Ex-Apple-Manager Fadell erzählt Geschichte hinter verschiedenen iPhone-GUIs

Florian Matthey 2

Der frühere Apple-Manager Tony Fadell hat sich zur Entstehungsgeschichte des iPhone geäußert – und nimmt dabei auch Bezug auf die Prototypen-Videos, die aktuell die Runde machen. An einem „Click-Wheel-iPhone“ habe Apple damals recht lange gearbeitet.

Ex-Apple-Manager Fadell erzählt Geschichte hinter verschiedenen iPhone-GUIs

Tony Fadell: Der „Vater des iPod“ war auch ein Vater des iPhone

Tony Fadell hat sich sowohl mit der BBC als auch The Verge anlässlich des zehnten Geburtstags des iPhone über dessen Entstehungsgeschichte geäußert. Fadell war Chef der iPod-Abteilung, bis er Apple im Jahr 2008 verließ, um den Smart-Home-Artikel-Hersteller Nest zu gründen, den später Google übernahm. Da das iPhone aber in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung des iPod war, war Fadell zwischenzeitlich auch Chef der iPhone-Abteilung.

Keine zwei konkurrierenden Click-Wheel- und Touchscreen-Teams

Fadell nimmt vor allem Bezug auf die Geschichte hinter den Videos der beiden Prototypen-Betriebssysteme, die auf zwei iPhones installiert sind – einmal ein Touchscreen-Betriebssystem und einmal eines mit einem virtuellen Click Wheel. Fadell erkennt beide wieder – betont aber auch, dass diese GUI-Simulationen seinerzeit bei Apple nur auf einem Mac liefen. Irgendjemand müsse sie aus Spaß auf ein iPhone portiert haben; bei Apple selbst habe das zumindest damals niemand gemacht.

Auch habe es nicht zwei konkurrierende Teams gegeben, die an diesen zwei Konzepten arbeiteten. Vielmehr haben ein komplettes Software- und ein komplettes Hardware-Team an vielen verschiedenen Konzepten zusammengearbeitet – die gezeigten seien nur zwei von 16 oder 17 Ideen. Die Idee eines virtuellen Click Wheels auf einem Touchscreen sei darauf zurückzuführen, dass es seinerzeit iPods mit Video-Funktion gab, deren Bildschirme aber extrem klein seien. Man habe also überlegt, das Display über die ganze Vorderseite zu erstrecken, um iPods nicht größer werden zu lassen. Durch das virtuelle Click Wheel sollte die bewährte Bedienung beibehalten werden.

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Wochenlange Arbeit an Click Wheel mit Tasten

Das sei dann dementsprechend auch eine Idee fürs iPhone gewesen. Eine andere war, ein kleines Display wie bei herkömmlichen iPods mit einem physischen Click Wheel zu haben. Das habe auch gut funktioniert – bis auf die Eingabe von Telefonnummern, die sehr umständlich gewesen sei. Steve Jobs habe das Team dann dazu aufgefordert, ein System zu erstellen, bei dem Tasten quasi auf dem Click Wheel angeordnet sind. Man habe dann vier oder fünf Wochen daran gearbeitet und Jobs erklärt, dass es einfach nicht funktioniere. Jobs habe dann immer noch darauf bestanden; erst nach weiteren vier bis fünf Wochen habe man es dann aufgegeben.

Ähnlich sei dann letztendlich auch die bewährte Touchscreen-Oberfläche mit Icons und ohne physische Tasten entstanden: Auch hier seien viele Teammitglieder erst skeptisch gewesen; Jobs habe aber darauf bestanden, dass sie so lange daran arbeiten sollten, bis es funktioniert. Man habe dann Ideen übernommen, die aus einem anderen Projekt – einem Touchscreen-Mac – stammten. Steve Jobs hatte bereits vor einigen Jahren erklärt, dass es ein entsprechendes Projekt gab, aus dem letztendlich das iPad entstand; die Ideen aber zunächst dem iPhone zugutekamen.

Jobs‘ Ansage: „Wer für eine Tastatur ist, bleibt draußen“

Jobs habe dann erkannt, dass dies der richtige Weg sei, zunächst aber nicht alle Teammitglieder überzeugen können. Also habe er einfach entschieden, dass diejenigen, die gegen ein iPhone ohne physische Tasten sind, nicht mehr das Zimmer betreten dürften. Einen „Rebell“ habe Jobs dann tatsächlich des Zimmers verwiesen. Irgendwann seien dann alle an Bord gewesen.

Ähnlich rigoros sei Jobs mit der Idee umgegangen, dass es keinen Stift oder Stylus für das iPhone geben dürfe. Fadell habe das Team dann aber angewiesen, den Touchscreen so zu designen, dass eine Bedienung mit einem Stift weiterhin denkbar ist – ohne dies Jobs zu sagen. Entsprechende „Geheimnisse“ habe es immer wieder gegeben; beispielsweise habe man auch an einer PC-Kompatibilität des iPod gearbeitet, bevor Jobs dies zulassen wollte. Auf die PC-Version von iTunes konnte Jobs noch zu Lebzeiten zurückgreifen; die Stylus-Idee griff Apple jedoch erst Jahre später mit dem Apple Pencil fürs iPad Pro wieder auf.

Fadell verlor Prototypen im Flugzeug – und bangte um seinen Job

Fadell erzählt auch, dass es für das Grundgerüst des iPhone-Betriebssystems zwei verschiedene Ansätze gab – einen Linux-basierten und einen, der auf ein verschlanktes macOS – damals noch Mac OS X – setzte. Er habe sich dann für Letzteren entschieden. Und: Die Geheimhaltung nahm Jobs seinerzeit wirklich sehr ernst. Er drohte jedem, der etwas nach außen dringen lässt, mit einer sofortigen Kündigung. Ausgerechnet Fadell selbst verlor dann einen Prototypen im Flugzeug – er war aus seiner Hosentasche zwischen die Sitze gefallen. Fadell fragte sich, wie er Jobs das erklären könne. Die Mitarbeiter der Fluggesellschaft fanden das Gerät aber, ohne zu wissen, worum es sich dabei handelt.

Tatsächlich funktionierte die Geheimhaltung damals sehr gut: Vor der Präsentation des ersten iPhone im Januar 2007 ahnte die Gerüchteküche zwar, dass Apple ein Smartphone präsentieren würde. Auch von einem iPod mit Touchscreen war die Rede. Dass es sich dabei aber um ein und dasselbe Gerät handeln, und wie dieses funktionieren würde, war völlig unklar. Entsprechend groß war dann die Verwunderung über das Handy ohne Tasten und ohne Stift.

Quelle: BBC, The Verge

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