutes sogar. Vielleicht ist es sogar eines der besten Smartphones der Welt: Makel oder Kritikpunkte zu finden fällt schwer. Dennoch gibt es guten Grund dafür, sich zu sorgen, ob das Smartphone wirklich ausreichend Abnehmer finden wird. Durch das für manche Hände schon zu wuchtige Geräte-Design und das Fehlen wirklicher Alleinstellungsmerkmale gegenüber der starken Konkurrenz ist es nicht abwegig, dass HTC mit dem 10 nicht die Aufmerksamkeit erlangen wird, die ein solch exzellentes Smartphone eigentlich verdient hätte. Entgegen der im Vorfeld fast schon großspurig wirkenden Ankündigungen überzeugt das HTC 10 stattdessen getreu der Firmenphilosophie der Taiwaner – und ist tatsächlich einfach „quietly brilliant“.

Pro

  • Exzellente Verarbeitung
  • Meist sehr gute Kamera
  • Schnelle und flüssige Performance
  • Entschlackte Software nahe Stock-Android
  • Ausgezeichneter Sound
  • Ausdauernder Akku
Kontra

  • Wuchtiges Design
  • Kamera noch etwas verbuggt
  • Leichte Hitzeentwicklung bei anspruchsvolleren Apps
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Die Wertung findet ihr unten im Text

Anmerkung: Über den Lieferumfang und die Verpackung können wir keine Aussagen treffen, da wir von HTC lediglich ein Testmodell in einer Whitebox erhalten haben. Dort waren neben einem Ladekabel und einem Adapter noch In-Ear-Kopfhörer sowie das Ice View Cover enthalten.

HTC 10: Technische Spezifikationen im Überblick

Display 5,2 Zoll LCD mit 2.560 x 1.440 Pixel (WQHD, 564 ppi)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 820, Quad Core mit bis zu 2,2 GHz (64 Bit)
Arbeitsspeicher 4 GB DDR4
Interner Speicher 32 GB (erweiterbar um bis zu 2 TB)
Hauptkamera 12 MP UltraPixel mit 1,55 μm Pixelgröße, Laser-Autofokus, f/1.8-Linse und optischem Bildstabilisator, Dual-Tone LED-Blitz
Frontkamera 5 MP mit 1,34 μm Pixelgröße und f/1.8-Linse, optischer Bildstabilisator
Konnektivität Nano-SIM, Bluetooth 4.2 LE, NFC, WLAN a/b/g/n/ac
Akku 3.000 mAh
Abmessungen & Gewicht 145,9 x 71,9 x 3,0 - 9,0 mm, 161 Gramm
Betriebssystem Android 6.0.1 Marshmallow mit Sense UI 8
Sonstiges BoomSound Hi-Fi Edition, Hi-Res Audio, Fingerabdrucksensor, USB Typ C mit USB 3.1, Quick Charge 3.0
Farben Carbon Grey, Glacier Silver, Topaz Gold
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14 Bilder
9 Tipps: So schießt du mit dem Smartphone bessere Fotos im Schnee.

Verarbeitung und Design des HTC 10: Tadellos und polarisierend

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Wenn man das HTC 10 zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird man nicht umhinkommen, beeindruckt zu sein: Zugegeben, auch das HTC One M9 und One M8, vom äußerst eleganten One M7 ganz zu schweigen, gaben dank eines Aluminium-Unibody-Gehäuses imposante Erscheinungen ab. Doch inmitten immer schlanker werdender Smartphones wirkt das an der dicksten Stelle 9 Millimeter tiefe Gehäuse des HTC 10 schon fast wie eine provokanten Herausforderung: „Klotzen statt kleckern“ lautet die durchaus selbstbewusste Devise.

