HTC One A9 im Test: „Don't mention the iPhone“

Frank Ritter 6

Moment mal, das sieht ja aus wie … ja, stimmt: Das HTC One A9 erinnert optisch ziemlich eklatant an Apples aktuelle iPhone-Generation und ist – als erstes Nicht-Nexus-Gerät – mit Android 6.0 Marshmallow ausgestattet. In unserem Testbericht zum HTC One A9 erfahrt ihr, was es zum 5-Zoll-Smartphone der Taiwaner noch zu sagen gibt.

HTC One A9 im Test.

Die Story war nicht, dass HTC ein neues Smartphone bringt. Die Story war, dass HTC ein iPhone bringt. Jedes Medium, das das HTC One A9 besprach, referenzierte Apples iPhones der 6er-Reihe als Designvorbild – warum, sieht man auf dem ersten Blick. Klar hat sich auch Apple in der Vergangenheit von HTC inspirieren lassen, aber wie nonchalant HTC die Rundungswinkel und die Silhouette, ja beinahe die gesamte Rückseite des iPhone kopiert, das hat schon eine eigene Qualität. Das offensichtliche Vorbild des HTC One A9 zu ignorieren ist praktisch unmöglich. Aber vielleicht ja auch im Sinne von HTC. These: Bei einem Gerät im eigenen Design hätte die Gefahr bestanden, dass die Story eine noch negativere gewesen wäre – eine, die von der letzten Chance HTCs vor dem endgültigen Fall erzählt hätte. Denn ketzerisch gefragt: Wer kauft schon das Gerät eines Konzerns, den es schon bald nicht mehr geben könnte? Wie sich HTC gegen die Gefahr der sich selbst erfüllenden Prophezeiung zur Wehr setzt, ist zumindest geschickt.

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Doch lasst uns von Interpretationsversuchen absehen; kommen wir dazu, worum es eigentlich geht: das HTC One A9 als Smartphone. Wir haben das Gerät rund zwei Wochen im Alltag verwendet und möchten im Rahmen unseres Testberichtes klären, ob sich das A9 auch dann lohnt wenn man – sofern das überhaupt möglich ist – keine Haltung zur Designinspiration des Smartphones hat.

Das Testgerät wurde uns von HTCs PR-Agentur leihweise zur Verfügung gestellt. Sofort nach Inbetriebnahme erreichte uns ein Update auf die Firmware-Version 1.10.401.7, die unserem rund zweiwöchigen Test zugrunde liegt.

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Design und Verarbeitung des HTC One A9

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HTC-typisch besitzt das HTC One A9 zwar immer noch die relativ großen Ränder an der Seite und oben wie unten, die uns bei diversen HTC-Geräten der letzten Jahre – vom One M7 bis zum M9 zur Kritik gereichten. Beim A9 wirkt das Ganze aber auf eine Weise homogen und weniger kritikwürdig. Unten verbaut HTC einen Fingerabdrucksensor, der den Nutzer gut und schnell identifiziert, aber nicht so zuverlässig ist wie beispielsweise der Scanner aus den aktuellen Geräten von Huawei und Apple. Der Button ist kein Druckknopf; er kann zwar wie ein kapazitiver Home-Button verwendet werden, dessen Funktion doppelt sich aber mit den zwingend zu nutzenden Software-Buttons. Weitere kapazitive Buttons gibt es nicht.

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Das HTC-Logo an der Front finde ich überflüssig – stattdessen hätte der Hersteller den Fingerabdrucksensor größer machen sollen. Oder vielleicht sogar an einer sinnvolleren Stelle platzieren sollen – etwa an der Seite wie beim Sony Xperia Z5 oder hinten wie bei den neuesten Nexus- und Huawei-Geräten. Man muss ja nun auch nicht jedes iPhone-Muster kopieren, die zum Entsperren notwendige Daumenbewegung ist jedenfalls alles andere als ergonomisch.

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Schick und angenehm in der Bedienung ist das 2,5D-Glas an der Front, das sich an den Rändern jeweils leicht verjüngt. Das Glas schließt allerdings nicht ganz so bündig mit dem seitlichen Metallrahmen ab, wie das beim iPhone der Fall ist – die resultierenden Rillen lassen sich deutlich erfühlen. Die Buttons an der Seite sind leicht zu ertasten – insbesondere der Power-Button ist angenehm geriffelt. Sie haben aber keine optimalen Druckpunkte, hier könnte HTC sich tatsächlich etwas Inspiration bei Apple, Samsung und mittlerweile auch Huawei abholen.

