HTC One X im Test: Die neue Referenz

Frank Ritter 49

Auf dem MWC 2012 stellte HTC seine One-Serie vor, die uns bereits damals zu beeindrucken wusste. Das Einsteigermodell HTC One V und das stilbewusste Modell HTC One S drehten wir bereits durch die androidnext’sche Test-Mangel, nun ist das Spitzenmodell HTC One X dran, das auf dem Papier durch seine schieren Spezifikationen zu glänzen weiß. Wie sich das 4,7 Zoll-Modell im Praxiseinsatz schlägt, klärt unser Testbericht in gewohnter Ausführlichkeit.

HTC One X im Test: Die neue Referenz

Vorweg möchten wir uns bei getgoods bedanken, die uns das Testgerät zur Verfügung gestellt haben. Getestet wurde die graue Version mit der Firmware-Version 1.29.401.7.

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Optik, Haptik und Verarbeitung

Bevor wir auf Details eingehen, hier noch einmal das First Look-Video meines geschätzten Kollegen Amir:

Ich schließe mich dem Urteil des Kollegen an und möchte es nach intensivem Test unterstreichen: Das HTC One X ist bildhübsch und hervorragend verarbeitet. Aber von vorne.

htc-one-x-back-side

Das Gehäuse des HTC One X besteht aus Plastik, ganz im Gegensatz zum „kleinen Bruder“ One S. Aber ich würde behaupten, dass das HTC One X das schönste und am wertigsten wirkende Android-Gerät mit Plastikgehäuse ist, das bislang auf den Markt kam. Während es an der Vorder-und Rückseite per Sandstrahl mattiert wurde, ist das Gerät an den schmalen Seiten glatt - ein netter Kontrast, der ausreichend Schutz vor Fingerabdrucken gewährt. Überdies macht der Kunststoff das Gehäuse auch sehr leicht, so wiegt das HTC One X nur 130 Gramm.

Die Maße des HTC One X sind mit 134 x 70 x 9 mm geringer, als es das vergleichsweise große Display mit einer Diagonale von 4,7 Zoll vermuten ließe. Im Effekt dominiert das Displayglas die Gehäusefront. Am oberen Rand der Front befinden sich der HTC-typische horizontale Lautsprechergrill, diesmal aber nicht mit Metall-Inlay versehen, sondern als nüchterne Reihe von Löchern im Gehäuse. Die verschiedenfarbigen Benachrichtigungs-LEDs sind hier eingelassen und leuchten, wenn aktiv, dezent durch eines der Löcher. Rechts oben befindet sich die Frontkamera, Näherungs- und Lichtsensor sind nicht erkennbar.

Am unteren Rand findet man die kapazitiven Buttons für (von links) Zurück, Home und Multitasking - Standardlayout von Stock-Android und so auch bei Geräten mit Software-Buttons zuf finden. Den laut Android-Designempfehlungen veralteten Menü-Button lässt HTC aus. Diese Taste wird, wenn noch benötigt, per Software eingeblendet - ungewohnt, aber konsequent. Die kapazitiven Buttons sind allesamt angenehm zu bedienen, da sie eine deutlich größere Druckfläche als zum Beispiel das Sony Xperia S besitzen.

htc one x schraeg oben

Ein paar Worte zum Gehäuse selbst: Das Display ist, wie wir aus dem chinesischen Teardown wissen, darin als separates Modul eingelassen und wölbt sich an den Seitenrändern nach unten. Im Gesamteindruck wirkt das Display im HTC One X somit nicht nur stabil, sondern macht dank des bewährten Unibody-Designs auch einen „integrierten“ Eindruck im Vergleich zu anderen Modellen. Und überhaupt: Wie HTC es schafft, die naturgemäß höhere Dicke des SLC-Displays im Vergleich zu solchen mit AMOLED-Technologie zu kaschieren, kann man durchaus als Meisterleistung bezeichnen. Dabei verliert der Nutzer freilich die Möglichkeit, das Gerät zu öffnen, etwa um den Akku auszutauschen - Stil siegt über Funktionalität.