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Entsprechend dieses Selbstverständnisses sind auch die abgeschliffenen Kanten auf der Rückseite des Smartphones zu verstehen, die anders als bei Konkurrenzgeräten keineswegs als dekorativer Feinschliff eingesetzt werden, sondern mit einer Breite von fast einem halben Zentimeter dem Smartphone eine optisch absolut unverwechselbare Note geben. Ebenfalls auf der Rückseite anzutreffen sind die seit dem One M7 typischen Antennenstreifen, die makellos in das Gehäuse eingearbeitet wurden sowie die minimal herausragende Kamera – diesmal wieder im komplett runden Design.

An der Front befindet sich neben dem Display an der Oberseite ein im Glas versenkter Lautsprecher, der leider dazu neigt, Staub zu fangen. Daneben befindet sich die fast schon überproportional groß aussehende Frontkamera – ein weiteres, polarisierendes Designmerkmal. Zusammen mit dem leicht abgerundeten Displayglas macht das Design des Smartphones aber einen durch und durch hochwertigen und vor allem auch durchdachten Eindruck.

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Lediglich bei der Positionierung des Fingerabdrucksensors, der für unseren Geschmack noch etwas höher hätte liegen sollen, um sich mittig zwischen Display und unterem Displayrand zu positionieren, könnte man HTC ein designtechnisches Malheur ankreiden. Zwar lässt sich der Sensor nicht wie ein herkömmlicher Homebutton nach unten drücken, er übernimmt aber als Touch-Schaltfläche die Home-Funktion und sorgt damit für eine Abkehr von den Software-Buttons der beiden Vorgänger. Auf diese Weise nutzt das HTC 10 den Platz auf dem Display besser aus, auch wenn manche HTC-Fans die flexibleren Software-Buttons vom M8 und M9 vermissen werden. Flankiert wird er von zwei kapazitiven Tasten links und rechts daneben.

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Am Geräterahmen befindet sich auf der rechten Seite der Power-Button, der sich aufgrund seiner geriffelten Struktur rau anfühlt und problemlos von dem darüber liegenden Lautstärkeregler unterschieden werden kann. Der Druckpunkt der Tasten ist knackig, alle Tasten sitzen zudem bombenfest und ohne Spiel im Unibody-Gehäuse. Ebenfalls auf der rechten Seite positioniert ist der Nano-SIM-Schlitten, auf der gegenüberliegenden Seite ist ein weiterer Slot für die microSD-Speicherkarte. Leider fehlt jegliche Beschriftung am Gehäuse, sodass man zunächst als Nutzer hin und wieder verwirrt sein dürfte, auf welcher Seite sich nun welcher Slot befindet.

Bei der Verarbeitung und der Originalität des Designs kann man HTC für das 10 nur Respekt zollen. Natürlich werden es manche als zu klobig und unhandlich empfinden, wiederum andere gerade aufgrund der industriellen und überaus hochwertig anmutenden Optik lieben. Wie so oft lässt sich über Geschmack also streiten, uns gefällt das HTC 10 aber als Statement gegen die grassierende Verdünnung in der Smartphone-Landschaft.

Das Display des HTC 10 im Test

HTC-10-Front-Oberseite-Hand-Frontkamera

Das 5,2-Zoll-Display des HTC 10 macht fast alles richtig: Es ist ausreichend hell – zumindest, wenn man noch ausreichend Akku besitzt beziehungsweise die entsprechende Energiespar-Einstellung deaktiviert. Die Maximalhelligkeit kommt allerdings nicht an die des Galaxy S7 (edge) und die aktueller iPhones heran. Das Display lässt sich trotzdem auch gut ablesen und ist dank einer Auflösung von WQHD, also 2.560 x 1.440 Pixel, auch sehr scharf.

Zudem lassen sich die Farben des Displays auf Wunsch nach eigenen Vorlieben anpassen. Vorgegeben sind zwei Profile: Einmal „lebendig“, was wohl starke Kontraste und lebhafte Farmen ähnlich wie bei AMOLED-Display simuliert, zum anderen „sRGB“, eine deutlich natürlicher wirkende Variante mit großem Farbraum. Bei beiden Profilen kann man zusätzlich die Farbtemperatur variieren – wenn man denn unbedingt will. Zumindest bei unserem Testgerät war die Kalibrierung bereits optimal, wobei wir das Gerät hauptsächlich im sRGB-Modus verwendet haben.

