Huawei Ideos X3: Test des Android-Smartphones für 100 Euro

Frank Ritter 4

Android ist ein Betriebssystem, das Gerätehersteller kostenlos verwenden können. Entsprechend gibt es nicht nur Geräte, die mit der aktuellsten und bestmöglichen Hardware ausgestattet sind, sondern auch solche, die sehr preisgünstig produziert sind und einen ganz anderen Markt anpeilen. Das von der chinesischen Firma Huawei produzierte Ideos X3 tritt nun in Deutschland an, den Budget-Markt zu erobern -- zum absoluten Kampfpreis von unter 100 Euro. Wir klären, wie gut das Smartphone ist und ob Preis und Leistung in einem Verhältnis stehen.

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Verarbeitung und Haptik

Huawei Ideos X3

Das Huawei Ideos hat die Maße 5,7 cm × 11 cm × 1,2 cm und ist mit 104 Gramm relativ leicht. Damit entspricht das Ideos ungefähr einem HTC Desire, das um 1 cm verkürzt wurde.

Das im Vergleich zu anderen Android-Smartphones relativ klein wirkende Ideos X3 schmiegt sich insgesamt sehr angenehm in die Hand. Das liegt in erster Linie an zwei Aspekten: Den abgerundeten Kanten an der Unterseite und dem matten Plastik auf der Rückseite, welches das Gerät weniger rutschig werden lässt als etwa das ZTE Blade/BASE lutea, welches sich in ähnlichen Preisgefilden bewegt. Die hintere Gehäuseschale stülpt sich um die Unterkante des Gerätes, was gut aussieht, wertig wirkt und für eine höhere Stabilität sorgt. Dadurch ist das Huawei Ideos X3 freilich etwas hakelig zu öffnen. Ein schmaler Streifen aus Plastik, der optisch an Aluminium erinnern soll, trennt Vorderseite und Rückschale, an der unteren Vorderseite wird der Streifen zusammengeführt und umfasst den recht breit gehaltenen „Home“-Button. Der „Hörer“ ist ein schmaler Streifen an der Oberseite.

Zum Thema Buttons: Diese können im Großen und Ganzen nicht als gelungen bezeichnet werden. Der erwähnte Home-Button ist zu breit und besitzt keinen eindeutigen Druckpunkt. Die darüber liegenden kapazitiven Buttons für die Funktionen (von links gesehen) Zurück, Menü und Suchen sind nicht, wie man vermuten mag, beleuchtet. In halbdunklen Lichtverhältnissen tappt man also blind auf die Tasten, was generell nervig ist, aber vor allem, wenn man sich an diese Tastenanordnung noch nicht gewöhnt hat. Die Lautstärketasten an der Seite sind direkt in die abnehmbare Rückenschale integriert -- unkonventionell. Die Funktion „Lautstärke hoch“ ließ sich bei unserem Testgerät halbwegs angenehm bedienen, „Lautstärke runter“ dagegen ließ sich kaum drücken. Die Power-Taste am oberen Rand besitzt ebenfalls wenig Spiel und wurde bei uns im Test gelegentlich aus Versehen beim In-die-Hand-nehmen gedrückt.

Neben den genannten Tasten befindet sich an der Oberseite eine 3,5 mm-Klinkenbuchse für Kopfhörer und Headsets, der Micro-USB-Anschluss zum Laden und Verbinden des Handys mit dem PC befindet sich am unteren Ende.

Display

Das 3,2 Zoll große TFT/LCD-Display löst mit einer Auflösung von 480 × 320 auf. Vergleicht man das Display mit moderneren Bildschirmen, wirkt es nicht nur aufgrund der geringeren Auflösung schlechter. Auch die schlechteren Blickwinkel und das leichte Verwaschen bei Bewegungen auf dem Bildschirm lassen das Display in einem schlechten Licht erscheinen. Die Schwarz- und Kontrastwerte sowie die automatische Helligkeitsanpassung gehen nach unserem Dafürhalten aber in Ordnung. Der kapazitive Touchscreen kann die Eingaben von maximal zwei Fingern simultan verarbeiten. Über die Größe des Screens kann man geteilter Meinung sein -- 3,2 Zoll dürften aber zumindest für diejenigen (zunächst) ausreichen, die von einem Feature auf ein Smartphone umsteigen. Ärgerlich ist, dass das Display keinerlei Schutz durch eine gesonderte Versiegelung oder Härtung genießt -- bereits nach wenigen Tagen Benutzung haben sich Mikrokratzer auf dem Display gebildet, obwohl das Handy nicht unnötig strapaziert wurde.

