HTC Sensation: Testbericht zum HTC-Superphone

Daniel Kuhn 35

Das HTC Sensation ist das dritte Smartphone mit Dual Core-Prozessor, das wir einem genaueren Test unterziehen. Während das LG Optimus Speed nach wie vor ob der unausgegorenen Software schwächelt, konnte das Samsung Galaxy S II auf ganzer Linie überzeugen. Wie sich das HTC Sensation im Vergleich zu diesen beiden Wettbewerbern schlägt, klären wir in diesem Testbericht.

HTC Sensation: Testbericht zum HTC-Superphone

Nachdem HTC sich zunächst mit der Ankündigung eines Dual Core-Smartphones viel Zeit gelassen hat, ging es plötzlich ganz schnell: Erst nur ein Gerücht und der kryptische Name Pyramid, dann die offizielle Präsentation und wenige Wochen später ist das Sensation bereits erhältlich. Wir klären, ob sich das Warten gelohnt hat, oder ob HTC den Verkaufsstart vielleicht doch etwas übereilt hat.

Auch für dieses Testgerät möchten wir uns ganz herzlich bei bedanken: xièxie!

Hardware:

Verarbeitung und Haptik

Wie gewohnt legt HTC auch beim Sensation großen Wert auf eine hochwertige Verarbeitung: Auch wenn das Gehäuse nicht aus einem Unibody besteht, macht die Rückschale dank des durchgehenden Metallrahmens nebst Einlassungen aus Hartplastik einen sehr stabilen Eindruck. Im Vergleich zu den beiden Konkurrenten liegt das Sensation in dieser Disziplin knapp vor dem LG Optimus Speed und deutlich vor dem Samsung [link id=1205612]Galaxy S II. Die abgerundeten Gehäusekanten, das relativ hohe Gewicht und das in das Gehäuse eingewölbte Display lassen das Sensation äußerst hochwertig wirken.

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Wie in unserem Unboxing-Video bereits zu sehen, ist das Öffnen des Akkudeckels eher ungewöhnlich gelöst – man nimmt das eigentliche Telefon mitsamt Elektronik und Display komplett aus der wannenartigen Ummantelung. Ob das Innenleben dadurch Staub-anfälliger wird, bleibt abzuwarten.

Einen Pluspunkt erhält das Sensation noch für die Benachrichtigungs-LED oberhalb des Displays, die auf neue E-Mails, SMS oder Anrufe hinweist. Ein kleines aber feines Feature, das wir uns sehr in viel mehr Geräten wünschen würden.

Display

Das 4,3-Zoll-Display bietet mit 960 x 540 Bildpunkten (qHD) ein gestochen scharfes Bild, hat aber auch seine Nachteile: Die Farben wirken freilich nicht so gesättigt wie beim Display-Primus SGS II. Überrascht hat uns, dass im direkten Vergleich das qHD-Display auch dem SLC-Display des HTC Incredible S sichtbar unterlegen ist — die geringfügig höhere Pixeldichte kann andere Schwächen der Darstellung einfach nicht kompensieren: Schlechtere Blickwinkel, geringere Kontraste und weniger satte Farben. Im Alltag fällt das aber nicht weiter auf.


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Die qHD-Auflösung bietet darüber hinaus noch ein 16:9 Seitenverhältnis, was für alle Kino-Liebhaber interessant sein dürfte, die auch unterwegs nicht auf den ungetrübten Filmgenuss verzichten wollen und die mit dem üblichen Seitenverhältnis 16:10 einfach nicht glücklich werden. Für diese Gruppe hat HTC zudem die virtuelle Videothek HTC Watch gestartet, auf die wir im HTC Flyer-Testbericht bereits eingegangen sind.

Konnektivität:

Die mobile Internetverbindung wechselt zwar zuweilen mal zwischen HSDPA und GPRS hin und her, diese Schwankungen fallen aber deutlich geringer aus als bei dem Samsung Galaxy S II. Ob es sich dabei um ein Software-Problem oder den sagenumwobenen „Deathgrip“ handelt, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen — wir konnten die Schwankungen jedenfalls nicht gezielt reproduzieren.

Die Gesprächsqualität des Sensation ist sehr gut: Der Gesprächspartner ist jederzeit klar und deutlich zu verstehen und klingt vergleichsweise ausgewogen.

Kamera

Die 8 Megapixel-Kamera macht hervorragende Bilder und Videos in FullHD-Auflösung. Diese Videos werden dank zweier Mikrofone auch gleich mit Stereo-Sound ausgestattet, sodass die Urlaubs-Videos genauso gut klingen, wie sie aussehen.


