Das Display im HTC One M9-Test

Frank Ritter 14

HTC-One-M9-14-Hand-Display-Icons-Widget

HTC hat sich dazu entschieden, im Gerät ein 5 Zoll-Display einzubauen, das in Full HD auflöst. Mal ganz abgesehen davon, dass HTC über seine Zulieferer mutmaßlich aktuell keinen Zugriff auf Displays mit höherer Auflösung in dieser Größenklasse hat, ist die Entscheidung für 1.920 x 1.080 die richtige. Höhere Pixeldichten als die hier gebotenen 441 ppi wahrzunehmen, fällt selbst geübten Augen schwer, dafür sind höhere, zum Beispiel WQHD-Auflösungen, mit direkten und indirekten negativen Effekten (höherer Akkuverbrauch, mehr erforderliche Rechenleistung, geringere Maximalhelligkeit) verbunden, wie man zuletzt beispielsweise am LG G3 gesehen hat.

HTC-One-M9-31-Front-liegend

Das Panel basiert, wie die Displays in den letzten HTC-Flaggschiffen, auf IPS-Technologie. Der Bildschirm ist, mit minimalen Abweichungen, auf dem Niveau des Vorgängers; uns würde nicht erstaunen, wenn M8 und M9 tatsächlich die gleichen Displays besäßen, die nur minimal unterschiedlich konfiguriert wären. Das bedeutet, dass wir es mit einem guten, aber nicht perfekten Display zu tun haben. Es verfügt über kräftige Farben und ein gutes, wenn auch nicht AMOLED-tiefes, Schwarz, Lichthöfe sind keine zu entdecken. Das Weiß hat, insbesondere bei weniger helleren Einstellungen, einen leichten Blaustich, den man aber überwiegend nur im direkten Vergleich mit anderen Geräten wahrnimmt. Die Farbstabilität bei seitlichen Blickwinkeln geht in Ordnung, die Maximalhelligkeit auch, wenngleich beide Werte nicht überragend sind. Das Display könnte grundsätzlich ein bisschen stärker leuchten, wenn man die automatische Helligkeitsregelung aktiviert. Das Fehlen eines Reglers zum direkten Einstellen der Helligkeit in der Benachrichtigungsleiste – in Vanilla Android eigentlich seit Version 5.0 standardmäßig integriert – ärgert zusätzlich. Trotzdem: Das HTC One M9 besitzt ein gutes Display, das sogar vom stabilen Gorilla Glass 4 geschützt wird. Klassenziel erreicht.

Bilderstrecke starten
14 Bilder
9 Tipps: So schießt du mit dem Smartphone bessere Fotos im Schnee.

Die Kamera im HTC One M9

HTC-One-M9-33-Kamera-Dual-LED

Fragt man Besitzer der Vorgängermodelle nach einem Punkt, der an ihrem Gerät verbessert werden könnte, würden die meisten wohl die Kamera anführen. Im HTC One (M7) fand sich rückseitig die Ultrapixel-Kamera mit besonders großen Sensor-Pixeln, die bei Aufnahmen in schlechten Lichtverhältnissen herausragen sollten, deren Fotos aber nur eine Auflösung von 4 MP erreichten. Im HTC One (M8) gab es dasselbe Modul, angereichert mit der so genannten Duo Camera. Diese zusätzliche Linse auf der Rückseite erweiterte durch eine leicht versetzte Position aufgenommene Bilder um rudimentäre Tiefeninformationen. Im Optimalfall konnten so interessante Bokeh- und andere Effekte im Nachhinein appliziert werden. Die Auflösung der Fotos verblieb jedoch bei 4 MP und in der alltäglichen Nutzung verkam die Duo Camera schnell zum Gimmick, das die meisten Besitzer nur sporadisch nutzten. Da im M8 zudem der optische Bildstabilisator des M7 wegfiel, besaßen die Bilder gemeinhin sogar eine noch geringere Qualität als im Vorgänger.

HTC-One-M9-27-Kamera-Front

Mit dem M9 sieht HTC nun endlich ein, dass eine höhere Auflösung in der Oberklasse mittlerweile Pflicht ist und stattet sein Flaggschiff mit einem 20 MP-Modul aus. Die Ultrapixel-Kamera wandert derweil an die Vorderseite, HTC argumentiert, dass so deutlich bessere Selfies unter schwierigen Lichtverhältnissen möglich werden. Die Duo Camera fällt weg, einen optischen Bildstabilisator hat das HTC One M9 jedoch ebenfalls nicht. Reicht das aus?