Software

Das

Huawei Ideos X3

wird mit Android 2.3.3 „Gingerbread“ ausgeliefert. Das ist vor allem deshalb von Vorteil, weil diese Android-Version gegenüber dem Vorgänger „Froyo“ deutlich an Performance gewonnen hat. Huawei liefert zudem einen eigenen Launcher mit, der mit 3D-Effekten beim Umschalten der Homescreens aufwartet. Dieser nicht sehr performante Effekt kann über die Einstellungen des Launchers auch geändert werden. Den größten Effekt, die GUI „flüssiger“ zu bekommen, hat jedoch die Wahl eines alternativen Launchers. Ein installierter Go Launcher EX wirkte Wunder und ließ das Handy selbst bei mehreren installierten Widgets deutlich flüssiger laufen. Auch der Standard-Gingerbread-Launcher ist installiert und kann bei Bedarf aktiviert werden. Gut an der Benachrichtigungsleiste hat uns gefallen, dass dort Steuerungselemente zum Ein- und Ausschalten von WLAN, GPS, Bluetooth, der mobilen Datenverbindung und der Autorotation des Screens integriert sind.

An Software wird überwiegend Android-Standardkost geliefert. Neben den normalen Apps wird eine Backup-App, ein Tool zum Überwachen des Datenvolumens über mobile Datenverbindungen, ein Social-Networking-Hub sowie ein Widget, das Wetterinformationen und Uhrzeit auf grafisch ansprechende Weise kombiniert. Den Standard-Musikplayer ersetzt Huawei durch eine passable Eigenkreation. Nichts Weltbewegendes also, aber auch die Bloatware-Problematik hält sich somit in Grenzen.

Telefonie

Unsere Tchibo-Variante des

Huawei Ideos X3

war mit einem Netlock versehen. Das heißt aber nicht, dass man das Gerät zwingend mit Karten des Tchibo-Providers nutzen muss. Bei unserem Test funktionierten auch andere Karten, die im O2-Netz funkten. Das Gerät von Lidl soll hingegen nicht mit einem SIM-Lock versehen sein, zum Fonic-Smartphone können wir keine Aussagen treffen, sind aber für Hinweise in den Kommentaren dankbar.

Die Akustik und die Verbindungsqualität, sprich: die Verwendung des

Huawei Ideos X3

als Telefon, geht völlig in Ordnung. Beim Telefonieren fielen uns keine Klangprobleme auf.

Speicher

Der interne Speicher ist mit 160 MB recht knapp bemessen. Immerhin ist ein MicroSDHC-Kartenslot vorhanden, der Karten bis zu 32 GB „frisst“. Der Arbeitsspeicher ist nur 256 MB groß. Wer also viele Apps gleichzeitig verwendet, wird mit dem Huawei Ideos nicht unbedingt glücklich.

Konnektivität und Ausstattung

Das Ideos beherrscht das untere Standardmaß an Anschlüssen und Verbindungsmöglichkeiten bei Android-Smartphones. Ohne ins Detail zu gehen, zählen wir mal auf: Anschluss an den PC per Micro USB, WLAN nach dem n-Standard, FM-Radio, Bluetooth, mobile Datenverbindungen per GPRS, EDGE, 3G/UMTS und HSDPA (bis 7,2 MBit/s) sowie GPS und A-GPS. In das WLAN einer FritzBox wollte sich das X3 einmal nur widerwillig einwählen. Die (ohnehin empfehlenswerte) erweiterte Einstellung „WLAN Standby“ -> „Niemals“ behob das Problem. Weniger erfreulich war, dass der GPS-Chip im Testgerät relativ große Probleme hatte, unsere Position festzustellen - zumindest wenn zusätzliche Methoden für die Lageermittlung deaktiviert waren. In einem Fall brachte die App „GPS Test“ das Gerät sogar zum Absturz. Stets waren die Probleme jedoch nach einem Geräteneustart verschwunden. Trotzdem: Optimal ist etwas anderes, auf das X3 als Navigationsgerät sollte man sich nur eingeschränkt verlassen.

Kamera

Das

Huawei Ideos X3

ist kein Kamerahandy, beim Bau wird schlicht nicht genug Budget für eine gute Kameralinse und einen passablen Sensor übrig gewesen sein. Entsprechend sind Foto- und Videofunktion eher als Lippenbekenntnisse an den Genrestandard zu werten. Fotos werden in maximal 3 MP aufgenommen, Videos in 480p. Ein LED-Blitz ist nicht vorhanden. Hier einige Testfotos und ein Probevideo.

 
 
 
 
 

Performance

Wir haben das

Huawei Ideos X3

zunächst einmal mit dem von uns bevorzugten CF-Bench konfrontiert. Das Ergebnis mit einer Overall Score von 771 (Native: 1013, Java: 610) ist nun wirklich nicht beeindruckend. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S II hat in einem Probedurchlauf ein Ergebnis von 6785 Overall Score (Native: 11581, Java: 3588) erreicht. Auch eine Staffel dreier „Quadrant“-Durchläufe ergab nur Punktzahlen von 798/874/880 (Galaxy S2: 3324/3687/3924) Der reine CPU-Benchmark Linpack ergab Scores von 5.812 MFLOPS (Multi) und 7.275 (Single). Zum Vergleich: Das SGS2 erreichte 82.842 MFLOPS (Multi) und 53.499 (Single).