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Die Bilder und Videos können zudem von einem Dual-LED-Blitz erhellt werden, der so hell ist, dass vermutlich auch Flugzeuge nächtens damit sicher auf die Landebahn gelotst werden könnten. Softwareseitig gefällt uns das Instant Capture-Feature: Dabei nimmt die Kamera im Hintergrund konstant alles Gesehene auf, sodass sie beim Auslösen durch den Nutzer beinahe verzögerungsfrei fotografiert, was sich gerade vor der Linse befindet. Beinahe, wohlgemerkt — denn entgegen des Werbeversprechens haben wir beim Fotografieren immer noch eine minimale Verzögerung festgestellt.


Die VGA-Frontkamera macht ihrer VGA-Auflösung (640×480) entsprechend ausreichende Aufnahmen, die für jeden Videochat ausreichen sollten. Allerdings ist im Sensation noch nicht die Videochat-fähige Google Talk-Version installiert, die mit Android 2.3.4 kommt. Hier heißt es leider warten.

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Performance

Das HTC Sensation leidet unter dem gleichen Problem wie schon das Samsung Galaxy S II: Der 1,2 GHz schnelle Dual Core-Snapdragon-Prozessor hat viel Leistung, die momentan allerdings noch nicht annähernd ausgereizt werden kann. Andererseits bedeutet das aber, dass das Smartphone jederzeit angenehm flüssig läuft und sich nahezu ruckelfrei bedienen lässt. Nahezu — denn Nutzer mit geschultem Auge können auf dem mit dreidimensional animierten, semitransparenten Widgets vollgestopften Homescreen und im App-Launcher durchaus Mikroruckler wahrnehmen.

Die Benchmark-Ergebnisse (Quadrant: 2067, Linpack: 46,443) liegen etwas unter den Werten des SGS2, allerdings muss zumindest bei Quadrant bedacht werden, dass das Sensation über eine höhere Display-Auflösung verfügt, die entsprechend mehr GPU-Power benötigt. Abgesehen davon können sich die Werte durchaus sehen lassen und wecken in uns abermals den Wunsch nach mehr Apps, die sich diese Rechen-Power auch zunutze machen.

Einen deutlichen Punktabzug erhält das Sensation allerdings beim Speicher, hier scheint HTC bisher nicht aus vergangenen Fehlern gelernt zu haben: Der interne Speicher ist mit 1 GB fast schon lächerlich klein und es muss definitiv auf eine microSD-Karte zurückgegriffen werden, die aber nicht mitgeliefert wird. Auch wenn die Preise für Speicherkarten rapide sinken, ist diese zusätzliche Ausgabe ärgerlich. Unsere Leser haben uns darauf hingewiesen, dass das Sensation mit einer 8 GB microSD-Karte ausgeliefert wird — diese fehlte also nur bei unserem Testgerät. Der Arbeitsspeicher ist mit 768 MB ausreichend und liegt mittig zwischen LG Optimus Speed (512 MB) und Samsung Galaxy S II (1 GB).

Was uns hingegen gefallen hat: Im Gegensatz zum Samsung Galaxy S II wird die Wärme im HTC Sensation hervorragend abgeleitet. Das Gerät mag bei ressourcenintensiven Anwendungen wie 3D-Games zwar warm werden, das ist allerdings nichts im Vergleich zur zuweilen Besorgnis erregenden Hitzeentwicklung im SGS2.

Akkulaufzeit

Die Laufzeit des 1520 mAh-Akku im Sensation ist etwas besser als die des Hauptkonkurrenten SGS2. Allerdings liegen die Unterschiede nicht etwa bei Tagen, sondern lediglich bei Stunden. Auch das Sensation stellt damit keine Revolution in Sachen Akkuleistung dar und muss bei starker Nutzung jeden Tag an die Steckdose.

Software

Das HTC Sensation ist mit Android 2.3.3 „Gingerbread“ ausgerüstet. Davon sieht man aber nicht viel, denn auch beim Sensation konnte HTC natürlich nicht auf die Sense-Oberfläche verzichten. Diese liegt auf dem Sensation erstmalig in der Version 3.0 vor. War die alte Oberfläche hie und da als Performance- und Akkufresser verschrien, muss man doch feststellen, dass die aktuelle Version durchaus zu überzeugen weiß: Viele kleine Details wie das erweiterte Benachrichtigungsmenü mit Kurzeinstellungen oder der pfiffig gelöste Dialog zum Zusammenfügen von beispielsweise Google- und Facebook-Kontakten per „Kette“ sind ein klares Plus gegenüber Standard-Android. Die Sense-Oberfläche dürfte durch die intuitiven und sinnvollen Erweiterungen wohl die benutzerfreundlichste aller Android-Oberflächen sein und ist nach unserer Auffassung auch sehr gut für Einsteiger geeignet.

