HTC One V: Testbericht zum Legend-Nachfahren

Daniel Kuhn 11

Um Ähnlichkeiten zwischen Familienmitgliedern und dem Nachwuchs zu finden, muss man oft gar nicht lange suchen, das gilt offensichtlich auch für Smartphones: Alleine am Kinn des HTC One V lässt sich die Verwandtschaft zum Vater HTC Legend und zum Großvater HTC Hero deutlich ablesen. Ein Held und eine Legende unter den Vorfahren hinterlassen natürlich große Fußstapfen – ob das HTC One V diese ausfüllen kann, klären wir in unserem Testbericht.

HTC One V: Testbericht zum Legend-Nachfahren

Das haben die Ahnen ja schön hinbekommen: Großvater Hero war zu seiner Zeit nicht nur das schönste, sondern auch für kurze Zeit das leistungsstärkste Smartphone weit und breit. Sein Nachkomme das HTC Legend hat dagegen eher durch sein modernes und sehr elegantes Äußeres als durch seine Kraft von sich reden gemacht. Das HTC One V hat es daher nicht leicht, die Erwartungen, die an es gestellt werden, auch zu erfüllen – an diesem Druck ist schon so manches Smartphone gescheitert. Hinzukommt, dass auch die Geschwister es dem kleinsten Spross nicht leicht machen, sich zu behaupten: Gegen den hünenhaften Kraftprotz One X und die schlanke Schönheit One S wirkt das One V etwas schwächlich. Da es aber bekanntlich nicht nur auf bloße Kraft ankommt und die Optik definitiv nicht zu den Schwächen des One V gehört, ist die Hoffnung noch nicht verloren, dass aus dem jungen Smartphone doch noch was Anständiges werden kann.

Bevor wir mit dem Testbericht anfangen, hier noch mal unser Hands On-Video vom diesjährigen MWC und das Unboxing des HTC One V:


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Für das Testgerät bedanken wir uns ganz herzlich bei den Kollegen von Getgoods.

Verarbeitung und Haptik

Der Körperbau des HTC One V kann, wie dereinst beim HTC Legend, dank des Aluminium-Unibody-Designs als sehr robust bezeichnet werden. Dabei schmiegt sich das One V dank der abgerundeten Ecken auf der Rückseite förmlich in die Hand des Nutzers. Der massive Aluminium-Knochenbau bringt neben der Stabilität mit 115 Gramm allerdings auch ein relativ hohes Gewicht mit sich – ohne dass das One V mit 9,24 Millimeter übermäßig dick wäre; es hat halt schwere Knochen. Die Verarbeitung ist, wie von HTC gewohnt, sehr hochwertig, wobei es doch ein paar kleine Kritikpunkte gibt: Die Lautstärkewippe an der rechten Gehäuseseite ist relativ weit in das Gehäuse eingelassen und kann dadurch gerne mal verfehlt werden – wenn man sie aber trifft, lässt sie sich gut bedienen. Im Gegensatz zum Power-Knopf: Der befindet sich an der Gehäuseoberseite, neben einer Benachrichtigungs-LED und der Klinkenbuchse für das Headset, leider auf einer nach vorne abgeschrägten Fläche und verlangt eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man ihn auf Anhieb richtig trifft.


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Negativ fällt außerdem eine scharfe Kante um das Display herum auf – an dieser kann man sich zwar nicht schneiden, aber sie fühlt sich auch nicht gerade angenehm an. Auch das Display, das quasi auf das Gerät aufgesetzt wurde, steht etwas über den Gehäuserand, was dessen scharfe Kante nochmals betont. Am Übergang zum markanten Kinn befindet sich ebenfalls eine Kante, wo das Display aufhört und auch wenn diese nicht weiter stört, hinterlässt sie zumindest das Gefühl, dass HTC hier eine elegantere Lösung hätte finden können. Der Micro-USB-Anschluss an der linken Gehäuseseite besitzt ebenfalls eine recht scharfe Kante, mit der man aufgrund der geringen Größe des Anschlusses aber recht selten Bekanntschaft macht.