Natürlich vergleichen wir hier ein wenig Äpfel mit Birnen, denn das Galaxy S II ist am oberen, das

Huawei Ideos X3

am unteren Ende der Android-Performancerangliste -- und auch einer entsprechenden Preisliste. Der Vergleich soll aber verdeutlichen, welche Varianz in der Android-Welt möglich ist. Letzten Endes ist ein Vorteil, dass so verschiedene Geräte mit ein- und derselben Plattform und kompatiblen Apps nebeneinander existieren können. Des weiteren muss auch festgestellt werden, dass der Performanceunterschied im Alltagsbetrieb bei weitem nicht so groß ausfällt wie in Performance-Benchmarks. Sofern man einen alternativen Launcher und wenig Widgets verwendet, läuft das Ideos X3 auf dem Homescreen genauso butterweich wie das SGS2. Die Performance der Standard-Apps ist durchaus akzeptabel, selbst einfache 2D-Spiele wie Angry Birds und Cut the Rope sind durchaus lauffähig, sofern man sich mit gelegentlichen Rucklern arrangiereren kann. Der größte Flaschenhals, so unser Eindruck im Test, ist weniger die CPU als der mit 256 MB arg knapp bemessene Arbeitsspeicher. Zwar erledigt Gingerbread einen deutlich besseren Job bei der Arbeitsspeicherverwaltung als sein Vorgänger, dennoch stehen bei einem frisch neugestarteten System mit aktiviertem Go Launcher, ohne Widgets außer der Google-Suche nur 53 MB freier RAM zur Verfügung. Musik hören und gleichzeitig im Netz surfen ist somit auf dem Ideos X3 nur bedingt ratsam.

Mobilität und Alltagstauglichkeit

Ein Akku mit 1200 mAh mag auf dem Papier nicht nach viel „Saft“ klingen, jedoch bringt ein voll geladenes

Huawei Ideos X3

auch einen Powernutzer durch den Tag. Ein wesentlicher Faktor dafür mag das kleine und deswegen stromsparende Display sein. Dank der für kleine bis mittelgroße Hände sehr angenehme Form und des angerauhten Materials nimmt man das Gerät gerne in die Hand -- um sich sodann beim Tippen einer SMS gleich zu ärgern: Denn die Gingerbread-Tastatur im Portraitmodus zu bedienen, kommt auf einem so großen Display einem Vabanquespiel gleich, selbst als geübter Tipper zielt man immer wieder daneben. Die unbeleuchteten Hardwaretasten, die trotzdem punktgenau getroffen werden müssen, verstärken die Frustration zusätzlich. Immerhin ist das Display relativ gut lesbar, sofern man nicht in der prallen Sonne steht -- an AMOLED oder SLC-Displays kommt das chinesische Gerät trotzdem nicht heran. Nach der Benutzung will man das Gerät nur ungern wieder in die Hosentasche zurück stecken, da das Plastikdisplay Kratzer magisch anzieht. Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss sein Ideos X3 gut behandeln und sich auf dessen Schwächen einzustellen wissen, wenn man länger Freude daran haben will.

Modifizierbarkeit

Das

Huawei Ideos X3

ist bereits gerootet und es liegt ein ClockworkMod Recovery-Modul vor. Wir gehen davon aus, dass sich das Handy aufgrund des relativ attraktiven Preises weit verbreiten wird und dementsprechend interessant für weitergehende Modifizierungsversuche wird. Vor allem optimierte Kernel könnten noch das letzte bisschen Leistungspotential aus dem Gerät quetschen. Dass das

Huawei Ideos X3

einen offiziellen CyanogenMod-Port erhält, halten wir aufgrund der verbauten Hardware allerdings für unwahrscheinlich.

Fazit

Das

Huawei Ideos X3

ist billig. Verflucht billig. Die zentrale Frage ist, ob man die zahlreichen Nachteile und Wehwehchen des Geräts in Anbetracht des geringen Preises in Kauf zu nehmen gewillt ist. Ich persönlich würde das

Huawei Ideos X3

nur in Betracht ziehen, wenn mein Geldbeutel sehr schmal wäre, denn bereits in der Preisklasse 200 bis 250 Euro bekommt man bessere Hardware -- und die Preise werden in den nächsten Wochen und Monaten noch weiter purzeln, wenn die neue Generation an Geräten ansteht. Einstweilen kann man das

Huawei Ideos X3

trotzdem empfehlen: Als Gerät für Leute, die der ganzen Smartphone-Manie noch nicht so ganz trauen, für jemanden, der ein Gerät als Zwischenlösung sucht, für Schüler, als Zweitgerät fürs Zweitnetz oder als günstigen Tethering-Hotspot für Tablets ohne 3G-Verbindung.

Videofazit

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Unsere Wertung für das
Huawei Ideos X3

Display: 2/5
Verarbeitung und Haptik: 3/5
Software: 3/5
Performance: 1/5
Telefonie: 4/5
Kamera: 1/5
Konnektivität: 2/5
Alltagstauglichkeit: 2/5

Gesamt: 2,3/5
Preis-Leistungsverhältnis: 4/5

Pro:

  • Unschlagbarer Preis
  • Gute Haptik
  • Gute Performance im Alltagseinsatz

Contra:

  • Schlechte Hardwaretasten
  • Geringe Leistung
  • Bildschirm klein, schlecht aufgelöst

Galerie

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