Leider nur zum Teil. Um eines vorab aus dem Weg zu räumen: Unter guten Lichtverhältnissen schießt das One M9 hervorragende Bilder, da gibt es kein Vertun. Das ist bei einem Gerät dieser Preisklasse aber auch Pflicht. Satte Farben, viele Details und aufgrund der f/2.2-Blende schöne Bokeh-Effekte – fotografiert man unter blauem Himmel, könnte man die Resultate der Kamera fast für die von dezidierten DSLRs halten, wiewohl sie etwas in Rot- und Braunstichige neigen.

HTC-One-M9-Testfoto-115-gutes-Licht

HTC-One-M9-Testfoto-159-gutes-Licht

HTC-One-M9-Testfoto-164-gutes-Licht-kuenstlich

HTC-One-M9-Testfoto-004-gutes-Licht
HTC-One-M9-Testfoto-002-Park

HTC-One-M9-Testfoto-264-HDR

Problematisch wird es in diversen Unterdisziplinen: Zum einen nutzt HTC wieder einmal aggressives Postprocessing. Beim M9 ist es vor allem der Rauschfilter, der Details der Bilder entfernt und herangezoomte Bilder stark vermatschen lässt. Außerdem verschluckt sich das Gerät immer wieder beim automatischen Fokussieren – ein Bereich, in dem HTC sonst stets brillierte. Unter suboptimalen Lichtverhältnissen aufgenommene Bilder sind detailarm, verwackelt und nicht farbintensiv genug – so als wollte HTC im Nachgang die Ultrapixel-Technik der Vorgängergeräte rechtfertigen. Besonders deutlich wird das bei der langsamen HDR-Funktion. Auch die bei hohen Zoomfaktoren deutlich sichtbaren JPEG-Artefakte und eine zu aggressive automatische Helligkeitsjustierung bewirken, dass man den Eindruck gewinnt, HTC habe seine Software schlicht (noch) nicht an den Sensor angepasst.

HTC-One-M9-Testfoto-014-Nacht

HTC-One-M9-Testfoto-269-grau-unscharf

HTC-One-M9-Testfoto-186-kuenstliches-Licht

Ein Sensor wiederum, der selbst auch nicht das Gelbe vom Ei ist – warum sich HTC hier offenbar von der bewährten Sony-Technik ab und einem Toshiba-Sensor zugewandt hat, ist uns nicht erklärlich. Wir hoffen, dass HTC zumindest noch einige Software-Stellschrauben findet, mit denen die Resultate verbessert werden können. Positiv zu vermerken ist, dass schnell bewegende Motive bei HTC nur wenig verwischen, offenbar wählt die Automatik in der Regel eine kürzere Belichtungszeit aus.

HTC-One-M9-28-Front-Kamera-Frontkamera

Die 4-MP-Frontkamera mit Ultrapixel-Technik wird ergänzt durch die serientypische Weitwinkellinse, um Selfies mit besonders vielen Freunden und/oder Hintergrund-Szenerie gleichzeitig zu schießen. Die Frontkamera macht bei unterdurchschnittlichen Lichtverhältnissen etwas bessere Fotos als die Rückkamera, wiewohl auch hier vermatschte und detailarme Bilder herauskommen.

HTC-One-M9-Testfoto-149-Frontkamera-hell

HTC-One-M9-Testfoto-013-Frontkamera-dunkel

Videos aufnehmen kann das HTC One M9 in 4K-Auflösung, also 3.840 x 2.160 und 30 FPS. Alternativ können Full HD-Aufnahmen mit 30 oder 60 FPS oder Zeitlupenaufnahmen angefertigt werden. Die Videos können sich bei guten Lichtverhältnissen sehen lassen, wenn sie auch mitunter aggressiv in der Helligkeit angepasst werden. Bei Zeitlupenvideo ist auch ein starkes Nachschärfen zu beobachten. Aufpassen sollte man bei händischer Nachjustierungen per Touch-to-Focus-Funktion. Unter ungünstigen Umständen „verheddert“ sich die Helligkeitsanpassung und sorgt dafür, dass das Video flackert und jähe Helligkeitsänderungen auftreten. Egal in welchem Modus man sich befindet, die Kamera gibt Handwackler stark im Video wieder, hier macht sich die fehlende Bildstabiliserung besonders deutlich bemerkbar. Wer keine besonders ruhige Hand hat, sollte sich während der Aufnahme möglichst wenig bewegen und beide Hände am Gerät haben.