Unter der Plastikabdeckung auf der Rückseite des Kinns finden sich SIM- und microSD-Karten-Slot. Der 1.500 mAh Akku ist fest verbaut. Positiv fällt zudem auf, dass die Kameralinse in das Gehäuse eingelassen ist und nicht, wie bei den beiden großen Geschwistern, eher unschön aus der Gehäuseoberfläche herausragt. Außerdem ist mir die Vibration sehr positiv aufgefallen: Der Motor gibt ein sehr tiefes, kräftiges und bestimmtes Brummen von sich, das man in dieser Form eher selten in einem Smartphone findet.

Display

Beim Display erkennt man wieder deutliche Gemeinsamkeiten zur Verwandtschaft. Es ist, wie bei Tante Desire, 3,7 Zoll groß und besitzt die gleiche LCD 2-Technologie, wie auch der große Bruder One X. Zwar ist das Display nur mit 800 x 480 Pixeln aufgelöst, das reicht bei der Display-Größe mit 252 ppi aber trotzdem für ein angenehm scharfes Bild. Und so ist das Display dann auch wirklich das Sahnestück des One V: Die Farben sind sehr kräftig und intensiv, ohne dabei unnatürlich oder übertrieben zu wirken, es ist so hell, dass man es auch bei Sonneneinstrahlung noch gut ablesen kann und die Blickwinkel wissen ebenfalls zu beeindrucken.


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Hardware und Leistung

Hier fängt das HTC One V leider an, Schwächen zu zeigen – und zwar massive Schwächen. Das größte Manko am Gerät ist definitiv der verbaute Prozessor von Vorgestern: Im One V schlägt ein Single Core Snapdragon von Qualcomm, was an sich erst mal noch nichts Schlechtes sein muss. Leider ist dieser Chipsatz nur auf 1 GHz getaktet und wird daher viel zu oft an seine Leistungsgrenzen gebracht. Wie schon in unserem Unboxing-Video zu sehen war, beginnt das Smartphone schon bei vermeintlich einfachen Aufgaben, wie der Einrichtung bei Inbetriebnahme, zu ruckeln. Dieser Eindruck setzt sich leider auch bei späterer Benutzung fort. Immer wieder hakt und lagt es, das Öffnen einer App wie dem Browser dauert eine Sekunde zu lange und bei der Installation einer Anwendung ist das One V sogar für einige Sekunden gar nicht ansprechbar. Spiele laufen soweit ganz brauchbar, aber ein richtiger Hardcore-Gamer ist das One V aufgrund der CPU-Schwäche nicht – eher ein Gelegenheitsspieler.

GTA III ist in regelmäßigen Abständen abgestürzt und war daher unspielbar, der Versuch Shadowgun zu spielen, verlief allerdings überraschen gut: Nach verhältnismäßig langer Ladezeit läuft das Spiel, allerdings mit niedriger Framerate und häufigen Rucklern weitestgehend brauchbar – sieht man von gelegentlichen Abstürzen ab. Bei Casual Games wie Sprinkle oder Shark Dash fühlt sich das One V, nachdem die Spiele erst mal geladen sind, dann auch deutlich wohler. Da kann man über den einen oder anderen Ruckler auch hinwegsehen.

Benchmarks

  • Quadrant: 2007, 2055, 2031
  • AnTuTu: hängt sich regelmäßig beim testen der SD-Karten-Geschwindigkeit auf
  • CF-Bench Overall: 2622, 2592, 2739

Vielleicht hätte HTC dem One V, wenn es schon unbedingt ein Single Core-Chipsatz sein musste, doch lieber einen aktuelleren und etwas schnelleren Prozessor spendieren sollen und den Nachwuchs nicht die alten Sachen der Verwandtschaft auftragen lassen.