An der rechten Seite des Smartphones befindet sich die Lautstärkewippe - in für eine normale Handhaltung angenehmer Höhe und mit gutem Druckpunkt. Oben rechts die Powertaste, oben links der Ausgang für Headsets und Kopfhörer. Am linken Rand befindet sich der nicht abgedeckte MicroUSB-Port.

htc one x rückseite

Betrachtet man das Gerät von der Rückseite, dominiert die hervorstehende Kameralinse das Bild. Sie ist in einen sich leicht hervorwölbenden Metallkrater eingelassen, dessen rechten Rand der LED-Blitz säumt. Trotz des Kamera-„Hubbels“ wackelt das Smartphone aber nicht allzu leicht, wenn man es mit der Display-Seite nach oben auf einen Tisch legt. Hier hat HTC ein Designproblem so gut und elegant es eben ging, gelöst – denn gute Kamerasensoren brauchen natürlich ihren Platz im Gehäuse. Und der Sensor im HTC One X ist verdammt gut, aber dazu später mehr.

htc one x camera

Oben links, auf der Höhe der Power-Taste befindet sich der MicroSIM-Einschub, unten der Lautsprechergrill nebst marketingrelevantem „beatsaudio“-Schriftzug, rechts an der unteren Seite Kontakte für eine Dockingstation. In der Mitte der Rückseite prangt schließlich, selbstbewusst und dezent zugleich, der HTC-Schriftzug.

Soviel zum Aussehen, aber wie fühlt sich das HTC One X an? In einem Wort: Hervorragend. Die abgerundeten Kanten, das dünne Profil, das gute Material und auch die ausbalancierte Verteilung des Gewichtes lassen den Nutzer in fast jedem Moment vergessen, dass er ein 4,7-Zoll-Device in der Hand hält. Man merkt dem Gerät an, dass sich die Hardwaredesign-Abteilung bei HTC viele Gedanken gemacht hat – und zu den richtigen Schlüssen gekommen ist.

Das Display des HTC One X

htc one x display closeup

Der Bildschirm ist in puncto Außenwirkung wichtiger als jeder andere Aspekt der Hardware eines Smartphones. Entsprechend gut sollte er in einem Gerät sein, das sich als Flaggschiff versteht. Und auch hier enttäuscht HTC seine Kunden nicht: Das SLCD2-Display mit 4,7-Zoll Diagonale und HD-Auflösung (1280 x 720) ergibt eine Pixeldichte von 312 ppi. Sony hat es im Xperia S geschafft, dieselbe Auflösung auch in ein 4,3 Zoll-Display zu quetschen und erlangt damit eine noch höhere Pixeldichte, trotzdem ist die Schärfe des One X-Screens absolut ausreichend.

Die Farben des Displays sind satt, das Bild liefert tolle Kontraste, mitunter könnte man meinen, auf ein AMOLED-Display zu schauen. Die Farbtreue bei spitzen Blickwinkeln mag nicht ganz so hoch sein wie bei AMOLED, ist aber dennoch deutlich höher als im ebenfalls LC-basierten Display, welches im Sony Xperia S verbaut ist. Dafür ist das Display des One X auf der höchsten Displayhelligkeitsstufe nicht ganz so hell wie das des Xperia S - bleibt aber trotzdem selbst im Sonnenlicht noch gut ablesbar und hat bei den Weißwerten natürlich gegen Samsungs Super AMOLED-Screens die Nase vorn. Weiterer Vorteil gegenüber AMOLED sind die natürlicher, also weniger gesättigt wirkenden Farben. Einziger (kleiner) Kritikpunkt ist die nach meiner Auffassung immer einen Tick zu dunkel eingestellte automatische Helligkeit im HTC One X. Im Test störte das jedoch nicht weiter, da ich sowieso die Helligkeit meist auf etwa 70 Prozent eingestellt hatte – ein guter Kompromiss zwischen allgemeiner Lesbarkeit und Akkuschonung.

Weg von „kalten“ Vergleichen und hin zum subjektiven Eindruck: Auf das Display des HTC One X zu schauen, ist jedes Mal eine Freude, besonders bei farbenfrohen Darstellungen. Der Bildschirm ist groß, scharf und in nahezu jeder Situation gut ablesbar. Besser kann man es kaum machen.