Software des HTC 10 im Test: Nicht spannend, aber super

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Auf dem HTC 10 kommt Sense 8.0 basierend auf Android 6.0 Marshmallow zum Einsatz – es hätte aber vermutlich auch genauso gut Stock-Android sein können. Die Benutzeroberfläche ist reaktionsfreudig und orientiert sich optisch stark am von Google vorgegebenen Material Design. Erfreulicherweise hat HTC es geschafft, sich mit Google über die Wahl der integrierten Apps abzustimmen und so findet der Nutzer nicht mehr gedoppelt sowohl Google als auch HTC-Apps für Kalender und Co. vor, sondern nur noch eine von beiden. Wer die HTC-Apps aus den Vorgängern mochte, kann diese aber noch über den Play Store nachinstallieren.

Mitunter bekommt man als Nutzer allerdings auch ein wenig das Gefühl, dass das HTC Sense 8.0 viel vom ursprünglichen Charakter verloren hat. Es gibt zwar noch den hauseigenen Launcher mit den altbekannten Widgets – darunter etwa das für HTC kennzeichnende Flip-Clock-Widget, dass schon zu Zeiten von Windows Mobile auf HTC-Smartphones wiederzufinden war – doch beim Musikplayer zum Beispiel hätte HTC ruhig auf eine hauseigene Lösung setzen sollen, anstatt auf Play Music.

Schließlich hat HTC beim 10 wieder einmal einen starken Fokus auf den Sound gelegt. In der Software spiegelt sich dies in einem Assistenten zur Anpassung der Klangfrequenzen an das eigene Benutzerprofil wieder, entweder durch die Beantwortung mehrerer Fragen – oder aber einem Hörtest, bei dem der Nutzer angeben muss, ab welcher Lautstärke er bestimmte Frequenzen wahrnimmt. Diese Profile können schnell gewechselt werden, etwa beim Wechsel des Kopfhörers oder wenn man sich aus einer Umgebung mit niedriger Hintergrundbeschallungen in Gegenden mit hoher Lautstärke begibt. Zudem gibt es selbstredend auch wieder das BoomSound-Profil, das sich aktiviert, sobald Musik wiedergegeben wird und die ohnehin schon hervorragende Klangqualität nochmal merklich verbessert.

Abgesehen davon gibt es in der Software aber nicht viel zu entdecken. Ob einem dies gefällt oder nicht, ist Ansichtssache: Für Einsteiger könnte die sehr übersichtlich gehaltene Oberfläche erfreulich unkompliziert sein, vielleicht fehlt dem einen oder anderen aber auch die Fülle an Features und Funktionen, die die Oberflächen von Smartphone-Herstellern für gewöhnlich mit sich bringen. Wer aber auf CyanogenMod/OS oder das Vanilla-Android der Nexus-Smartphones schwört, wird sich schnell mit Sense 8.0 anfreunden.

Mehr dazu: HTC 10: So schön sieht Sense 8.0 aus

Performance des HTC 10: Rasant dank Snapdragon 820

Der vierkernige Snapdragon 820 ist eines der schnellsten SoCs auf dem Markt und verrichtet auch im HTC 10 hervorragende Dienste. Egal ob Alltagsnutzung mit intensivem Multitasking oder anspruchsvolle 3D-Spiele – bei Ruckeln oder gar Abstürzen konnten wir das Smartphone nicht beobachten.

Beim HTC One M9 machte der Snapdragon 810 noch Probleme aufgrund der zuweilen beunruhigenden Hitzeentwicklung, davon ist beim HTC 10 im Zusammenspiel mit Qualcomms neuen Chip nicht wirklich viel zu bemerken. Bei der Nutzung von anspruchsvolleren Apps wie Warhammer 40K Freeblade wird das Smartphone zwar merklich warm, das ist wohl aufgrund des Aluminium-Unibody-Gehäuses nicht weiter beunruhigend sondern sogar wünschenswert, fungiert es hier doch als Heatspreader. Insgesamt leistet sich HTC auch bei der Hardware-Performance keinerlei Schnitzer und spielt bei der Leistung ganz vorne mit.