Von oben nach unten: Zeitlupenaufnahme, 4K-Aufnahme, Aufnahme in 60 FPS. Bitte beim Anschauen jeweils die beste Qualität über das Zahnradsymbol auswählen.

Die Kamera-App wird nach der erst im Herbst 2014 beim HTC Desire Eye eingeführten Eye Experience nun erneut geändert – und wirkt träger, überladener und unlogischer als die Foto-App der Vorgänger. Es ist schade, dass sich HTC zu solchen Performance fressenden Kinkerlitzchen wie einem Live-Hautverschönerungsfilter für die Haut bei Selfies hinreißen lässt, den HDR-Modus aber in einem untergeordneten Menü versteckt. Was bedeuten Kamera-Modi, die durch ein „M“ oder ein „T“ symbolisiert werden und warum finde ich sie in einem anderen Menü als den Panorama-Modus? Warum ist das Optionsmenü mittlerweile so verschachtelt wie deren Pendant auf den Smartphones von Samsung in ihren schlimmsten Zeiten?

HTC-One-M9-Kamera-App-1

HTC-One-M9-Kamera-App-2

HTC-One-M9-Kamera-App-3

Auch Features die wir in alten Features der HTC-Kamera sinnvoll fanden, wirken mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. Etwa die Tatsache, dass man mit einem Tap im Sucher nicht nur das entsprechende Objekt scharf stellt, sondern auch die Bildhelligkeit daran anpasst. An sich ist die Idee gut, doch oft wird das Bild dadurch zu hell oder zu dunkel. Dass man zwischen der Haupt- und Frontkamera mit einer Wischbewegung vom seitlichen Rand wechselt, wirkt ebenfalls unlogisch, weil hier nun auch weitere Modi wie Panorama oder über einen separaten Button zusätzlich zuschaltbare (Bokeh, Passfoto, Split-Aufnahme) in die Reihe integriert sind – zum Wechsel muss man im Landscape-Modus von oben oder unten wischen. Gut hat uns gefallen, dass man die Kamera durch eine Geste – das Gerät im Landscape-Modus halten und eine Lautstärketaste drücken – schnell gestartet werden kann, ein dezidierter Kamerabutton wird somit überflüssig. Grundsätzlich geht die Aufnahme einzelner Fotos oder Fotoreihen im Burst-Modus schnell vonstatten. Trotzdem fragt man sich, was aus der bewusst reduzierten und sinnvoll durchgestylten Foto-App aus dem HTC One M7 geworden ist. Unterm Strich bleibt festzuhalten: Auch wenn HTC bei den Spezifikationen nachgebessert hat, bleibt die Kamera die größte Achillesferse des HTC One M9.

Auf der nächsten Seite: Software und Performance des HTC One M9

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA ANDROID

  • Beeindruckende Zahl zeigt: Huawei lässt sich nicht aufhalten

    Beeindruckende Zahl zeigt: Huawei lässt sich nicht aufhalten

    Huawei hat sicher schon einfachere Zeiten erlebt, doch dem Umsatz hat es bislang nicht geschadet: Dem neuen Quartalsbericht zufolge klingeln die Kassen weiterhin – gerade beim Absatz von Smartphones. Ein kleines Detail macht dann aber doch stutzig, wie sich zeigt.
    Simon Stich 2
  • Galaxy S10 ausgetrickst: Samsung äußert sich zu ungewöhnlichem Fall

    Galaxy S10 ausgetrickst: Samsung äußert sich zu ungewöhnlichem Fall

    Wer ein Galaxy S10 von Samsung besitzt und darüber hinaus eine Schutzfolie für das Display einsetzt, der könnte ungewollt ein großes Sicherheitsrisiko eingehen. Unter Umständen soll es möglich sein, dass nicht nur der Besitzer das Handy entsperren kann. Wie kann das überhaupt möglich sein?
    Simon Stich 3
* Werbung