Maßloses Wachstum der Phablets: Kennen Smartphone-Displays denn überhaupt keine Grenzen?

Sven Kaulfuss 6

Huawei schießt derzeit den Vogel ab. Mit dem neu vorgestellten Mate 20 X und dem Honor 8X Max zelebriert man die neue Maßlosigkeit beim Display-Wachstum. Es sind die Smartphones mit den größten, jemals erhältlichen Bildschirmen – da sehen Samsung und Apple ja fast schon mickrig dagegen aus. Wohin soll dies noch führen? Frag ich mich, in meiner aktuellen Wochenendkolumne.

7,21 Zoll (18,3 cm) – was für ein prächtiger Schlingel, dieses Smartphone. Das Mate 20 X darf derzeit als größtes „Phablet“ bezeichnet werden. Der Titelverteidiger Honor 8X Max wird kurzerhand auf den zweiten Platz verwiesen. Ganze 2 mm machen den Unterschied. Da liegt ordentlich was in der Hand oder besser gesagt den Pranken, denn allzu graziös dürfen die Pfötchen des Nutzers nicht sein. Zumindest dann, wenn er ein solches Ungetüm tatsächlich nur mit einer Hand halbwegs fassen möchte. Die Konkurrenz, vertreten durch Apple iPhone XS Max (6,5 Zoll = 16,5 cm) und dem Samsung Galaxy Note 9 (6,4 Zoll = 16,3 mm), kann im Angesicht solcher Ausmaße nur ehrfürchtig hintenanstehen.

Der aktuelle „King of Phablets“ im Video:

Huawei Mate 20X vorgestellt: Riesengroß, auf Spiele optimiert und mit Stylus-Unterstützung.

Nicht ganz so groß wie das in Deutschland nicht erhältliche 20 X, dafür besser ausgestattet: Das Mate 20 Pro bei Amazon*

Ich gewinne den Eindruck, Huawei testet derzeit die Grenzen eines Phablets aus. Eines Gerätes, welches ursprünglich mal zwischen Smartphone und Tablet angesiedelt war. Mit den nunmehr gewachsenen Abmessungen drohen die eigentlichen Tablets aber ja schon fast obsolet zu werden – zumindest im Android-Markt, dort schwinden ja so oder so die Absatzzahlen bei den Tablets. Riesen-Phablets werden den Trend wohl noch eher beschleunigen, als stoppen.

Wachstum der Smartphone-Displays: Was ist denn heute noch ein Phablet?

Vor einigen Jahren noch galten mehr oder weniger alle Smartphones mit Displays jenseits der 5 Zoll als Phablet. Heutzutage muss diese Definition überdacht werden, hält die Mehrzahl der Nutzer doch längst Geräte mit größeren Bildschirmen täglich in der Hand. Sicherlich muss in diesem Zusammenhang auch der Trend hin zu schmaleren Displays beachtet werden – die Bildschirme wachsen, besitzen aber ein günstigeres Format. Dennoch: Die Grenzen verschieben sich.

Doch wo liegen diese denn überhaupt noch, in diesem Wettrüsten der Smartphone-Displays?

Gewissermaßen lässt sich diese Frage mit der menschlichen Anatomie beantworten. Ist man gezwungen, das Gerät unter allen Umständen mit zwei Händen, statt nur einer zu nutzen, ist es als Smartphone gänzlich ungeeignet. Das Phablet wird dann endgültig wieder zum Tablet. Oder vielleicht doch nicht? Dazu eine Überlegung meinerseits.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Was, wenn die Riesen-Phablets einfach in der (Umhänge)Tasche bleiben. Die wirklich mobilen Anwendungen übernimmt im Zusammenspiel dann die Smartwatch: Telefonieren, kurze Nachrichten lesen und von Siri und Co. schreiben lassen, Fußgängernavigation und vieles mehr – dazu braucht es nicht unbedingt ein Smartphone, welches in der Hand gehalten wird. Die Smartwatch erledigt dann den Job – Apple zeigt dies schon eindrucksvoll mit der Apple Watch und einer integrierten eSIM. Oder noch „verrückter“: Man gönnt sich ein kleineres „Zweit-Smartphone“, wie schon letzte Woche in meiner Kolumne besprochen. Man stelle sich vor: Apple verkauft demnächst ein iPhone SE 2 im Bundle mit einem noch größeren iPhone XS GIGA – was ein Spaß. Aber ernsthaft: Wenn die Smartwatch dann den mobilen Job übernimmt, dann könnten die Phablets noch weiter wachsen. Moment, wären diese denn dann aber nicht schon wieder Tablets?

Was sind dann eigentlich zukünftig solche, faltbaren Gerätschaften – Smartphones mit ernsthaften Identitätsstörungen?

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Faltbares iPhone: Sieht so das geheime Apple-Handy aus?

Phablet-Definition: Die Software macht den Unterschied

Vielleicht nicht, denn ob Tablet oder Phablet entscheidet sich schon heute über die angepasste Software. Ein iPad wird zum iPad durch die erweiterten Tablet-Funktionen von iOS und die angepassten Apps. Auch Google versucht ja derzeit den Umschwung und etabliert Chrome als richtiges Tablet-System, Android hingegen verbleibt bei den Smartphones. Ergo: Die Displaygröße wird so immer mehr obsolet hinsichtlich einer korrekten Definition.

Was ist denn eure Meinung, wo liegen für euch die aktuellen Grenzen zwischen Smartphone, Phablet und Tablet?

Menschen sind unterschiedlich und es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen – klein, groß, dick, schmal. Nur bei den Smartphones strebt aktuell alles nach großen und übergroßen Displays – tatsächlich ein wünschenswerter Trend?

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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