iPhone 5c 8GB und iPad 4: Das letzte Aufbegehren

Sven Kaulfuss 23

Ab heute bereichert das iPhone 5c mit 8GB Speicherkapazität und das alte iPad der vierten Generation Apples Produktportfolio. Der Hersteller fällt zwei taktische Vertriebsentscheidungen, deren Erfolgsaussichten nicht unterschiedlicher sein könnten. Ein Kommentar.

iPhone 5c 8GB und iPad 4: Das letzte Aufbegehren

Apples neuerliche Produktpflege erscheint auf den ersten Blick für nicht wenige Marktbeobachter verwunderlich. Statt einer offiziellen Preissenkung, erweitert der Hersteller die Modellpalette des iPhone 5c. Es gesellt sich ein neues Modell mit 8GB hinzu. Kostenpunkt: . Die bestehenden Varianten mit 16GB () und 32GB () verbleiben dabei preislich unverändert im Programm. Zudem verschwindet das altehrwürdige iPad 2 aus dem Produktkatalog. Ersetzt wird es durch das bereits totgeglaubte iPad der vierten Generation – schlichtweg iPad mit Retina Display genannt. Für erhält man die Wi-Fi-Variante mit 16 GB. Für gibt’s die Mobilfunk-Version mit gleichgroßem Speicher. Soweit die Fakten.

Doch was steckt dahinter, warum verweigert sich Apple einer Preissenkung des leidlich erfolgreichen iPhone 5c? Warum reaktiviert man einen „Oldtimer“ wie das iPad 4?

iPhone 5c: Durchschlagender Erfolg schaut anders aus

Selbst Apple-CEO Tim Cook musste zuletzt im Januar zugeben: Das iPhone 5c bleibt hinter den eigenen Erwartungen zurück. Stattdessen greifen die Kunden lieber vermehrt zum iPhone 5s. Der Anteil des Top-Modells am Gesamtumsatz fällt wesentlich höher aus als gedacht. Übersetz bedeutet dies wohl: Die Umsatzgröße für das iPhone 5c wurde verfehlt, die Lagerreichweite ist höher als gewünscht. Ein eindeutiges Indiz für diese These ist der zunehmende Preisverfall des iPhone 5c im freien Markt.

Anders als beim iPhone 5s, könnte die Differenz zwischen unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers (offizieller Apple-Store-Preis) und dem tatsächlichen Preis im Markt nicht größer sein. So verkauft die E-Plus-Gruppe das Modell mit 16GB seit geraumer Zeit für 444 Euro (Apple: 599 Euro). Cyberport – autorisierter Apple-Händler – feierte am Wochenende ein „Preisfest“ und bot die 32er Variante für 499 Euro (Apple: 699 Euro) an. Beides sind keine dubiosen Händler, sondern ernstzunehmende und verlässliche Vertriebspartner von Apple. Aus meiner jahrelangen Erfahrung als Produktmanager weiß ich: All dies geschieht mit Wissen und wahrscheinlich auch aktiver Unterstützung von Apple.

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iPhone 5c: Letzte Chance indirekter Vertrieb

Die Fälle in denen Apple ein aktuelles Produkt offiziell im Preis senkte lassen sich an einer Hand abzählen. Erst bei Einführung neuer Modelle werden Altgeräte neu gepreist oder über Lagerwertausgleichszahlungen über den Fachhandel abvermarktet. Insofern verwundert es nicht, dass Apple die bisherigen, offiziellen Preise des iPhone 5c beibehält. Alles andere käme einem Eingeständnis und Gesichtsverlust gleich. Stattdessen nutzt der Hersteller seinen Fachvertrieb. Dieser muss nun die Kohlen aus dem Feuer holen und das iPhone 5c aktiv vermarkten. Nur uninformierte Kunden werden das Smartphone im Angesicht des tatsächlichen Preisverfalls noch direkt bei Apple kaufen wollen.

Halten wir fest: Das iPhone 5c hat an Dynamik verloren. Der Direktvertrieb kann die gewünschten Umsatzziele mit der derzeitigen Preisgestaltung nicht erreichen. Nur über den indirekten Vertrieb (Fachhandel, Retail, Mobilfunkprovider) ist es noch möglich, die Absatzkurve zu stabilisieren oder zu steigern.

Wie passt in diese Situation die Vorstellung eines neuen Modells mit 8GB, dessen Preisvorteil (50 Euro bei 50 Prozent weniger Kapazität) mehr als lachhaft ist?

iPhone 5c 8GB: Das Modell für die „Dummen“

Folgende Überlegung dürfte zutreffen: Das iPhone 5c mit 8 GB ist kein klassisches Retail-Produkt. Zwar findet es sich formal im Produktkatalog und somit auch im Apple Store, die eigentlichen Kunden sind jedoch die Mobilfunkprovider. Die erhalten ein leicht günstigeres Modell für die intransparente Vermarktung ihrer Mobilfunktarife. Ohne Vertrag dürfte das Modell größtenteils nicht über die Ladentheke gehen. Mit Vertrag lässt sich der eigentliche Preis dagegen verschleiern – selbst marginale Differenzen bei den Vertragskosten könnten scheinbar entscheidend sein.

Kurzum: Das iPhone 5c mit 8 GB ist das Modell für den „dummen“ Kunden, der spontan, unüberlegt und ohne zu Vergleichen zugreift. Aus diesem Grunde dürfte das neue Modell auf absehbare Zeit auch nicht proportional günstiger sein, als die derzeitigen Varianten. Kein Händler will sich dieses Ei ins „Lager-Nest“ legen. Zusammengefasst: Die weiteren Erfolgsaussichten des iPhone 5c sind gegenwärtig eher als schlecht zu beurteilen. Apple greift zu einem klassischen „Vertriebstrick“. Bisher war dies in der Art und Weise für die Vermarktung eines neuen Modells nicht notwendig.

iPad 4: Gute Erfolgsaussichten für den „Zombie“

Gänzlich anders die Situation beim iPad der vierten Generation. Das von den Toten auferstandene Tablet ersetzt das bisherige iPad 2. Preislich befindet es sich mit 379 Euro in etwa auf dem Niveau des iPad mini mit Retina Display (389 Euro). Zwar mag der kleine Bruder technisch die bessere Wahl sein, jedoch gibt es nicht wenige Kunden denen ein größerer Bildschirm wichtiger ist, als der schnellste Prozessor. Diese Käufer erhalten nun obendrein ein Retina-Display – ein guter Deal. Die gegenwärtigen Absatzzahlen des iPad 2 sollten demnach mit Leichtigkeit zu erreichen sein, werden höchstwahrscheinlich noch gesteigert. Inwiefern das iPad 4 den Absatz des iPad Air kannibalisiert muss sich erst noch zeigen. Positiver Nebeneffekt: Nunmehr besitzen alle iPads den Lightning-Anschluss.

Bildquelle (Titel): Apple und Strategy concept… von shutterstock

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