Huawei Mate 9: So holst du alles aus der Kamera heraus

Sebastian Trepesch 2

Die Dualkamera des Huawei Mate 9 ziert ein Leica-Logo, doch nicht nur über die Hardware zeigt der Hersteller seinen Einsatz für tolle Fotos. Auch die Kamera-App selbst beweist Profi-Ambitionen. Wir zeigen, wie man möglichst viel aus der Kamera herausholt.

Huawei Mate 9: So holst du alles aus der Kamera heraus

In der Kamera-App des Huawei Mate 9 sind neben Standardfeatures wie zum Beispiel Selbstauslöser, Blitzsteuerung und Farbfilter manuelle Steuerungsmöglichkeiten zu finden, wie man sie von (semi-)professionellen Kameras kennt. Zwar helfen Motivprogramme oft weiter, in manchen Situationen verhilft der Pro-Modus des Smartphones jedoch zu den besten Ergebnissen.

Die Basis: Einfach Fotos schießen – über mehrere Wege

Wer in die Funktionen für Fortgeschrittene nicht einsteigen möchte, muss das nicht: Zunächst einmal können wir mit dem Mate 9 genauso einfach Fotos schießen, wie mit anderen Geräten auch. Das Knipsen kann dabei nicht nur über den großen Punkt oder die Leiser-Taste des Smartphones erfolgen, Huawei hat noch drei weitere Auslösemöglichkeiten integriert:

  • Dank „Ultra-Schnappschuss“ reicht ein doppelter Druck auf den Leiser-Button, um ein Foto zu schießen – selbst wenn das Display des Smartphones ausgeschaltet ist.
  • Mit der Audio-gesteuerten Aufnahme löst auch der Sprachbefehl „Cheese“ aus – eine praktische Alternative zum zeitgesteuerten Selbstauslöser.
  • Gerade für Selfies praktisch: Auch ein Tippen auf den rückseitigen Fingerabdruckscanner kann die Kamera auslösen, sofern diese Option im Einstellungsmenü für den Fingerabdruckscanner aktiviert wurde

Ultra-Schnappschuss, Timer und Audioauslöser werden derweil in den Kamera-Einstellungen eingeschaltet – diese werden in der App durch Wischen nach links eingeblendet.

pro-modus-kamera-huawei-mate-9

Bilderstrecke starten
15 Bilder
Top 15: Diese Smartphones strahlen am stärksten.

Der Pro-Modus: Manuelle Einstellungen (fast) wie bei einer Spiegelreflex

Geübte Fotografen freuen sich über den Pro-Modus im Mate 9. Er wird über den kleinen Pfeil neben dem Auslöser geöffnet. Hier finden wir Belichtungsmessung, ISO-Wert, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, Autofokusmodus sowie den Weißabgleich.

Widmen wir uns zunächst der Belichtungssteuerung, hier gibt es ein wahres Sammelsurium an Einstellmöglichkeiten. Hilfreich – und auf einem Smartphone keine Selbstverständlichkeit – sind die unterschiedlichen Belichtungsmessungen. Im Normalfall leistet die Matrixmessung beste Dienste, die Helligkeitsinformationen aus dem gesamten Bild verwertet.

Belichtung im Pro-Modus per Spotmessung anpassen

In manchen Situationen – zum Beispiel bei einer hell beleuchteten Person in einer dunklen Umgebung – kann die Matrixmessung zu stark überbelichteten Objekten führen. Am einfachsten schaltet man hier auf die Spotmessung (das Symbol mit dem Punkt) um. Den Belichtungs- und Autofokuspunkt definiert man per Tipp auf das gewünschte Objekt, in unserem Fall also die hell beleuchtete Person.

  • Tipp: Belichtungs- und Autofokuspunkt können auseinandergezogen und an unterschiedlichen Punkten des Motivs platziert werden.

Alternativ zur Spotmessung lässt sich die Belichtung mit dem Korrekturregler anpassen: Auf EV tippen und dann für ein dunkleres Bild einen Negativwert wählen, für ein helleres einen Positivwert.

So wird die Person optimal belichtet. Während sich viel zu hell abgebildete Objekte („ausgefressene Lichter“) nachträglich nicht mehr abdunkeln lassen, kann man einen zu dunklen Hintergrund oft noch in der Nachbearbeitung etwas aufhellen.

Belichtungszeiten im Pro-Modus variieren

Die Verschlusszeit lässt sich im Pro-Modus der Mate-9-Kamera ebenfalls manuell festlegen, und zwar von 1/4000 Sekunde bis hin zu 30 Sekunden. iPhone und Co. könnten sich davon eine Scheibe abschneiden … somit lassen sich passend zum Motiv geeignete Verschlusszeiten wählen. Ein paar Tipps:

  • Sollen schnelle Objekte – Autos, Wasser eines Brunnens – eingefroren werden, empfiehlt sich eine kurze Belichtungszeit (z.B. 1/1000).
  • Kann das Gerät aufgelegt oder auf ein Stativ gestellt werden und bewegt sich das Motiv nicht (z.B. Alpenpanorama), lieber eine längere Belichtungszeit und dafür eine kleinere Ioszahl verwenden, um hohes Bildrauschen zu vermeiden (z.B. bei Dämmerung 1/2 Sekunde).
  • Für Leuchtspureffekte – zum Beispiel Verkehr auf einer Straße – bei Dämmerung Verschlusszeiten von 2 Sekunden oder länger verwenden.