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Für die Benchmark-Fans haben wir das Gerät auch pro forma im AnTuTu-Benchmark antreten lassen. Mit 140.000 Punkten lässt HTC hier die Konkurrenz komplett hinter sich.

Telefonie und Audio beim HTC 10

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In Sachen Telefonie ist die Empfangsqualität des Smartphones sehr gut – selbst in der U-Bahn oder Orten mit eigentlich eher schlechter Netzabdeckung holt das Smartphone das Bestmögliche heraus, wo andere Geräte schon längst die Waffen strecken. Auch bezüglich der Qualität von Telefonaten gibt es nichts zu bemängeln, die Sprachqualität ist auf beiden Seiten sehr gut. Vor allem die hochwertige Qualität des verbauten Mikrofons dürfte dazu beitragen, dass man beim Gesprächspartner ohne Probleme zu verstehen ist.

Interessant dürfte für einige Nutzer die Frage sein, inwiefern die Lautsprecher eine klanglich zufriedenstellende Performance bieten. Anders als bei den Vorgängermodellen hat HTC diesmal auf zwei Frontlautsprecher verzichtet, behauptet aber dennoch eine Integration von BoomSound geschafft zu haben. Dafür wird bei der Wiedergabe von Audio nicht nur der Lautsprecher an der Unterseite verwendet, sondern auch der in der Hörmuschel integrierte Speaker.

Dabei wird die Klangfrequenz aufgeteilt, um ein möglichst natürliches Klangbild zu erzeugen. Die Qualität der Lautsprecher ist wirklich gut und vor allem auch sehr laut, wobei in unseren Ohren naturgemäß die Frontlautsprecher des HTC One M9 und Co. dennoch insgesamt eine noch etwas bessere Klangqualität ermöglichen. Im Vergleich zu traditionellen Lautsprecher-Lösungen in Smartphones ist das Konzept des HTC 10 aber auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung, die in kommenden Geräten sicherlich noch andere Hersteller kopieren dürften.

Besonders erwähnenswert ist der Umstand, dass die Lautsprecher selbst bei Abdeckung mit den Fingern nicht merklich leiser werden. Anders als bei anderen Geräten kann man das Smartphone daher auch bedenkenlos zum Spielen im Querformat verwenden, ohne dabei die Soundwiedergabe einzuschränken.

Konnektivität und Speicher des HTC 10 im Test

Auch hier leistet sich HTC keine Aussetzer – NFC ist ebenso wie Bluetooth 4.2 mit an Bord und alle gängigen WLAN-Standards werden von dem Smartphone unterstützt.

Der interne Speicher des Smartphones beträgt 32 GB, von denen dem Nutzer 23,5 GB ab Werk zur Verfügung stehen – ein durchschnittlicher Wert, wobei wir aufgrund der schlanken Software eigentlich eine bessere Ausbeute erhofft hatten. Immerhin lässt sich der Speicher des HTC 10 aber problemlos per microSD-Karte erweitern.

HTC-10-Speicher

In der Software ist zudem eine Funktion von Android 6.0 Marshmallow integriert, mit der man den internen Speicher mit dem der Speicherkarte verschmelzen kann. Dadurch wird es zwar problematisch, die Speicherkarte während des Smartphone-Betriebs wieder zu entfernen, doch dafür lassen sich beispielsweise sämtliche Apps komplett auf dem auf der Karte verfügbaren Speicherplatz umlagern, was beispielsweise mit einer 200 GB-Speicherkarte sämtliche Kapazitätsprobleme lösen sollte. Beim LG G5 und Samsung Galaxy S7 ist die entsprechende Funktion hingegen deaktiviert worden.