Die Kamera im HTC One X


Ein weiterer Bereich, in dem das HTC One X brilliert, ist die Kamera, welche Fotos bis 8 MP aufnimmt. Dazu verbauen die Taiwaner neben der eigentlichen Linse und dem Sensor noch einen zusätzlichen Chip, das gesamte Hard- und Softwarepaket wird ImageSense genannt. Dahinter steckt aber mehr als nur PR, denn ImageSense ermöglicht, dass ein Bild nur 0,7 Sekunden nach Betätigung geschossen wird, dass man per „Burst Mode“ fünf Bilder pro Sekunde schießen und sogar während der Videoaufnahme parallel 5 MP-Fotos aufnehmen kann.

Im Alltag macht die Kamera des HTC One X – es tut mir leid, dass ich an dieser Stelle schon wieder zu Superlativen greifen muss – herausragende Bilder. Im Gegensatz zu anderen Smartphones mit ebenfalls bereits guten Kameramodulen, etwas dem Samsung Galaxy S2 und dem Sony Xperia S, wirken die Farben des One X weniger farbverfälscht, beim Heranzoomen besitzen Bilder mehr Details und weniger Artefakte. Der Autofokus funktioniert dabei angenehm schnell und zuverlässig. Im Test gab sich die Kamera jedenfalls keine Blöße und konnte durchgehend mit der Bildqualität von Point-and-Shoot-Digitalkameras der Klasse um die 150 Euro mithalten.

Besonderes Highlight im One X ist dann sogar ein Bereich, der sonst für nahezu alle Smartphones eine Achillesverse darstellt: Fotos unter schlechten Lichtbedingungen. Fotos im Schatten und im Dämmerlicht schafft der Sensor des One X so gut zu verstärken, dass man auf dem Foto mitunter mehr Details erkennt als mit dem bloßen Auge in der Realität. Unterstützung erhält der Sensor dabei vom LED-Blitz, der seine Helligkeit automatisch der aufzunehmenden Szenerie anpasst. Natürlich sind Bilder unter nicht optimalen Lichtverhältnissen trotzdem etwas verrauscht – aber auch das hält sich in Grenzen und schmälert die im Vergleich zur Fotoqualität anderer Geräte qualitativ beeindruckenden Ergebnisse nicht. Hier einige Beispielfotos:

Die Bilder der 1 MP-Frontkamera sind in Ordnung und reichen für Videochat per Skype oder Google Talk völlig aus.

Die Kamera-Software des HTC One X kann ebenfalls als gelungen bezeichnet werden. Über einen Onscreen-Button kann man zwischen verschiedenen Aufnahmemodi wechseln, etwa Makro-, Porträt, HDR- und Panoramafotografie und sogar Zeitlupenaufnahmen. Panoramafotos weisen mitunter Stitching-Fehler auf, die HDR-Fotos sind häufig jedoch beeindruckend. Eine wirklich innovative Funktion ist Best Shot: Drückt man länger auf den Auslöser, werden dem Nutzer anschließend alle in dieser Zeit geschossenen Bilder in einer Reihe zeigt. Er kann sich dann entscheiden, welche der Bilder er behalten und welche er wegschmeißen will. Genial, wenn das Motiv eine Person ist, die zum versehentlichen Grimassenschneiden neigt, denn einer der Schnappschüsse ist ja dann doch meist gelungen.

Die 1080p-Videos, welche die Videofunktion mit optionalem Bildstabilisator produziert, sind recht ansehnlich, sehr detailliert und gereichen dem Rest der Kamerafunktion zur Ehre. Leider komprimiert das Gerät die Videos angesichts der Detailfülle allerdings etwas zu stark, weswegen bei genauem Hinsehen deutliche „Klötzchen“ zu sehen sind, die so genannten Artefakte. Hier zwei Beispielvideos in 1080p. Das erste mit aktiviertem Bildstabilisator, das zweite ohne. Hinweis: Die starken Reflexion hängen mit der zum Drehzeitpunkt extrem starken Umgebungshelligkeit zusammen.