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Hinten finden wir Plastikstreifen, die zum Zweck der Verbesserung von Sende- und Empfangsleistung in das flache Alu-Unibody-Gehäuse eingelassen sind. Bei unserem Testmuster war die Verarbeitung hier nicht ganz sauber, die Streifen konnten als leicht abstehend erfühlt werden. Abgesehen davon sehen wir vertikal mittig noch das HTC-Logo und – als signifikantester Unterschied zum iPhone-Design – oben-mittig die Kamera. Auch diese steht leicht heraus, das Gerät wackelt auf dem Rücken liegend aber praktisch nicht. Unten, kaum sichtbar, druckt HTC die für den Nutzer irrelevanten Informationen zur FCC-Zertifizierung, Entsorgungshinweise und das CE-Logo auf.

Das schlanke Gehäuse fühlt sich wertig an, dank der glatten Oberfläche fließt das Gerät nur so in die Hosentasche hinein. Hält man das Gerät in der Hand und wechselt die Bildschirmorientierung, besteht so jedoch immer die latente Gefahr, dass man das A9 fallen lässt – was uns im Testzeitraum zweimal passierte (einmal im Testvideo zu sehen). Macken oder Beulen hat das Gerät dabei nicht bekommen – das war aber reines Glück. Wir empfehlen besondere Vorsicht walten zu lassen, oder gleich zu einem Case zu greifen.

Technische Spezifikationen des HTC One A9 im Überblick

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Display 5 Zoll AMOLED mit Full HD (1.920 x 1.080)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 617 Octa-Core mit 4 x 1,5 GHz und 4 x 1,2 GHz (64 Bit)
Arbeitsspeicher 2 GB
Datenspeicher 16 GB (mittels microSD-Karte um bis zu 2 TB erweiterbar)
Betriebssystem Android 6.0 Marshmallow
Hauptkamera 13 MP mit Saphirglas-Linse, f/2.0-Blende und OIS (1,4°)
Frontkamera 4,1 MP Ultrapixel-Kamera mit f/2.0-Blende
Akku 2.150 mAh mit Quick Charge 2.0
Konnektivität Bluetooth 4.1, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, LTE Cat.6, USB 2.0
Software Android 6.0 Marshmallow mit Sense 7.0
Farben Schwarz und Silber (ab Dezember 2015: Gold und Rot)
Abmessungen 145,8 x 70,8 x 7,3 Millimeter
Gewicht 143 Gramm
Sonstiges Aluminiumgehäuse, Fingerabdrucksensor auf der Front, RAW-Unterstützung, hardwareunterstützte Hyperlapse-Funktion

Das Display des HTC One A9

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Das HTC One A9 besitzt ein 5-Zoll-AMOLED-Display. Typisch für diese Technologie ist dieses farbintensiv, blickwinkelstabil und angemessen hell, wenn auch nicht so hell und in den Weißwerten so rein wie aktuelle Genre-Spitzenreiter. Dank der Full-HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und der daraus resultierenden Pixeldichte von 441 ppi ist es auch so scharf, wie es sich für ein Gerät dieser Klasse gehört. Klar, ob der PenTile-Matrix ist die faktische Bildschärfe etwas niedriger, das menschliche Auge erkennt aber keine einzelnen Pixel, unschöne Treppchen oder ausgefranste Kanten. Also alles im grünen Bereich, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau aktueller IPS- und AMOLED-Panels in den Smartphone-Flaggschiffen.

Akkuleistung des HTC One A9

Negativ fiel uns die Laufzeit des mit 2.150 mAh schon auf dem Papier knapp dimensionierten Akkus auf: Zwar schwankte diese mitunter stark, an den meisten Tagen musste tagsüber aber mindestens einmal „nachgetankt“ werden, und das nervt auf Dauer sehr – trotz Schnelladefunktion und dem Doze-Modus von Android 6.0. Abgesehen von Facebook, Twitter und WhatsApp wurden im Hintergrund drei Google-Konten und ein Exchange-Account synchronisiert, die Bildschirmhelligkeit lag stets ungefähr bei 70 %, die Screen-On-Time bei 2 bis 3 Stunden. Aus unserer Sicht sind solche Ergebnisse indiskutabel. Klar kann man ein Smartphone auch zurückhaltender benutzen, man sollte sich aber nicht dabei so stark einschränken müssen, dass die Battery Angst beherrschend wird.

Die Software im HTC One A9

Wo wir beim Thema sind: Als erstes Nicht-Nexus-Smartphone ist das HTC One A9 mit der neuesten Android-Version 6.0 Marshmallow ausgestattet. In einigen Wochen mag danach kein Hahn mehr krähen, aktuell handelt es sich aber noch um ein Alleinstellungsmerkmal. Das darübergepfropfte HTC Sense UI in Version 7.0 ist dezent und visuell ansprechend, bei den Schnelleinstellungs-Kacheln setzt HTC jetzt sogar komplett auf Stock-Android. Ansonsten gibt es aber wenig Unterschiede zu Sense 7 unter Android 5.x, wir verweisen für weitere Informationen auf unseren HTC One M9-Test.