Akku und Alltag mit dem HTC 10

Das wuchtige Gehäuse des HTC 10 verbirgt nicht nur leistungsfähige Komponenten, sondern auch einen entsprechend starken Akku: 3.000 mAh ist für ein Gerät der 5-Zoll-Klasse nominell ein guter Wert, der auch im Praxis-Test durchaus überzeugen kann. Bei gemischter Nutzung, inklusive Videowiedergabe, Telefonaten, Messaging und der Synchronisation dutzender Konten im Hintergrund, übersteht das HTC 10 einen Arbeitstag mit etwa 4 Stunden Screen-on-Zeit ohne Probleme.

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Einige kritische Stimmen werden nun vielleicht anmerken, dass sie mit ihren Geräten famose Screen-On-Zeiten von 8 Stunden oder mehr gewohnt sind. Auch das HTC 10 schafft, wenn man sich nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln mit schlechter Netzwerkverbindung tummelt und stattdessen Daheim mit WLAN-Verbindung einen Serien-Marathon hinlegt, sicherlich auch deutlich längere Screen-On-Zeiten, aber solche speziellen Szenarien sind nicht unbedingt repräsentativ für die Nutzung im Alltag.

Erfreulich ist auch der geringe Verbrauch im Standby-Modus – dass man nach einer langen Nacht ohne Steckdose plötzlich mit leerem Akku dasteht, sollte beim HTC 10 daher nicht passieren. Darüber hinaus geht das Aufladen innerhalb kürzester Zeit vonstatten: Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Gerät wieder voll aufgeladen, Quick Charge sei Dank. Zusätzlich gibt es noch einige Energiespar-Einstellungen, etwa Profile, die die Funktionalität des Gerätes zugunsten einer noch längeren Laufzeit einschränken. Tatsächlich dürfte man in der Praxis aufgrund von Quick Charge und langer Ausdauer nur selten in derartige Engpässe geraten.

Der Fingerabdrucksensor an der Front funktioniert im Übrigen ebenfalls absolut zuverlässig und entsperrt das Smartphone zügig. Die Fehlerquote lag in unserem Testzeitraum bei nahezu Null, auch wenn die längliche Form für Nutzer von Geräten mit rundem Fingerabdrucksensor auf der Rückseite (zu denen auch der Verfasser dieses Tests zählt) zu Beginn etwas ungewöhnlich ist.

Im Alltag ist das HTC 10 ein durch und durch zuverlässiger Begleiter – der einfach genau so funktioniert, wie man es von einem High-End-Smartphone erwartet, ohne Zicken zu machen.

Die Kamera des HTC 10 im Test

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In der Vergangenheit hatte HTC leider immer wieder im Bereich der Kamera deutliche Schwächen aufgewiesen. Gemessen an den sonstigen Qualitäten der One-Smartphones M7, M8 und M9 war die Kamera immer als Achillesferse der Geräte aus Taiwan zu betrachten.

Im Vorfeld der Präsentation des HTC 10 hat man großspurig angekündigt, die beste Smartphone-Kamera der Welt bieten zu wollen – und ließ sich das beim Launch des Smartphones gleich von den Experten von DxOMark bestätigen, die das Gerät zusammen mit dem Samsung Galaxy S7 auf den Kamera-Thron setzten.

Tatsächlich können wir im Test des HTC 10 bestätigen, dass die Kamera zumindest keine eklatante Schwachstelle mehr darstellt, wenngleich man sich darüber streiten kann, ob es wirklich die beste Smartphone-Kamera der Welt ist. Vielmehr hat die Kamera im HTC 10 wie auch bei der Konkurrenz ihre Stärken und Schwächen. In Sachen Tiefenschärfe und Bilddynamik liefert die Kamera des HTC 10 wirklich ansehnliche Ergebnisse, die Fotos wirken natürlich und sind dank einer Auflösung von 12 Megapixel selbst für den Ausdruck von Postkarten brauchbar.