Ein bisschen schade ist, dass HTC sich nicht dazu hat durchringen können, einen dezidierten Kamerabutton wie Sony im Xperia S zu verbauen. Für ein Gerät mit einer derart herausragenden Kamerafunktion - die ja offenbar auch als zentrales Merkmal konzipiert wurde - wäre dies das Sahnehäubchen gewesen. Immerhin lässt sich die Kamera-App per Lockscreen-Shortcut ebenfalls recht schnell starten, wenn auch nicht so komfortabel.

Fazit: Wer hätte es gedacht, dass HTC nach Jahren der Veröffentlichung von Smartphones mit mediokren Kameras plötzlich so ein gutes Gerät produziert und dabei ad hoc den Begriff Kamerahandy neu definiert? Insbesondere die wahnsinnig schnelle Software und die tollen Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen wissen zu beeindrucken. Kleine Schwächen wie die etwas zu hohe Videokompression trüben den Gesamteindrück kaum.

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Die Software im HTC One X

Meine Kollegen Amir und Daniel hatten in ihren Tests zum One V und One S schon jeweils ihre eigene Sicht auf die Sense 4 formuliert - die Softwareoberfläche, die HTC auch dem One X spendiert hat. Interessierten sei die Lektüre dieser Testberichte ebenfalls empfohlen. Ich möchte trotzdem noch meinen eigenen Senf dazugeben.

Sense ist unzweifelhaft die Android-Benutzeroberfläche aller Hersteller, die am tiefsten in das System eingreift und Android am stärksten verändert. Manche Aspekte der Benutzeroberfläche wirken auf mich etwas altbacken und noch zu sehr in der Android 2.x-Ära verwurzelt, vor allem eingedenk der abstrakten, effizienten und modernen Holo UI, die Google in Stock-Android 4.0 eingeführt hat. Man betrachte etwa das Symbol für den App Drawer, oder die Art, wie ein Ordner mit mehreren Apps dargestellt wird.

Analog sieht es bei den Anwendungen aus: HTC schmeißt diverse Standard-Apps von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ heraus und ersetzt sie durch eigene Varianten. Welchen Stil man bevorzugt, ist freilich eine Geschmacksfrage, allerdings sind einige der Apps tatsächlich nicht ganz so gut wie ihre ICS-Counterparts, etwa die Galerie und der Kalender. Das liegt in erster Linie daran, dass sie so funktionsüberladen sind, dass man sich darin schlecht zurechtfindet. Aus diesem Grund stellten wir in einem separaten Artikel diverse Stock-ICS-Apps zum Download zur Verfügung.

htc sense 4.0

Insgesamt tendiert Sense immer noch zum „Bloat“. Nicht in der App-Auswahl im allgemeinen - hier findet HTC ein gutes Maß zwischen einem umfassenden Startpaket und der Auslassung von Apps, die die meisten User nicht brauchen. Es geht um die Oberfläche und die Apps selbst: Es ist mir schleierhaft, warum die Kalender-App Wetter-Informationen enthält oder die Uhren-App einen komplett animierten 3D-Globus. Ich verstehe nicht, warum Sense 4 das gute Multitasking-Konzept von ICS abändert und die Apps nun in einer Pseudo-3D-Ansicht dargestellt werden, die man nur per Wisch nach oben beenden kann. Die Widget-Verwaltung ist verwirrend, viele Einstellungen sind ungewohnt benannt und verglichen mit Standard-Android nur schwer zu erreichen. Beispiel: Zum Ändern der Einstellungen eines Live Wallpapers muss man die Benachrichtigungsleiste herunterziehen und dann -> Einstellungen -> Personalisieren -> Hintergrundbild -> Live-Hintergrundbilder -> Vorschau -> Einstellungen auswählen und zum Übernehmen dann einmal auf „Zurück“ und dann „Home“ drücken.

