iPhone 5s im Test – Touch ID

Ben Miller

Einen biometrischen Sensor zu entwickeln, der in Masse hergestellt werden kann, verlässlich funktioniert und folglich dem Nutzer Zeit spart anstatt Nerven kostet, ist offensichtlich ein Unterfangen, auf das sich Apples Konkurrenz zumindest bis jetzt nicht einlassen wollte.

Natürlich gab es Fingerabdruckscanner schon lange bevor Apple „Touch ID“ entwickelt und im Home-Button des iPhone 5s verbaut hat. Und dennoch hat man es am Infinite Loop 1 wie schon so oft geschafft, mit einer altbekannten Idee einen Schritt voraus zu sein, in dem man unkonventionelle und kompromisslose Ansätze verfolgte.

Im Gegensatz zu den meisten aktuell verfügbaren Fingerabdruckscannern, die in Laptops und Co. verbaut werden, muss man den Finger bei Touch ID nicht über den Sensor ziehen. Die Ausrichtung des Fingers auf dem Sensor spielt keine Rolle. Einfach draufhalten und in weniger als einer Sekunde ist das Gerät entsperrt.

Aktuell kann man das iPhone per Fingerabdruck entsperren und Einkäufe im iTunes bzw. App Store tätigen.Für die Zukunft ist auch vorstellbar, dass Apple noch weitere Funktionen integriert, die sich Touch ID zunutze machen, beispielsweise Bezahlen an Supermarktkassen.

Touch ID funktioniert wie man es von Apple erwartet sehr gut. Nur selten erkennt der Scanner den Fingerabdruck nicht auf Anhieb.

Nach jetzt fast sechs Jahren der iPhone-Nutzung erwische ich mich aber öfter als mir lieb ist bei der Eingabe des Passcodes. Nicht weil Touch ID meine Fingerabdrücke nicht erkennt, sondern weil sich das „Entsperr-Wischen“ nach rechts mit darauf folgendem Eintippen des Passcodes als unterbewusster Ablauf bei mir ins Gedächtnis eingebrannt hat.

Offiziell kann man fünf Fingerabdrücke hinterlegen (ein Abdruck pro verfügbarem Slot), mit denen sich das Gerät entsperren lässt und Einkäufe getätigt werden können.

Inoffiziell kann man bis zu zehn Fingerabdrücke pro Slot einspeichern. Dann muss man aber mit deutlich mehr Fehlversuchen bzw. -scans rechnen.

Das Einspeichern eines Fingerabdrucks ist ein sehr unkomplizierter Vorgang. Der gewünschte Finger wird auf dem Home-Button gelegt und aus verschiedenen Winkeln mehrmals gescannt. All diese Scans werden von Touch ID zu einem sehr präzisen Komplett-Abdruck zusammengesetzt. So wird gewährleistet, dass Touch ID den jeweiligen Fingerabdruck auch dann erkennt, wenn der Finger mal etwas versetzt oder schief auf den Scanner gelegt wird.

Es ist nicht einfach so, dass ein Foto des Fingerabdrucks gemacht und dann irgendwo im System als JPEG gespeichert wird.

Der Fingerabdruck wird in einen kryptischen Wert verrechnet, der nur auf dem bzw. für das iPhone 5s Sinn ergibt. Die Daten, die der Scanner liefert, wandern direkt und ohne Umwege in eine Enklave innerhalb des A7-Chips.

Diesen Hochsicherheitsbereich kann man sich vorstellen wie einen gesicherten Raum ohne Fenster und Türen. Nur ein kleiner Briefschlitz erlaubt die Kommunikation nach draußen.

Legt man seinen Finger nun auf den Scanner, fragt das System bei der Enklave an, ob der Abdruck bekannt ist. Das Einzige, was diesen Hochsicherheitsbereich verlässt, ist ein „Ja“ oder „Nein“.

Weder Apps noch iCloud bzw. das System haben direkten Zugriff auf den Fingerabdruck. Die auf dem Gerät hinterlegten Fingerabdruck-Daten verlassen das Gerät nicht. Sie werden nicht gesynct, nicht kopiert, und schon gar nicht in die iCloud übertragen.

Einen Fehler hat Apple jedoch gemacht. Die euphorische Präsentation von Touch ID ließ viele Konsumenten in dem Glauben, dass Touch ID das iPhone absolut sicher macht. Jedoch gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, auch nicht mit einem Fingerabdruckscanner. Was Touch ID aber schafft, ist die Sicherheit zu erhöhen, ohne die Benutzerfreundlichkeit dafür leiden zu lassen.

Touch ID versteht sich auch nicht als Ersatz für eine Code-Sperre, sondern vielmehr als Zusatz. Erkennt Touch ID den Finger nach dreimaligem Scan nicht, muss der Sperrcode eingegeben werden.

Ebenso verlangt das System nach jedem Neustart zunächst den Sperrcode, auch wenn das iPhone längere Zeit nicht entsperrt wurde.

Apple setzt hier auf eine abgeschwächte Form der 2-Faktor-Authentifizierung.

Es wäre wünschenswert, wenn Apple richtige zweistufige Authentifizierung optional ermöglicht, sodass man, wenn gewünscht, immer Code plus Fingerabdruck zum Entsperren des Gerätes eingeben muss.

Wie auch 64-Bit, so wird Touch ID zur Grundausstattung für kommende iOS-Geräte.

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