Huawei Mate 8 im Test: Mehr vom Guten

Amir Tamannai 7

Huaweis neues Mate 8 ist etwas größer als das Mate S, hat einen größeren Akku und bietet dank neuerem Chipsatz auch mehr Leistung – ansonsten ähneln sich beide Geräte sehr. Ist es deswegen legitim zu sagen, dass das Phablet einfach nur eine an bestimmten Stellen aufgebohrte Version des Smartphone-Flaggschiffs der Chinesen ist? Es ist – wie unser Testbericht zum 6-Zoller aufzeigt.

Kurz gefasst: Das Huawei Mate 8 ist unterm Strich ein vergrößertes Mate S. Das ist einerseits gut und macht das Phablet zu einer feinen Alternative für alle, denen das 5,5 Zoll-Display des Mate S ein wenig zu klein, der Akku etwas zu knapp bemessen und die Performance ein wenig zu gering war. Neuerungen bringt der 6-Zoller allerdings nicht und stellt damit tatsächlich „nur“ eine optimierte Version des Flaggschiff-Smartphones dar.
PRO:
  • Großer 6 Zoll-Screen
  • Großer 4.000 mAh-Akku
  • Sehr schneller Kirin 950-Chipsatz
  • Guter Fingerabdruckscanner
KONTRA:
  • Keine Neuerungen gegenüber Mate S
  • Derzeit noch teurer als Mate S
  • Touchpad-Feature des Mate S fehlt
  • Groß und schwer

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Die finale Wertung findet ihr unten im Artikel.

Huawei hat spätestens mit der Vorstellung des Mate S auf der IFA 2015 ein deutliches Zeichen gesetzt: Der chinesische Riese ist mit seinen Smartphones endgültig in der Oberklasse angekommen. Denn der 5,5 Zoller war betörend schön, mit seinem Full HD-Display und dem Kirin 925-Soc scharf und performant und ob des verbauten 2.700 mAh hinreichend ausdauernd. Im Alltag überzeugen der schnelle Fingerabdruckscanner sowie die sehr brauchbare Kamera. Es gibt natürlich Smartphones, die in den genannten Einzeldisziplinen besser sind, aber in Summe ist das Mate S ein extrem gelungenes Stück mobiler Technik – wie auch Kollege Frank in seinem Huawei-Mate-S-Test festgestellt hat.

Nachdem der Stern Huaweis am Himmel der Smartphone-Oberklasse bereits mit der Vorstellung des Mate 7 auf der IFA 2014 zu scheinen begann, sind die Erwartungen an dessen direkten Nachfolger und eben das erste High-End-Gerät nach dem Mate S relativ groß: Das Mate 8 soll all das sein, was Mate 7 und Mate S waren – und noch ein bisschen mehr. Schauen wir also, ob das Phablet diesen Erwartungen gerecht wird.

Das Mate 8 wurde uns leihweise von Huawei zur Verfügung gestellt, wir haben es drei Wochen getestet. Während des Testzeitraums kam die auf Android 6.0 Marshmallow und EMUI 4.0 basierende Firmware NXT-L29C900B103 zum Einsatz, Firmware-Updates haben wir in dieser Zeit nicht erhalten.

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Die 12 besten EMUI-Designs: Themes für Huawei Mate S, Mate 7, P8 (Lite), Honor 6, 7 und Co.

Design und Verarbeitung

Wie das Mate S kommt das Mate 8 im eleganten und flachen Alu-Gehäuse, anders als beim 5,5-Zoller finden sich auf der Rückseite allerdings statt der Querstreifen aus Kunststoff wie beim Mate 7 oben und unten größere Polycarbonat-Einsätze. Die sind aber so gut lackiert, dass sie selbst beim Befühlen wie Metall wirken. Außerdem ist der rückseitig positionierte Fingerabdruckscanner beim Mate 8 rund, gleiches gilt für die 16 MP-Kamera. Von vorne und vor allem seitlich betrachtet gleichen sich Mate S und Mate 8 bis auf die natürlich unterschiedlichen Dimensionen wie ein Ei dem anderen. Unterschiede finden sich lediglich bedingt durch die unterschiedliche Display-to-Body-Ratio in der Größe der oberen und unteren Ränder – die übrigens blaugrau schraffiert statt einfach nur schwarz sind: Wo das Mate S mit seinem 5,5 Zoll in der Diagonale messenden Screen und Abmessungen von 149,8 x 75,3 x 7,2 mm auf ein Verhältnis von 73,9 Prozent kommt, erreicht der 6-Zoll-Bildschirm des Mate 8 (157,1 x 80,6 x 7,9 mm) merklich höhere 78 Prozent Frontauslastung – merklich vor allem deswegen, weil die erwähnten Ränder beim Phablet nicht nur relativ, sondern auch absolut betrachtet schmaler sind. Das gilt in geringerem Ausmaß auch für die seitlichen Bezel. Im Ergebnis ist das Mate 8 damit – zumindest auf dem Papier – trotz des nicht nur minimal größeren Displays selbst nicht allzu groß geraten.