Klar ist ein gut aussehendes Betriebssystem lobenswert und es ist auch nicht zu verurteilen, wenn ein Smartphone-Hersteller sich mit einem differierenden optischen Konzept von Standard-Android unterscheiden möchte. Aber all der unnötige Eye Candy wird letzten Endes mit Systemleistung bezahlt. Man möchte es nicht für möglich halten, aber Sense 4 läuft auch auf dem Quad Core Tegra 3-SoC von Nvidia nicht durchgehend flüssig. Manche Animationen sind ruckelig, vor allem direkt nachdem man sein Gerät aus dem Standby holt. Richtiggehend ärgerlich ist, dass die Bewegung eines Live Wallpapers schlicht angehalten wird, wenn man von Homescreen zu Homescreen wechselt. Danach braucht Sense noch eine halbe Sekunde, um sich zu „erholen“ und das Live Wallpaper wieder zu animieren.

Nach einigen Tagen mit Sense habe ich klein bei gegeben und mir den Apex Launcher installiert, der viele der genannten Sense-Probleme löst. Mit einem Launcher, der sich stärker an Stock-Android orientiert, macht das One X deutlich mehr Spaß, auch wenn man den Zugriff auf die zahlreichen HTC-Widgets verliert.

Der oben bereits erwähnte Software-Menübutton ist ein kleines Ärgernis, denn dessen schmaler Streifen wird in vielen Apps selbst dann angezeigt, wenn diese gar keine Funktion für die Menütaste besitzt. Das ist freilich nicht HTCs Schuld, sondern liegt an schlechtem App-Design, denn Google hat den Menübutton mit ICS für veraltet erklärt - HTC folgt hier nur offiziellen Designempfehlungen. Trotzdem wäre schön, wenn man optional auf die Softwaretaste verzichten könnte. Realisiert werden könnte das, indem HTC eine Option integriert, mit der die Menüfunktion beispielsweise auf den länger gedrückten Multitasking-Button gelegt wird.

Aber HTC gebührt auch Lob, denn viele Aspekte von Sense 4.0 sind sehr gelungen, etwa das Theming und der tolle Sense-Lockscreen. Gut gefallen hat auch der „Lesen“-Button im leicht aufgebohrten Browser, der eine mit Readabilty funktion zur Verfügung stellt, also Texte auf Internetseiten von Layout, Werbung und Navigationselementen zum Zweck der besseren Lesbarkeit befreit. Auch die Kontakteverwaltung bekommt HTC gut hin - wohl in keiner anderen Android-Variante ist das traditionell heikle Zusammenführen von Kontakten so einfach und intuitiv wie bei HTC. Wie bereits erwähnt ist auch die Foto-App sehr gelungen.

Fazit: Das Mantra von Sense 4 war, dass HTC Aspekte seiner Benutzeroberfläche entschlacken und vieles vereinfachen wollte. Das kann im Vergleich zu den Vorgängern als Schritt in die richtige Richtung gelten, aber Teile von Sense sind bei weitem noch nicht optimal. Schade, denn ein guter und „sinnlicher“ Gegenentwurf zur doch recht sachlich-kalten Holo UI in Android 4.0 würde dem Android-Ökosystem gut stehen. Leider kann Sense hier aufgrund von gelegentlichen Design-Unzulänglichkeiten und schlechter Performance immer noch nicht vollständig überzeugen.

Multimedia-Leistung des HTC One X

Im Bereich des Unterwegs-Entertainments zeigt sich das HTC One X solide. Dank des nun systemweit funktionierenden beatsaudio-DSPs erhält man auf Wunsch satte Bässe überall dort, wo Audio abgespielt wird. Auch sonst klingt das Gerät sehr gut, wenngleich das HTC One X weder in Sachen Equalizer-Optionen noch bei den - etwas dünn klingenden - Gerätelautsprechern an das Sony Xperia S herankommt.

Filme schauen auf dem One X ist aufgrund des hervorragenden Display eine Augenweide, insbesondere, wenn das Material in 720p vorliegt. Dank Android 4.0 Ice Cream Sandwich bietet das HTC One X breite Codec-Unterstützung, sodass man nicht in die Bredouille kommen sollte, dass ein Video mal nicht abspielbar ist.

Die Performance des HTC One X

Dank Tegra 3-Vierkern-CPU sollte sich das HTC One X an der Spitze der aktuell möglichen Smartphone-Performance wiederfinden. In synthetischen Benchmarks gelingt das auch gut. Hier die Ergebnisse aus jeweils drei Durchläufen in gängigen Benchmarks.

