Gekauftes Lob: Wie HTC das Image des U11 aufpolieren wollte

Rafael Thiel 8

Manchmal ist es an der Zeit, erhobenen Hauptes zur Vordertür hinauszumarschieren – anstatt sich durch fragwürdige PR-Strategien anzubiedern. Genau, gemeint ist HTC. Der Hersteller hatte zuletzt Nutzer dazu aufgefordert, sich gegen Belohnung in sozialen Netzwerken für das HTC U11 stark zu machen. Dafür erntete es zurecht Kritik von allen Seiten, nun rudert das Unternehmen zurück.

HTC U11 im Hands-On: Erster Eindruck zum Quetsch-Telefon.

Nein, so wirklich erfolgreich konnte sich das HTC U11 zum Marktstart gegenüber der Konkurrenz rund um das Samsung Galaxy S8 und Huawei P10 nicht behaupten. Das musste sich auch der Hersteller eingestehen, für den das Smartphone ein Hoffnungsträger ist – der fünfte in drei Jahren, gefühlt. Viel Spielraum für Marketingkampagnen á la Samsung gibt es nicht, darum beschloss das Unternehmen zu anderen Mitteln zu greifen und wandte sich hilfesuchend an die eigene Community.

Die „Elevate Task Force: HTC U11!“ stellte Mitgliedern des hauseigenen Elevate-Programms, die sich in Blogs, Foren und anderswo positiv über das HTC U11 äußerten, kleinere Belohnungen in Aussicht. Konkret ging es darum, negative Kommentare im Netz zu kontern, indem die positiven Eigenschaften des HTC U11 in den Vordergrund gestellt werden. Laut HTC stammt die meiste Kritik im Netz nämlich von Nutzern, die das Smartphone noch nie in Händen gehalten haben und nur beispielsweise den fehlenden Klinkenanschluss bemängeln – beim aufgerufenen Preis nicht völlig zu Unrecht.

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HTC U11 in Solar Red: Sorry Apple, aber das ist jetzt das schönste rote Smartphone

HTC rudert zurück: Kommerzielle Massenbewegung war nie die Absicht

Ursprünglich knüpfte HTC die positiven Kommentare an „swag goodies“, die besonders fleißige Elevate-Mitglieder erhalten könnten. Diese Vorgehensweise wird allgemeinhin als Astroturfing bezeichnet und meint die kommerzielle Vortäuschung einer unabhängigen Meinungsäußerung im großen Stil – eine Welle an lobenden Kommentaren für das HTC U11 käme dem sehr nahe, wenngleich das Unternehmen die Nutzer dafür nicht direkt bezahlt. Die in Aussicht gestellten Geschenke entsprechen aber dem Prinzip des Astroturfing, weswegen HTC dieses Detail auch nicht länger anspricht.

Stattdessen betont der Hersteller, dass die erwähnten „swag goodies“ ohnehin regelmäßig an Elevate-Mitglieder verteilt werden und die Erwähnung dieser in keiner direkten Korrelation zur „Elevate Task Force: HTC U11!“-Aktion stand. Offenbar hatte das nämlich auch zur Folge, dass einige Nutzer das Netz mit Spam-Kommentaren zum HTC U11 fluteten, nur um ein solches Geschenk zu erhalten. Das war, so das Unternehmen, nie die Intention.

HTC unter Druck: Keine Besserung in Sicht

Es ist schon erstaunlich, wie regelmäßig HTC in der näheren Vergangenheit mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht. Die Position des Herstellers lässt zwar nachvollziehen, wieso zu einer solchen Aktion aufgerufen wurde, zumal Kritik ohne objektive Meinungsbildung anhand des Smartphones tatsächlich verwerflich ist, dennoch lässt es HTC wieder einmal in einem schlechten Licht stehen. Dabei hat das Unternehmen in der 20-jährigen Geschichte so viel geleistet und könnte im VR-Bereich ähnliche Pionierarbeit leisten wie einst auf dem Mobilfunkmarkt.

Quelle: HTC Elevate (geschlossene Gesellschaft) via Area Mobile

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