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Die Leistung des Gerätes geht in Ordnung: Der verbaute Snapdragon 617 ist ein Achtkern-Prozessor der Mittelklasse, dem 2 GB RAM und 16 GB interner Speicher zur Seite stehen – per microSD-Karte erweiterbar. Sowohl auf dem Homescreen als auch in Games gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Lediglich in einigen wenigen Situationen war das One A9 nach dem Aufwecken aus dem Standby für einige Sekunden etwas träge, das ging aber schnell vorbei. Mit einem Antutu-Resultat um 40.000 bestätigt auch ein Benchmark diesen Eindruck: Leistungsmäßig reißt das One A9 zwar keine Bäume aus, das ist für 99 % der Anwendungsfälle eines Android-Smartphones im Jahr 2015 auch nicht mehr nötig.

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Die Kamera im HTC One A9

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Die Kamera war beim diesjährigen Flaggschiff HTC One M9 noch ein Grund zur Beanstandung. Auch beim A9 ist diese nicht so gut wie erhofft, obwohl HTC hier nun endlich wieder einen optischen Bildstabilisator einsetzt, nachdem ein OIS zuletzt im HTC One M7 seinen Dienst verrichtete. Der tut sein Werk zuverlässig, trotzdem ist die Bildqualität meist nicht allzu befriedigend. Allgemein haben die Bilder eine zu starke Tendenz ins Blau-Violette, seltener ins Grüne und sind beim Heranzoomen generell relativ detailarm.

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Bei gutem Licht und bewegungsarmen Motiven kann die Kamera trotzdem überzeugen – das darf man aber auch erwarten. Im Halbdunkel oder bei schnellen Motiven macht das Fotografieren mit dem One A9 jedoch nur wenig Spaß. Vor allem auch, weil die Kamera-App im Halbdunkel extrem lange braucht, um nach dem Druck auf den Auslöser das Foto zu schießen. Verblüffend ist auch, wie die Sucher-Anzeige auf dem Display von sehr flüssig auf extrem ruckelig wechselt, sobald man von einer hellen in eine halbdunkle Umgebung umzieht. Auch die Videofunktion ist passabel, fällt aber durch sehr aggressive Anpassung der automatischen Helligkeit auf und kann maximal Full HD-Videos mit 30 FPS aufnehmen. An der Front verbaut HTC wieder eine Ultrapixel-Kamera mit Weitwinkellinse. Immerhin bietet das A9 die Möglichkeit, im Pro-Modus Werte wie Verschlusszeit und ISO manuell festzulegen und RAW-Fotos zu schießen. Aber wie gesagt: Ein Kamerawunder ist auch das One A9 nicht, in dieser Hinsicht verliert HTC aus unserer Sicht immer mehr den Anschluss gegenüber Samsung, Apple und LG.

Klang & Gesprächsqualität des HTC One A9

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Anders als die meisten jüngeren HTC-Smartphones hat das One A9 keine zum Nutzer ausgerichteten Stereo-Speaker mehr – schade. Der Mono-Lautsprecher am unteren Ende des Metallrahmens klingt immerhin passabel, ist aber vergleichsweise leise, etwa im Vergleich zum Huawei Mate S. Die Gesprächsqualität war auch nicht ganz auf dem Niveau des Mate S, uns fielen hier deutlich mehr Störgeräusche auf.

HTC One A9 im Test: Fazit

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Was mir das Review des HTC One A9 klargemacht hat, ist ironischerweise, warum ich kein Typ für das iPhone bin: Ich mag die glatte Metall-Oberfläche nicht, genauso wenig wie die Tatsache, dass für ein schmales Gehäuseprofil die für mich deutlich wichtigere Akkulaufzeit geopfert wurde. Und ich finde einen im Home-Button positionierten Fingerabdrucksensor suboptimal.

Aber auch nach objektiven Maßstäben können wir dem HTC One A9 nicht unbedingt eine Kaufempfehlung aussprechen, zumindest wenn nicht ein iPhone-Design mit Android als Betriebssystem der heilige Gral für die eigenen Smartphone-Präferenz ist. Das liegt zum einen am Preis: Das HTC One A9 kostet aktuell deutlich über 500 Euro. In fast allen Belangen überlegene Geräte wie das Samsung Galaxy S6, das LG G4 und das OnePlus 2 sind schon deutlich günstiger zu haben. Zum anderen gibt es in der Leistungs-Mittelklasse bereits deutlich günstigere und insgesamt auch interessantere Geräte, beispielsweise das OnePlus X, das rund die Hälfte kostet. Fans wird das One A9 trotzdem finden – dafür wird schon das nicht gerade innovative, aber immerhin auffällige Design sorgen.

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Unsere Test-Wertung zum HTC One A9

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Kamera: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamt: 70 %

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Pro:

  • gutes Display
  • Fingerabdrucksensor
  • bereits mit Android 6.0 ausgestattet

Kontra:

  • zu kleiner Akku
  • zu teuer
  • nur mittelmäßige Kamera – trotz optischem Bildstabilisator

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HTC One A9

23. November 2015

70/100 Punkte

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