Huawei Mate 8 im Test

Wo die Größe also weniger problematisch ist, wiegt das Mate 8 mit 185 Gramm recht schwer in der Hand und deutlicher noch in der Hosentasche – je nach Beschaffenheit der Beinkleider kann einem das Phablet in der Gesäßtasche schon mal beinahe die Hosen ausziehen. Ja, es ist halt ein großes Gerät, aber der Preis des schicken Metallkleides ist eben auch ein auf für diese Geräteklasse überdurchschnittlich hohes Gewicht. Und auch wenn das 8 wie erwähnt nominell gar nicht so groß ist, ist es natürlich kein kompaktes Smartphone: Als ich nach ein paar Tagen der Benutzung mal wieder das ja nun auch nicht gerade winzige Mate S in die Hand nahm, kam es mir im Vergleich genau so vor: winzig. Dieser Dimensionen und der daraus resultierenden Einschränkungen im Alltag sollten sich potenzielle Käufer des Mate 8 bewusst sein. Positiv zu vermerken ist, dass das Phablet nicht rutschig und vor allem sehr gut ausbalanciert ist, so dass es zumindest im Normalfall nicht Gefahr läuft, aus der haltenden Hand zu kippen oder gleiten.

Das 6-Zoll-Display des Mate 8

Anders als beim Mate S setzt Huawei beim Mate 8 auf IPS-NEO LCD statt AMOLED-Technik, die Auflösung bleibt mit 1.920 x 1.080 Pixeln allerdings gleich. Stellt letzteres eigentlich kein Problem dar, da Full HD unseres Erachtens auch für einen Screen dieser Größe noch ein ausreichend scharfes Bild zeichnen, darf man fragen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die angezeigten Inhalte etwas kleiner zu skalieren. Da das unter Android ohne Root-Zugriff nicht durch den Nutzer nachzujustieren ist, muss man also damit leben, dass trotz 6 Zoll der gleiche Bildausschnitt respektive die gleiche Anzahl an Symbolen angezeigt wird, wie auf einem deutlich kleineren Gerät. Der Vorteil des Mehr an Display verpufft also – es sei denn natürlich, der Vorteil ergibt sich rein aus der besseren Ablesbarkeit durch die größere Darstellung.

Das IPS-Display des Mate 8 stellt Farben natürlich anders dar als ein AMOLED-Panel und ist grundsätzlich schön anzusehen. Allerdings mussten wir einen leichten Rotstich beziehungsweise ein insgesamt zu warm abgestimmtes Farbbild feststellen – leider ließ sich dieser Eindruck auch nicht durch manuelles Nachjustieren im entsprechenden Untermenü der Display-Einstellungen ändern. Damit bleibt zum Screen des Mate 8 unterm Strich festzuhalten: Gut, aber nicht herausragend – bei einem 6 Zoller, der auf der Front zu den erwähnten 78 Prozent aus Display besteht, hätten uns ein wenig mehr erhofft.

Huawei Mate 8 im Test

Hardware und Performance: Kirin-Power!

Keine Hoffnungen bleiben hinsichtlich der Rechenleistung des Mate 8 unerfüllt: Ohne großes Aufsehen hat Huawei es geschafft, mit dem achtkernigen Kirin 950 einen der derzeit schnellsten mobilen Chipsätze selbst zu produzieren – der zersägt mal eben den Exynos 7420 aus dem Galaxy S6(edge/edge+), der bislang die Speerspitze auf diesem Sektor darstellte:

Huawei Mate 8-Benchmark.

Was aber bringt dieses Mehr an Performance? Im Alltag wenig, in grafisch fordernden Spielen freilich schon etwas – und der große Screen lädt ja zum Spielen ein. Für mobile Gamer also, denen die 5,5 Zoll des Mate S zu klein und dessen Leistung für Real Racing 3, Asphalt 8 und ähnlich grafikintensive Titel zu gering war, stellt das Mate 8 eine adäquate Option dar. Was sich auch an dem Plus in Grafik-Benchmarks zeigt - hier kann Huawei dank Mali-T880-GPU mal eben die 3D-Leistung verdoppeln. Im Alltag, abseits von Games, benötigt man das Power-Plus im Grunde nicht.

