HTC One (M8): Nach Schummelei folgt Rauswurf aus Benchmark-Topliste

Tuan Le 17

Wer nicht hören will, muss fühlen: HTC versuchte der Presse und den Nutzern noch zu verkaufen, dass der kürzlich entdeckte Perfomance Booster beim HTC One (M8) im Benchmark keineswegs ein Betrugsversuch, sondern gar ein Feature sei. Sonderlich überzeugend fanden die Betreiber von 3DMark dieses Argument wohl nicht, denn nun folgte umgehend der Rauswurf des HTC One (M8) aus dem Benchmark. Damit gesellt sich das HTC One (M8) zu seinen ebenfalls aus der Liste entfernten Vorgängern.

HTC One (M8): Nach Schummelei folgt Rauswurf aus Benchmark-Topliste

So ganz unerwartet war diese Entwicklung natürlich nicht: Futuremark, das Unternehmen hinter 3DMark, war schon damals bei den Skandalen um die Benchmarks bei HTC und Samsung das erste Unternehmen, welches mit sofortiger Wirkung diverse Smartphones aus den Ranglisten entfernte. Mit der Bezeichnung „Delisted“ werden seit jeher am traurigen Ende der Benchmark-Ränge die Geräte bezeichnet, die sich offensichtlich durch eine Hochtaktung der CPU, Abschaltung von Hintergrundprozessen oder anderen Methoden unnatürlich hohe Punkte im Benchmark abholen. Während Samsung sich gegenüber den Vorwürfen einsichtig zeigte und nach einer Entfernung derartiger Mechanismen auch wieder in den 3DMark aufgenommen wurde, fristet HTC mit dem HTC One M7 (Test) und HTC One Mini (Test) aufgrund von Performance-Boostern nach wie vor ein Schattendasein in der Benchmarkliste von Futuremark.

HTC-One-M8-Benchmark-3DMark-Vergleich

Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern, da das HTC One (M8) offenbar extra für den 3DMark zusätzliche Leistungsressourcen aktiviert und die Betreiber des Benchmarks dies natürlich nicht tolerieren. Futuremark verwies bei der Erklärung zum Rauswurf des HTC One (M8) auf den Bericht von anandtech, in dem offensichtlich wurde, dass das HTC One (M8) die 3DMark-Applikation aus dem Play Store als Benchmark erkannte. Beim Vergleich mit einer leicht modifizierten APK von 3DMark, welche einen anderen Namen trug und daher nicht vom HTC One (M8) erkannt werden konnte, lieferte die offizielle Playstore-Version eine um bis zu 15 Prozent bessere Performance – noch eindeutiger kann man HTC den Betrugsversuch eigentlich nicht nachweisen.

Futuremark ging auch auf die Verteidigung HTCs ein, dass es Möglichkeiten gäbe, die zusätzlichen Performance-Booster bei Bedarf zu deaktivieren. Dies sei laut eigenen Nachforschungen schlicht und ergreifend nicht der Fall, denn das Deaktivieren des so genannten High-Performance-Modus in den Einstellungen zeigte zumindest beim 3DMark keinerlei Unterschiede, was eine faire Messung somit unmöglich machte. Darüber hinaus betonten die 3DMark-Entwickler, dass der Benchmark keineswegs nur eine weltfremde Spielerei sei, sondern man das Ziel verfolge, die alltägliche Performance von Geräten zu messen.

Inwiefern ein Benchmark eine solche Aufgabe verrichten kann, ist sicherlich eine treffliche Streitfrage - selbst ohne Performance-Booster erreicht etwa das Samsung Galaxy Note 3 (Test) Platz 9 im 3DMark-Ranking, während sich das Google Nexus 5 (Test) aufgrund starker Throttling-Mechanismen zur Reduzierung des Stromverbrauchs weit abgeschlagen auf Platz 27 befindet - trotz vergleichbarer, teils sogar flüssigerer Leistung im Alltag.

Sind Benchmarks sowieso überbewertet oder haltet ihr die Reaktion von 3DMark berechtigt? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Quelle: Futuremark, Anandtech [via Stadt-Bremerhaven]

Update: Wir hatten das M8 mittlerweile auf dem Prüfstand. Wie gut das Smartphone abschneidet, erfährt man in unserem umfangreichen HTC One (M8)-Test.

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