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Die Farben wirken außerdem intensiv, ohne dabei unnatürlich bunt zu erscheinen. Allerdings stellt sich in dunklen Bildbereichen ein leichtes Rauschen ein, bei schlechteren Lichtverhältnissen ist außerdem ein leichter Grün- und Violett-Stich zu beobachten. Perfekt ist also auch die Kamera des HTC 10 keineswegs.

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Dementsprechend konnten wir beim Test des HTC 10 zwar einige ansehnliche Fotos schießen, allerdings gab es auch Probleme mit diversen Bugs, die HTC bereits mit einem Software-Update auszubessern versucht hat. Unter anderem war auffällig, dass bei Außenaufnahmen mit viel Umgebungslicht ein milchiger Weißschleier das Gesamtbild buchstäblich trübte. Zudem neigt die Kamera des HTC 10 zu einer zunehmenden Unschärfe zum Bildrand hin, was aber möglicherweise auch der f/1.8-Blende zuzuschreiben ist. Das Problem mit dem Weißschleier wurde nach einem Software-Update deutlich reduziert, auch scheint der Autofokus nach der Aktualisierung zuverlässiger zu arbeiten.

Insgesamt ist das Nutzererlebnis der Kamera des HTC 10 noch ausbaufähig. Die Einstellungsmöglichkeiten in der Kamera-App sind – Versuche, die Oberfläche schlanker und übersichtlicher zu gestalten in Ehren – ziemlich rudimentär geraten. Im Profimodus lassen sich zwar noch ISO, Fokusmodus und Weißabgleich anpassen, doch im Vergleich zur Konkurrenz von LG, Samsung oder auch Huawei ist die Kamera-App für enthusiastische Hobby-Fotografen vom Funktionsumfang her zu minimalistisch gehalten und lässt Features wie ausgefeilte Szenenmodi oder Filter vermissen.

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Vielleicht wird der ein oder andere aber auch gerade diesen Minimalismus schätzen – immerhin schießt die Kamera des HTC 10 Fotos auf Wunsch auch im RAW-Format, sodass wirklich ambitionierte Fotografen ohnehin eher eine Nachbearbeitung am PC mit Lightroom oder Photoshop anstreben werden. Darüber hinaus muss lobend hervorgehoben werden, dass das OIS-Modul auch bei Videos hervorragende Arbeit leistet und ruckelfreie Aufnahmen mit einer Auflösung bis zu 4K ermöglicht.

HTC 10 (vor Update auf 1.30.401.1).
HTC 10 Testvideo (nach Update).

Die Frontkamera mit OIS liefert im Übrigen ebenfalls zufriedenstellende Ergebnisse und macht auch bei schlechten Verhältnissen im Vergleich zu den Frontkameras der Konkurrenz eine gute Figur. Ob man wirklich eine optische Bildstabilisierung in der Frontkamera benötigt, hängt sicherlich auch vom eigenen Nutzungsverhalten ab; zumindest technisch liefert das HTC 10 aber eine gute Grundlage, um unterwegs etwa ruckelfreie Vlogs mit der Frontknipse drehen zu können. Einzig die mit 5 MP etwas geringere Auflösung als bei so manchem Mittelklassegerät mag mancher als Einschränkung empfinden.

HTC 10: Test-Fazit

HTC ist wieder da. Nach dem zwar guten, aber auf hohem Niveau enttäuschenden HTC One M9 (Test) ist das HTC 10 ein Kracher-Smartphone ohne echte Schwächen und hat, in Bezug auf Software-Updates, sogar noch ein bisschen Luft nach oben. Hoffen wir, dass das HTC 10 auch am Markt erfolgreich ist, denn – dieser Teufel wurde zuletzt oft genug an die Wand gemalt – eine Smartphone-Branche ohne HTC wollen wir uns gar nicht vorstellen.

Unsere Test-Wertung zum HTC 10

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 5/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Kamera: 4/5

Gesamtwertung: 90 %

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HTC 10

17. Mai 2016

90/100 Punkte

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