Benchmark Huawei Mate 8 BlackBerry Priv Samsung Galaxy S6 Huawei Mate S
HiSilicon Kirin 950 Octa-Core
4 x A72 @ 2,3 GHz, 4 x A53 @ 1,8 GHz
Mali-T880 MP4-GPU
1.920 x 1.080
3 GB RAM
Qualcomm Snapdragon 808 Hexa-Core
2 x A57 @ 1,8 GHz, 4 x A53 @ 1,44 GHz
Adreno 418-GPU
2.560 x 1.440
3 GB RAM
Samsung Exynos 7420 Octa-Core
4 x A57 @ 2,1 GHz, 4 x A53 @ 1,5 GHz
Mali-T760 MP8-GPU
2.560 x 1.440
3 GB RAM
HiSilicon Kirin 935 Octa-Core
4 x A53 @ 2,2 GHz, 4 x A53 @ 1,5 GHz
Mali-T628 MP4-GPU
1.920 x 1.080
3 GB RAM
CF-Bench 1.3
Overall
83.493 53.381 78.769 54.527
CF-Bench 1.3
Native
99.237 54.889 99.484 87.635
CF-Bench 1.3
Java
83.493 52.376 64.959 32.455
AnTuTu 6.0.1
Gesamt
89.499 63.753 77.490 52.206
AnTuTu 6.0.1
3D
18.866 16.054 20.698 9.844
AnTuTu 6.0.1
UX
31.927 23.164 24.707 19.731
AnTuTu 6.0.1
CPU
32.492 19.211 25.809 17.643
AnTuTu 6.0.1
RAM
6.214 5.324 6.276 4.988
GFXBench 4.0.2
Manhattan ES 3.1 OnScreen
698,8
11 FPS
353,2 Frames
5,7 FPS
411,5 Frames
6,6 FPS
336,7 Frames
5,4 FPS
GFXBench 4.0.2
Manhattan ES 3.1 OffScreen 1080p
634,6
10 FPS
652,2 Frames
10 FPS
909,9 Frames
15 FPS
318,1 Frames
5,1 FPS
GFXBench 4.0.2
T-Rex ES 2.0 OnScreen
2.426 FPS
43 FPS
1.384 Frames
25 FPS
1.969 Frames
35 FPS
920 Frames
16 FPS
GFXBench 4.0.2
T-Rex ES 2.0 1080p OffScreen
2.300 Frames
41 FPS
1.973 Frames
35 FPS
2.512 Frames
45 FPS
858 Frames
15 FPS

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EMUI 4.0 und Android 6.0: Die Software des Mate 8

Einen Sprung nach vorne macht das Mate 8 auch in Sachen Software: Über der neuesten Android-Version 6.0 liegt Huaweis eigene Benutzeroberfläche EMUI in der Version 4.0. Die sieht im Großen und Ganzen exakt so aus, wie wir das bereits vom Mate S kennen, ist aber bis auf die bekannten Neuerungen, die Marschmallow bringt, im Vergleich zum Mate S an manchen Stellen eingeschränkt: So lässt sich der Fingerabdruckscanner auf dem Phablet – wo das doch noch praktischer wäre – nicht mehr als Touchpad zum schnellen Herunterziehen und Aufräumen der Benachrichtigungsleiste verwenden. Schade, da wir gerade bei einem so großen Gerät für diese Option dankbar gewesen wären. Wir hoffen schwer, dass das noch per Update nachgeliefert wird. Außerdem finden sich deutlich weniger Shortcuts in der Benachrichtigungsleiste, der Nutzer kann zwar noch durch diese scrollen und sie neu anordnen, bekommt aber nicht alle verfügbaren dort untergebracht – warum das so ist, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Kleine Änderungen gibt es auch im Einstellungsmenü, wo Huawei vermutlich aus Gründen der besseren Zugänglichkeit gewisse Menüpunkte unter dem Eintrag „Erweiterte Einstellungen“ zusammengefasst und damit in eine tiefere Ebene verbannt hat – erst dort finden sich dann Informationen und Einstellungen zum Speicher, dem Akku, Sprache, Uhrzeit, Standort und Sicherheit und für das Zurücksetzen. Von diesen Einschnitten abgesehen, bietet EMUI 4.0 bekannte Kost, mit allen Vor- und Nachteilen, die es auch schon auf dem Mate S zu loben respektive zu beklagen gab: Das UI läuft im Zusammenspiel mit dem Kirin 950 angenehm flüssig, ein App Drawer fehlt aber, es stehen durch die integrierte Theming-Engine zahlreiche Designs zur Individualisierung bereit, es gibt den mächtigen, aber für Einsteiger verwirrenden Telefonmanager, und, und, und … wer mehr zu EMUI erfahren möchte, schaut in den entsprechenden Abschnitt des Reviews zum Mate S, in dem Kollege Frank die Software detailliert beschrieben hat.