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Konnektivität, Datenverbindung und Gesprächsqualität

In dieser Kategorie schafft es das HTC One V leider auch nicht gerade zu glänzen: Das Mobilfunksignal ist vergleichsweise schwach und unterliegt mitunter ziemlich starken Schwankungen. Teilweise war es mir mitten in Berlin nicht möglich, eine Telefonverbindung aufzubauen. Auch die mobile Datenverbindung leidet unter ähnlichen Problemen. An Orten, an denen ich mit dem Galaxy Nexus eine solide HSPA-Verbindung habe, ist das One V gerne mal auf das 3G-Netz runtergesprungen. Dass die WLAN-Verbindung ebenfalls nicht sonderlich stabil ist, komplettiert das durchwachsene Gesamtbild. Die Gründe für diese Schwankungen liegen in der Konstruktion bedingt, denn die Antennen für die genannten Signale befinden sich in der unteren Plastikabdeckung auf der Rückseite des Kinns. Wenn man das One V nun ungünstig in der Hand hält, verdeckt man diese und führt quasi ein kleines Antennagate herbei.

Hat man aber erst mal eine Telefonverbindung hergestellt, ist die Sprachqualität ziemlich gut und stabil. Beide Gesprächspartner verstehen einander klar und deutlich, wobei der Lautsprecher des One V gerne ein kleines bisschen lauter hätte sein dürfen.

HTC hat dem One V immerhin eine Bluetooth 4.0-Verbindung spendiert, dafür aber leider kein NFC verbaut. Auch beim Speicher wurde das Gerät nicht unbedingt reich beschenkt: Intern sind 4 GB verbaut, wobei davon nach der Inbetriebnahme nur noch knapp 1 GB zur Verfügung steht. Glücklicherweise kann der Speicher des One V anders als im One X und One S via MicroSD nachgerüstet werden; was aber eben auch dringend notwendig ist. Der Speichermangel ist ebenfalls eine alte Familienkrankheit, unter der bereits das HTC Desire massiv gelitten hat – schade dass HTC diese an das One V weitervererbt hat.

Kamera

Das HTC One V besitzt auf der Rückseite eine 5 Megapixel-Kamera mit LED-Blitz. Die Bilder sind im Vergleich zu einigen anderen Smartphone-Kameras dieses Kalibers ziemlich gut – solange sie bei Tageslicht geschossen werden. Die Farben sind ziemlich lebendig und Bildrauschen oder Verzerrungen halten sich im erträglichen Rahmen. Bei schlechteren Lichtverhältnissen nimmt die Qualität erwartungsgemäß ab, aber dieses Schicksal teilt das One V mit so ziemlich jedem anderen Smartphone und Tablet.



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Damit sich niemand benachteiligt fühlt, wurde das One V mit den gleichen Kamerafunktionen ausgestattet wie die beiden großen Geschwister One S und One X. Neben einigen Filtern und Foto-Effekten steht auch die inzwischen fast zum Standard gehörende Panoramafunktion zur Verfügung. Ebenso ist es möglich, bis zu 20 Bilder in Reihe aufzunehmen und sich das Beste davon herauszupicken sowie aus einer Videoaufnahme heraus Fotos zu schießen. Allerdings ist der Auslöser der Kamera im One V etwas behäbiger als zum Beispiel beim One S und so dauert es bis zu einer halben Sekunde nach dem Betätigen des Auslösers, bis das Foto wirklich aufgenommen wurde. Das ist bei Landschaftsaufnahmen kein Problem, Haustiere oder Kinder dürften so allerdings schwer im richtigen Moment einzufangen sein.

Videos werden maximal mit 720 Pixeln aufgenommen und sind qualitativ eher durchschnittlich. Insgesamt wirken sie etwas körnig; schnelle Schwenks sind auch nicht unbedingt die Spezialität des One V. Zudem besitzt das One V lediglich ein Mikrofon, wodurch keine Noise Cancellation vorhanden ist und Videos gerne vom Winde verrauscht werden, wie im Testvideo deutlich zu hören ist:

Eine Frontkamera sucht man beim HTC One V vergeblich – wer sich also auf ausgiebige Videochat-Sessions gefreut hat, wird mit dem Gerät nicht glücklich werden.