  • AnTuTu: 10795, 10662, 10625
  • CF-Bench: 13120 (N: 23775, J: 6018), 13010 (N: 23470, J: 6038), 13032 (N: 23763, J: 5879)
  • Quadrant: 4262, 4982, 4533

Wie bereits erwähnt läuft das HTC One X trotz der rohen Kraft der Tegra 3-Quad-CPU mit 1,5 GHz und absolut ausreichendem 1 GB RAM nicht durchgehend flüssig auf dem Homescreen. Hierbei handelt es sich definitiv um Software-Probleme, denn mit einem alternativen Launcher sind die Stottereien weitgehend behoben. Hoffen wir, das zukünftige Updates der Firmware noch etwas an der Performance-Schraube drehen. Letztendlich ist aber auch die Homescreen-Performance noch annehmbar und immer noch deutlich besser als bei den meisten Geräten mit Android 2.3 „Gingerbread“.

Der Tegra 3-SoC wird in erster Linie mit seiner Spiele-Performance beworben. Hier gibt sich das Gerät keine Blöße: Von simplen Casual Games bis hin zu aufwändigen 3D-Spielen im Stile eines ShadowGun - womit wir das HTC One X fütterten, lief flüssig und hatte dank der hohen Display-Auflösung kaum erkennbare Pixelkanten. Selbst GTA 3 lief mit Details auf höchster Stufe spielbar, wenn auch nicht butterweich. Zur Ehrenrettung des One X sei erwähnt, dass das bislang noch kein Android-Smartphone oder Tablet geschafft hat.

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Konnektivität und Speicher

htc one x top view

Das HTC One X ist mit allen gängigen Sensoren und Standards zur Verbindungsaufnahme mit dem Netz ausgestattet. HSDPA ist mit theoretisch bis zu 21,1 MBit/s Downloadgeschwindigkeit möglich. GPS und Kompass funktionieren vorzüglich, auch Bluetooth 3.0 ist an Bord. Die WLAN-Verbindung war hingegen etwas wackelig - mehrere Male holte ich das Gerät aus dem Standby und stellte fest, dass es trotz anders eingestellter WLAN-Richtlinie in eine Mobilfunk-Datenverbindung gewechselt war. Nach dem Aufwecken wechselte das Gerät schnell wieder ins WLAN. DLNA wird nicht per eigener App mitgeliefert, hierfür braucht man entweder den so genannten Media Link-Adapter oder eine App wir Skifta. [Nachtrag:] Ein Leser weist uns im Kommentarbereich darauf hin, das das One X doch DLNA an Bord hat. Dies allerdings nicht in Form einer App, stattdessen muss man in der Galerie oder entsprechenden Apps die Funktion „Player auswählen“ antappen. Das ist natürlich kein vollumfänglicher DLNA-Support, wie etwa bei Samsung und Sony, aber besser als nichts. [Nachtrag Ende] Ein HDMI-Out kann beim HTC One X per MHL-Adapter nachgerüstet werden. NFC ist natürlich, wie es sich für ein Smartphone-Flaggschiff 2012 gehört, ebenfalls an Bord.

Der interne Speicher des HTC One X ist mit 32 GB zwar üppig bemessen, aber nicht per microSD-Karte erweiterbar. Darüber sollte sich jeder Nutzer bewusst sein, der viel Musik und Filme auf seinem Gerät mitzunehmen pflegt, zudem vielleicht auch viele Fotos und Videos schießt. Das ist schade, denn zumindest die Option, preisgünstig Speicher nachzurüsten, ist eine Eigenheit, die Android-Smartphones bislang zumeist auszeichnete. Eine unnötige Einschränkung ist schließlich die Aufteilung in den 2,11 GB fassenden internen und den 25,25 GB fassenden Telefonspeicher. Ersterer steht Apps zur Verfügung und kann bei vielen installierten Anwendungen schon einmal knapp werden, letzterer ist beispielsweise Medienfiles vorbehalten. HTC hätte sich hier ein Beispiel am Galaxy Nexus nehmen können, das diese unnötige Speichertrennung aufhebt. Erwähnenswert ist noch die großzügige Menge von 25 GB an Speicher in der Dropbox-Cloud, die dem Nutzer des HTC One X für einen Zeitraum von zwei Jahren gewährt werden.