16 MP statt 13 MP: Die Kamera des Mate 8

Eine Schippe drauf legt Huawei beim Mate 8 auch hinsichtlich der Kamera: 16 MP mit optischem Bildstabilisator, f/2.0-Blende und Dual Tone-LED-Blitz stehen auf dem Papier – wer erhofft hat, dass das Mate 8 allein damit aber in Qualitätsregionen eines Samsung Galaxy S6 oder LG G4 vorstößt, den müssen wir enttäuschen – ein bisschen wenigstens. Wie unsere Beispielfotos zeigen, schießt das Phablet Fotos, die ebenso wie die des Mate S gut, aber nicht hervorragend sind. Mit ruhiger Hand oder Stativ und optionalem HDR- beziehungsweise Nachtmodus können mit der Kamera(-App) kleine Meisterwerke geknipst werden, aber aus der Hüfte sind die Ergebnisse der 16 MP-Kamera gemessen an derzeitigen Spitzenreitern in dieser Disziplin eben eher zweite Wahl.

Äußerst irritierend finden wir, dass das Mate 8 bei der Videoaufzeichnung zwar 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde, nicht aber die 4K-Aufnahme offeriert – klar, das braucht nicht jeder und der Screen des Mate 8 löst ja selbst auch nur mit Full HD auf. Ein fast schon selbstverständliches Feature wäre das bei einem Gerät dieser Preis- und Leistungsklasse unserer Ansicht nach aber schon gewesen.

Akku, Speicher, Sound und Telefonie

4.000 mAh - da hüpft sich das Poweruser-Herz. Allerdings mussten wir im Testzeitraum feststellen, dass diese nominell große Akkukapazität nicht für wirklich atemberaubend lange Stunts reicht – klar, anderthalb Tage sind auch bei intensiver Nutzung locker drin; wer aber auf zwei, drei Tage ohne Boxenstopp am Ladegerät zielt, der muss eben auch beim Mate 8 sein Nutzungsverhalten entsprechend einschränken. Glücklicherweise kann das Phablet nach Huaweis eigenenm Standard schnellgeladen werden, was bedeutet, dass nach nur 45 Minuten am Kabel bereits die Hälfte der Kapazität wieder im Akku sind.

Das Mate 8 ist hierzulande vorerst nur in der Version mit 32 GB internem Speicher und 3 GB RAM erhältlich, ob das größere 64-GB-Modell später noch erscheinen wird, ist ungewiss. 32 GB sind aber ausreichend Platz für Apps und Daten, zumal sich das Phablet per microSD-Karte problemlos auf bis zu 128 GB aufstocken lässt. Übrigens: Wer keine Speicherkarte einsetzt, kann stattdessen eine zweite SIM-Karte nutzen – das Mate 8 ist Dual-SIM-fähig und funkt mit beiden Karten auf allen hierzulande relevanten LTE-Bändern. Beim Telefonieren gab es im Testzeitraum keine Probleme, die Sprachqualität war einwandfrei und es gab auch bei der Datenverbindung keine Abbrüche oder Aussetzer. Positiv ist auch, dass das WLAN-Modul den 802.11-Standard bis hoch zu ac unterstützt und überdies Dual-Band-fähig ist, zusätzlich sind noch Bluetooth 4.2 sowie A-GPS, Glonass und der chinesische Standard BDS zur Positionsbestimmung an Bord.

Wie das Mate S finden sich am unteren Rand zwar zwei gefräste Grille, ein Lautsprecher steckt tatsächlich aber nur hinter dem rechten. Damit gibt das Mate 8 Audio also mono aus, wenigstens ist der Speaker aber so positioniert, dass er beim Spielen im Landscape-Modus nicht vom Handballen zugehalten werden kann. Laut genug ist er ebenfalls, wenn auch Smartphone-typisch kein Klangwunder.

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Unsere Wertung zum Huawei Mate 8

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Kamera: 4/5

Gesamt: 85 %

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Huawei Mate 8

12. Februar 2016

85/100 Punkte

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