Die manuell eingestellte Verschlusszeit gleicht das Mate 9 für eine richtige Belichtung mit dem Isowert aus. Wer unter- oder überbelichten möchte, kann auch diesen noch manuell nachjustieren.

Manueller Weißabgleich und RAW für perfekte Farben

Ebenfalls im Pro-Modus ist eine manuelle Einstellung für den Weißabgleich zu finden, hinter der Bezeichnung AWB. Besonders bei Mischlicht kann es sinnvoll sein, der Automatik unter die Arme zu greifen. Doch auch bei Kunstlicht passiert es vereinzelt, dass die Kamera bei dem Weißabgleich zu streng agiert. So kann zum Beispiel ein wärmerer Weißabgleich gewünscht sein, als ihn das Smartphone vorschlägt. Als Presets sind Sonnenlicht, bewölktes Tageslicht, Kunstlicht und Leuchtstoffröhren wählbar. Außerdem gibt es eine Leiste, über die die genaue Farbtemperatur eingestellt werden kann. Dank Live-Vorschau sucht man sich den gewünschten Wert am besten durch Ausprobieren aus.

Weissabgleich-mate-9

Die Kamera des Mate 9 ermöglicht zudem die Speicherung von RAW-Dateien – zusätzlich zu den JPGs. Dank diesen Rohdaten kann der Weißabgleich auch noch später im Smartphone oder am Computer mit entsprechenden Apps vorgenommen werden.

RAW-Daten benötigen zwar deutlich mehr Speicherplatz als JPGs, sind aber bei schwierigem Weißabgleich und vor allem kontrastreichen Motiven eine sinnvolle Wahl. Per Wisch nach links öffnet man die Einstellungen der Kamera-App – hier wird das Speichern des RAW-Formats eingeschaltet.

Bonbon: Unschärfe à la Spiegelreflex

Das Objekt setzt sich gut vom Hintergrund ab – diesen Effekt beherrschen vor allem Spiegelreflexkameras, dank ihres großen Sensors. Das Huawei Mate 9 kann einen ähnlichen Effekt erzeugen, indem es etwas schummelt: Tippen wir auf das Symbol für Blende, maskiert die Kamera per Software den Hintergrund unscharf.

Das kann für einen hübschen, professionell wirkenden Effekt sorgen, sofern die Fehler der Software nicht zu groß ausfallen (was leider häufig der Fall ist). Sich deutlich absetzende Objekte mit unkomplizierten Kanten (zum Beispiel eine Person mit Glatze und ohne Brille) eignet sich für diesen Modus am ehesten.

Huawei Mate 9 bei Amazon ansehen *

Huawei Mate 9 im Hands-On.

Wählt das beste Android-Smartphone des Jahres 2016

Hoch her ging es dieses Jahr in der Android-Welt. Einige Hersteller konnten die Sektkorken knallen lassen, andere mussten die Scherben einer verfehlten Produktpolitik aufsammeln. Was hat euch 2016 besonders gefallen? Nehmt an unserer Abstimmung teil und wählt das beste Android-Smartphone des Jahres.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA ANDROID

  • OnePlus 7 im Test: Von beiden Seiten in die Mangel genommen

    OnePlus 7 im Test: Von beiden Seiten in die Mangel genommen

    Keine Triple-Kamera, kein 90-Hz-Display und kein komplett randloses Design: Das OnePlus 7 lebt scheinbar im Schatten der Pro-Variante. Andererseits bietet die Standardausführung unter der Haube nicht nur die gleiche Technik, sondern ist leichter und auch günstiger. Reicht das aber, um sich am hart umkämpften Smartphone-Markt durchzusetzen? Im Test zum OnePlus 7 gibt es die Auflösung – in 9 Fragen und Antworten. 
    Kaan Gürayer 1
  • Emojis 2019: Das sind die neuen Motive für iPhone, iPad und Android-Smartphones

    Emojis 2019: Das sind die neuen Motive für iPhone, iPad und Android-Smartphones

    Apple und Google haben in dieser Woche neue Emojis vorgestellt. Die kleinen Figuren und Symbole werden in diesem Jahr in die Betriebssysteme Android Q, iOS 13, macOS Catalina und watchOS 6 integriert. Welche neuen Motive bekommen wir? Und wie unterschieden sie sich zwischen iPhones und Android-Smartphones? GIGA zeigt die kleinen Bildchen so groß, wie man sie nur selten sieht, im Vergleich.
    Sebastian Trepesch 1
* Werbung