Nota bene: Wie auch schon in anderen aktuellen Smartphone-Topmodellen muss in das One X eine microSIM-Karte eingeschoben werden.

Das HTC One X als Telefon

Weder am Klang noch an der Sprachqualität gibt es beim HTC One X irgendetwas zu beanstanden. Zu erwähnen ist dennoch, dass das HTC One X in der Nähe der Boxen meines Computers altbekannte Mobilfunk-Störgeräusche provoziert. Das ist bei meinem Samsung Galaxy S2 und war auch beim Sony Xperia S nicht der Fall.

Der Akku und die Alltagstauglichkeit des HTC One X

Durch seine durchdachte Form ist das One X trotz seiner großen Dimensionen ein treuer Begleiter im Alltag, der auch in den meisten (Männer-) Hosentaschen Platz findet. Ergonomisch spielt das One X ganz vorne mit, wenngleich es häufig zweihändig bedient werden muss. Das Display ist auch bei Tageslicht gut ablesbar. Der ärgerlicherweise nicht wechselbare Akku schränkt die Freiheit des Nutzers aber arg ein, denn 1800 mAh sind angesichts des riesigen Displays nicht wirklich üppig und reichen einem Poweruser gerade so für einen „Netto-Tag“. Wer auf Nummer sicher gehen oder länger aufbleiben will, muss tagsüber sogar nachtanken.

Das HTC One X - Ein persönliches Fazit

htc-one-x-hand-side

Mein Testzeitraum des HTC One X lässt sich grob in zwei Phasen teilen: Die mit Sense, in der ich mich als CM9/Stock-ICS-gewohnter Android-Fanboy immer wieder von kleinen Unzulänglichkeiten und den unnötig an der Performance ziehenden Effekten genervt sah. Und dann die, in der ich den Apex Launcher installierte. Plötzlich lief alles flüssiger, die ICS-Oberfläche ist dann doch eine Spur komfortabler und die Freude an dem Gerät stieg. Man möge mich einstweilen bitte nicht falsch verstehen, nur weil ich in meinem Test die Software-Mängel etwas sehr breit ausgerollt habe: Das HTC One X ist bereits im Auslieferungszustand ein tolles Handy und weiß vor allem mit seinen „äußeren Werten“ zu überzeugen. Es ist nur schade, dass Sense in Version 4, trotz deutlicher Verbesserungen, eben immer noch kein optimaler Android-Aufsatz ist.

Lange Rede kurzer Sinn: Das HTC One X ist das beste derzeit am Markt befindliche Android-Smartphone, trotz der erwähnten Schwächen (mittelmäßige Akkulaufzeit, kleinere Softwaremacken, kein erweiterbarer Speicher und kein wechselbarer Akku). Dafür erhält man ein großartiges Display, eine trotz Plastik sehr wertige Verarbeitung und eine Kamera, die zum Teil Ergebnisse produziert, wie man sie in einem Smartphone noch nicht gesehen hat. Nun muss man abwarten, ob Samsung mit dem Galaxy S3 kontern kann.

Video-Fazit

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HTC One X - Die Wertung

Display: 5/5
Verarbeitung und Haptik: 5/5
Software: 3/5
Performance: 5/5
Telefonie: 5/5
Kamera: 5/5
Konnektivität und Speicher: 4/5
Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 4,5/5

Pro

  • Klasse Display
  • Fantastische Kamera
  • Tolle Verarbeitung

Kontra

  • Fest verbauter Akku mit mittelmäßiger Ausdauer
  • Kein microSD-Slot
  • Sense 4 nicht optimal

HTC One X - Galerie

Hinweis: Die Bilder mit mehreren Geräten zeigen (v.l.) das HTC One X, das Panasonic Eluga und das Samsung Galaxy S2 im Größenvergleich.

HTC One X
HTC One X
HTC One X
HTC One X
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HTC One X
HTC One X

Galerie HTC One X in Weiß

Hinweis: Die Bilder stammen von unserem Hands-On auf dem MWC 2012.

HTC One X
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HTC One X
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