HTC ersetzt daneben viele Standard-Apps von Android durch eigene Varianten beispielsweise von Kamera, Galerie, Dialer, Kontaktemanagement und Uhr. In der Regel sind diese Ersetzungen sinnvoll, schlagen die HTC-Apps doch die Standard-Apps in Sachen Design, Konsistenz und Funktionalität.

Über den neuen Lockscreen haben wir beim Testbericht des HTC Flyer bereits geschrieben. Hier lassen sich vier Verknüpfungen erstellen, über die jede gewünschte Anwendung gestartet werden kann – werkseitig findet man dort Telefon, Mail, Nachrichten und die Kamera. Außerdem kann man sich das Wetter, Aktienkurse, neue SMS-Nachrichten, Urlaubsfotos oder schlicht die Zeit als Hintergrund anzeigen lassen, wenn man den Power-Knopf drückt.

Wer allerdings lieber einen schlichteren oder funktionsreicheren Launcher wie ADW, LauncherPro oder den Go Launcher verwenden möchte, muss als Konzequenz leider auf die HTC-eigenen Widgets verzichten. Auch wenn das bei einigen Widgets durchaus schade ist, so gibt es ja für die meisten jedoch adäquaten Ersatz im Android Market.

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Modifizierbarkeit

Derzeit wird das HTC Sensation noch mit einem Bootloader ausgeliefert, der durch eine verschlüsselte Signatur unzugänglich gemacht wurde. HTC hat hier inzwischen einen Kurswechsel vollzogen und arbeitet gerade an einer Lösung mit freiem Bootloader. Ein genauer Zeitrahmen dafür ist nicht bekannt und so müssen sich Sensation-Käufer noch etwas in Geduld üben, bevor fleißig drauflos modifiziert und geflasht werden kann. Bis HTC den warmen Worten Taten hat folgen lassen, müssen wir den Bastlern unter unseren Lesern deswegen jedoch vom Sensation abraten. In unsere Wertung fließt der chiffrierte Bootloader einstweilen als Malus ein.

Fazit

Das HTC Sensation ist ein hervorragendes Gerät. Es ist, wie auch der große Konkurrent Samsung Galaxy S II, nicht perfekt, aber die Mängel und Kritikpunkte bewegen sich auch hier auf extrem hohem Niveau. Das Display kann vielleicht nicht ganz mit Super AMOLED Plus und SuperLCD mithalten, macht im Alltag aber trotzdem eine gute Figur. In Sachen Verarbeitung und Haptik hat das Sensation die Nase hingegen vor dem SGSII: Es wirkt durch den Metallrahmen und das höhere Gewicht wertiger als der Wettbewerber aus Korea; das LG Optimus Speed lässt sich in diesem Punkt allerdings nicht so leicht abhängen. Beim integrierten Speicher liegt das Sensation dafür deutlich hinter den beiden Konkurrenten zurück.

Wer zwischen einem der derzeit erhältlichen Dual Core-Geräte schwankt, kann sich für das HTC Sensation entscheiden, wenn er

  • auf eine gute Verarbeitung wert legt
  • ein Rundum-glücklich-Softwarepaket mit durchdachter Bedienung bereits vorinstalliert haben möchte
  • auf Grafikeffekte in der Benutzeroberfläche steht
  • kein Problem mit einem (noch) gesperrten Bootloader hat

Das HTC Sensation ist überdies momentan das teuerste Dual Core-Smartphone auf dem Markt. Das liegt aber vorrangig daran, dass Vodafone das Gerät vier Wochen exklusiv vertreibt — danach dürfte der Preis dann auch deutlich unter die aktuellen 600 Euro fallen und sich der Konkurrenz annähern.

Im direkten Vergleich zwischen den drei momentan erhältlichen Dual Core-Smartphones liegt das HTC Sensation vor dem LG Optimus Speed. Mit dem Samsung Galaxy S II muss es sich nach einem engen Wettstreit allerdings auf ein Unentschieden einigen. Die Kaufentscheidung dürfte hier sehr schwer fallen und wird wahrscheinlich hauptsächlich durch persönliche Präferenzen und Sympathien entschieden: Wem Verarbeitung und Haptik sowie ein komplettes, integriertes Softwarepaket wichtiger sind, wird sich für das HTC Sensation entscheiden. Wer das deutlich bessere Display und einen Tick mehr Leistung haben möchte, nimmt das SGS2. Abraten kann man aber von keinem der Geräte.

Unsere Bewertung zum HTC Sensation

Verarbeitung und Haptik: 5/5
Display: 4/5
Software: 4,5/5(5 Punkte gibt es, sobald der Bootloader offen ist)
Telefonfunktion und Alltagstauglichkeit: 5/5
Kamera: 5/5
Hardware und Performance: 5/5
Gesamt: 5/5

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