iPhone als „Stahlhelm“: Die USA haben einen neuen Helden (Kommentar)

Sven Kaulfuss 11

Dieser Tage ereilt uns eine Nachricht, die uns bekannt vorkommt – Soldat im Kampfeinsatz, wird angegriffen, Kugel prallt vom iPhone ab, Soldat überlebt. Schon wieder gibt es einen derartigen Glückpilz und die US-Medien feiern einen Helden – Dekadenz obsiegt.

Ein Apple-Gadget als Lebensretter? Wirklich neu klingt diese Geschichte nicht in unseren Ohren. 2007 fing angeblich ein iPod eine Kugel im fernen Irak ab, 2011 ereilte dieses Schicksal einen griechischen Polizisten mit seinem iPhone und im Mai 2012 diente das Apple-Smartphone dem US-Soldat Joel Stubleski als erweiterte Schussweste.

iPhone als Kugelfänger: Neuer Fall aus Afghanistan

Auch Staff Sergeant Shaun Frank dient wie Stubleski in Afghanistan. Bei einem Bombenanschlag durch einen Selbstmordattentäter wird er verletzt, jedoch wie durch ein Wunder überlebt er die Attacke. Zu verdanken hat er dies unter Umständen seinem iPhone. Beim Angriff trug er es in seiner Hosentasche. Sichtbar hielt dieses eines der Geschosse auf. Gut denkbar: Ohne iPhone hätte das Schrapnell vielleicht die im Oberschenkel sitzende Arteria femoralis verletzt – Frank hätte so leicht verbluten können. Hier könnte die Geschichte ein glückliches Ende finden, allerdings lieben die US-Medien ihre Helden und es wird leicht bizarr.

Bizarre Vorführung im US-TV: Apple lehnt zunächst Kommentar ab

Der Sender KSL aus Utha berichtet über den Vorfall. Darin erfahren wir: Staff Sergeant Shaun Frank wendet sich an Apple. Der Hersteller bietet ihm als Austausch ein Neugerät an – mehr als fair. Allerdings möchte Apple das „Altgerät“ einbehalten – ein normaler Vorgang. Der US-Soldat lehnt das Angebot ab. Das beschädigte iPhone möchte er lieber als Talisman gerne behalten – auch dies verständlich. Grotesk wird es nun durch den entsprechenden TV-Bericht von KSL. Die Moderatorin mahnt darin an, Frank befindet sich seit Monaten erneut in Afghanistan – ohne Mobiltelefon. Seine Familie tue allerdings alles erdenklich Mögliche, um ihm ein neues Gerät zu verschaffen. Schnitt auf seine flehende Schwester: „Er braucht ein neues iPhone. Apple, bitte geben Sie ihm ein neues iPhone… Ich bin so stolz auf ihn. Er ist mein Held.“ Doch der „gnadenlose“ Hersteller rührt sich nicht, Apple lehnt bisher jeden Kommentar ab.

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Bettelgesuch an TV-Zuschauer: Wir rechnen nach…

Mir kommen die Tränen. Der tapfere Soldat verteidigt unsere Freiheit am Hindukusch und die bösen Kapitalisten von Apple verweigern ihm seinen sehnlichsten Wunsch – wie unfair. Verdient ein Staff Sergeant tatsächlich so wenig, dass Familienmitglieder für ihn im Fernsehen betteln müssen? Nicht wirklich. Das Einstiegsjahresgehalt eines Militärangehörigen in seinem Rang beträgt 28.569,60 US Dollar, mit entsprechender Erfahrung steigt dieses auf über 35.000 Dollar. Darin nicht enthalten sind jedoch weitere Vergünstigungen – Krankenversicherung, Pensionseinzahlungen, Kinderfürsorge, kostenfreies Essen, Unterkunft, Weiterbildungen und zusätzliche Barzahlungen. Diese kommen noch obendrauf und machen fast 60 Prozent des Gesamteinkommens aus. Ein neues iPhone könnte sich Staff Sergeant Shaun Frank also problemlos leisten.

Zudem verhielt sich Apple mehr als kulant. Immerhin dürfte der Beschuss eines iPhones nicht von der Herstellergarantie gedeckt sein, dennoch bot man ihm einen Austausch an.

Am Ende: Selbst Apple gibt nach…

Stattdessen vollführen die US-Medien ein abstruses Trauerspiel und rufen indirekt zu einer wohltätigen Spende auf. Erfolgreich: Nach dem TV-Bericht wurde eine solche Aktion ins Leben gerufen und mehrere hundert Dollar wurden für ein neues iPhone gesammelt. Am Ende gab sich sogar Apple geschlagen und spendierte ein neues iPhone. Mit Verlaub: Echte Luxusprobleme und eine bedauernswerte Scharade.

Heute das iPhone, gestern die Tabakdose: Die Geschichte vom „Alten Fritz“

Und doch zeigen wir uns fasziniert von derartigen Geschichten – nicht erst seitdem das iPhone als Zielscheibe dient. Wir schreiben den 12. August 1759. Preußenkönig Friedrich II kämpft in der Schlacht bei Kunersdorf gegen die Russen und Habsburger. Der „Alte Fritz“ wird angeschossen und entgeht nur knapp seinem tödlichen Schicksal. Die feindliche Kugel verfängt sich in der Tabakdose des Heerführers und rettet ihm das Leben. Heutzutage können wir das geschichtsträchtige Utensil in der Waffen- und Schatzkammer der Burg Hohenzollern bewundern. Ob wir einen derartigen Kugelfänger in Form eines iPhones demnächst auch im Museum erblicken werden?

Via: 9to5Mac

Bildquellen (Titel): Apple, A US military helmet… und portrait of young soldier… von shutterstock

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