Akku und Alltagstauglichkeit

Als Energiequelle besitzt das One V einen 1500 mAh-Akku, der fest verbaut ist. Obwohl der Akku nicht übermäßig großzügig dimensioniert ist, kann er doch mit ganz ordentlichen Ergebnissen aufwarten: In unserem Test haben wir die Synchronisation für mehrere E-Mail-Konten, Facebook und Google+ aktiviert, gelegentlich SMS und E-Mails getippt, im Netz gesurft, zwischendurch ein bisschen gespielt und telefoniert. Bei dieser ziemlich normalen Nutzung hat der Akku immerhin entspannt einen Tag mit einer Akkuladung überstanden und hatte sogar noch ein bisschen Restenergie für den folgenden Tag. Das ist zwar nicht überragend, aber zumindest guter Standard.

Ein bisschen verwundert waren wir bei dem Test, dass das One V kein großes Navigationstalent ist – der Grund dafür ist im Fehlen eines digitalen Kompasses zu suchen. Warum HTC an dieser Stelle gespart hat, erschließt sich uns leider nicht; klar ist nur, dass das One V als Navigationshilfe im Auto oder in fremden Städten eher ungeeignet ist.

Software

Wie auch bei den beiden großen Geschwistern läuft auf dem HTC One V Android 4.0.3 mit HTC Sense 4, auf das Amir im Test des HTC One S bereits näher eingegangen ist. Aufgrund der schwächeren Hardware wurde Sense auf dem One V allerdings etwas abgespeckt: Es stehen nur 5 statt 7 Homescreens zur Verfügung, die bei Pinch-to-Zoom-Geste nicht mehr in der Übersicht gezeigt werden. Auf Wetteranimationen muss ebenso verzichtet werden und auch Dienste wie die virtuelle Videothek HTC View wurden wegrationalisiert. Trotz dieser Einsparungen merkt man aber deutlich, dass der Single Core-Prozessor des One V latent überfordert wirkt und einige Aktionen mit ein paar Millisekunden Verzögerung ausgeführt werden.

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Fazit

Das HTC One V ist ein wirklich schön designtes Smartphone mit einem sehr guten Display, das allerdings unter einigen Familienkrankheiten leidet und aufgrund der Leistungsschwäche nicht ganz die Fußstapfen der Vorfahren ausfüllen kann. Meine persönliche Enttäuschung darüber ist ziemlich hoch. Aber auch wenn die Sentimentalitäten außen vor gelassen werden, kann ich das HTC One V trotz des günstigen UVPs von 299 Euro nicht guten Gewissens als Einsteigergerät empfehlen. Für diesen Preis hat die Konkurrenz bessere, wenn vielleicht auch nicht ganz so schicke, Geräte im Angebot. Wer nicht mehr als 300 Euro ausgeben will, sollte meiner Meinung lieber zum Huawei Honor greifen, auch wenn dieses nicht ganz so stylisch ist und ein etwas schlechteres Display besitzt. Schade, HTC hat die Chance, mit dem One V die Referenz im Smartphone-Einsteigerbereich zu schaffen, leider verspielt – vielleicht klappt das ja dann mit der kommenden Generation.

Unsere Wertung zum HTC One V

Display: 4/5
Verarbeitung und Haptik: 4/5
Software: 3/5
Performance: 2/5
Telefonie: 3/5
Kamera: 3/5
Konnektivität und Speicher: 3/5
Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 3,1/5

Pro

  • Gutes Display
  • Stabiles Unibody-Gehäuse
  • Schickes Design

Kontra

  • Verbindungsprobleme
  • Langsamer Single Core-Prozessor
  • Geringer interner Speicher

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