Huawei Ascend P7: Futuremark wirft Smartphone wegen Trickserei aus Benchmark-Bestenliste

Tuan Le 15

Nach Samsung und HTC wurde nun auch Huawei der Schummelei im Benchmark überführt: Wie sich nun herausstellt, wurden die ordentlichen Resultate im 3DMark von dem Huawei Ascend P7 nur deshalb zu erreichen, da sämtliche Rechenkerne bei Erkennung des Benchmarks auf volle Leistung getaktet wurden. Da dieses Vorgehen keinerlei Rückschlüsse auf die tatsächliche Alltags-Performance zulässt und somit in den Augen der Benchmark-Macher Betrug darstellt, zieht der Betreiber Futuremark die Konsequenzen und verbannt das Huawei-Phone aus seiner Bestenliste.

Huawei Ascend P7: Futuremark wirft Smartphone wegen Trickserei aus Benchmark-Bestenliste

Das Huawei Ascend P7 ist zweifelsohne ein sehr schickes Smartphone, doch bereits in unserem Testbericht zeigten sich an vielen Stellen Probleme bei der Performance. Umso erstaunlicher mutete es an, dass sich das Smartphone bis vor kurzem mit 7462 Punkten noch einer recht guten Platzierung im 3DMark rühmen konnte. Ausgestattet mit dem hauseigenen Kirin 910-SoC, der vier Cortex A9-Rechenkerne mit einer maximalen Taktung von 1,8 GHz besitzt sowie eine Mali 450-GPU, steht dem Smartphone auf dem Papier zwar die richtige Ausstattung für eine ruckelfreie Performance zur Verfügung, im Alltag schien die Hardware aber in vielen Fällen nicht die erforderliche Leistung abrufen zu können. Weshalb der Benchmark dennoch so gut ausfiel, konnten die Kollegen von Anandtech aufdecken.

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Zur Überprüfung des Verdachts wurde wie auch schon bei HTC und Samsung eine modifizierte Version des Futuremark zum direkten Vergleich verwendet, die mit einem anderen Paketnamen signiert worden war. Da das Smartphone in diesem Falle den Benchmark nicht erkennen kann, konnte entsprechend auch keine betrügerische Manipulation der Taktraten stattfinden. Tatsächlich erreichte der Benchmark mit der leicht modifizierten App nur ein Resultat von 5816 Punkten – ein signifikanter Unterschied von beinahe 30 Prozent, der für Futuremark Grund genug war, das Huawei Ascend P7 aus der Benchmark-Topliste zu verbannen. Ein ähnlicher Effekt war auch bei Messungen im GFXBenchmark zu beobachten, wiewohl hier der Unterschied „nur“ 16 Prozent ausmachte.

Huawei äußerte sich bereits zu den Vorwürfen, zeigte sich allerdings eher uneinsichtig (deutsche Übersetzung von uns):

Die CPU-Konfiguration wird dynamisch vorgenommen, entsprechend der Belastung in verschiedenen Szenarien. Das Laufen von Benchmarks ist ein typisches Szenario, welches eine sehr hohe Belastung darstellt, daher wird die Hauptfrequenz der CPU zum höchstmöglichen Level ansteigen und für eine Weile dort verbleiben. Beim P7 ist die höchste Frequenz 1,8 GHz. Es ist selten erforderlich, dass die CPU in anderen Szenarien für so eine lange Zeit auf der höchsten Frequenz verbleiben muss. Selbst, wenn die höchste Stufe erreicht wird, wird diese nur für eine kurze Zeit (400 ms) gehalten. Die Situation ist die gleiche für die meisten Geräte auf dem Markt.

Dass das angesichts der Gegentests mit der modifizierten App nicht sonderlich plausibel klingt, liegt auf der Hand. Offensichtlich sorgt ein Mechanismus in der Huawei-Software dafür, dass die Taktfrequenz von CPU und/oder GPU entweder stabil auf höchstem Level bleibt oder sogar künstlich weiter erhöht wird, wenn festgestellt wird, dass ein Benchmark läuft. Sprich: Durch diese Manipulation wurde die Performance des Ascend P7 beschönigt. Wenngleich man über die Aussagekraft von Benchmarks und die Verwerflichkeit von Benchmark-Boostern streiten kann, ist das Vorgehen von Futuremark also durchaus berechtigt.

Was sagt ihr zu der Trickserei von Huawei im Benchmark? Können Benchmarks überhaupt die Alltags-Performance adäquat wiedergeben? Eure Meinung dazu in die Kommentare.

Quelle: Anandtech, Futuremark [via Android Police]

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