Vieles, das Apple die letzten Jahre entwickelt und stetig verbessert hat, machte ein iPhone 6 Plus erst möglich. Bessere Akkus, leistungsstärkere Prozessoren, die weniger Strom verbrauen, neue Herstellungsverfahren und Bauweisen, die leichte aber dennoch stabile Gehäuse ermöglichen.

Schritt für Schritt

Apples-Chefdesigner Jony Ive meinte kürzlich in einem Interview, das Apple schon vor Jahren an einem größeren iPhone werkelte, die damalige Technik aber nicht reif für so ein Gerät war. Aber auch die Zeit musste reif sein.

Den Verkaufszahlen nach zu urteilen (iPhone 6 und iPhone 6 Plus sind einem Monat nach Verkaufsstart immer noch überall ausverkauft) war es jetzt der richtige Zeitpunkt.

Seit ich das iPhone 6 Plus nutze, ertappe ich mich immer öfters dabei, wie ich es unterwegs nicht mal kurz aus der Hosentasche holen will, nur um schnell die aktuelle Uhrzeit oder eine gerade eingegangene Benachrichtigung abzulesen. So auch jüngst in der U-Bahn als es mir plötzlich dämmerte. Apple hat mit dem iPhone 6 Plus unterbewusst mein Interesse und eine gewisse Akzeptanz für eine Smartwatch geweckt, die kleinere, unwichtigere Aufgaben des iPhones übernehmen kann.

Diese gerissenen Produktstrategen bei Apple haben mich doch tatsächlich ausgespielt. Wie können die es wagen! Diese Runde haben sie aber verdient gewonnen. Das iPhone 6 Plus ist in fast allen Belangen so viel besser als ein „kleines“ 4-Zoll-iPhone.

Ich trage schon lange keine Armbanduhr mehr. Nur noch zu besonderen Anlässen. Ich bin kein Fan davon mir täglich ein Ding um das Handgelenk zu schnallen, das nur eines kann: die Zeit anzeigen. Ich besitze zwar auch eine Pebble Smart Watch in der Kickstarter-Edition, aber selbst nach ein paar Tagen in Verwendung erschien sie mir unnötig – bis jetzt.

Spinnt man diesen Gedanken ein wenig weiter, erscheint es aber doch ziemlich sinnfrei einen hoch komplexen Hosentaschen-Supercomputer, der Tausende (wenn nicht mehr) Apollo-Mondlandungen gleichzeitig berechnen könnte, mehrmals täglich für 1 Sekunde aus dem Dämmerschlaf aufzuwecken, nur weil man die Uhrzeit auf seinem hochauflösenden 5,5-Zoll-Full-HD-Display ablesen oder überprüfen will, welche Benachrichtigungen man gerade erhalten hat.

Das iPhone 6 ist ein großartiges Smartphone, aber eben auch groß. Für die Uhrzeit und etwaige 50-Zeichen-Benachrichtigungen braucht man keinen Dual-Core-Prozessor, kein Gigabyte Arbeitsspeicher und erst recht kein 5,5-Zoll-Display.

Aber mehr zur Apple Watch in kommenden Artikeln.

Wertung

10/10
“Aus dem Mund eines Apple-Bloggers mag das Lob jetzt vielleicht nicht unbedingt glaubwürdig klingen. Ich bin Apple aber durchaus kritisch eingestellt. Ich habe mich auf Apples Ökosystem eingelassen, privat und beruflich. Wenn Apple Fehler unterlaufen, bin ich als Nutzer von iPhone, iPad, Mac, Apple TV, iCloud, iTunes, App Store, AirPort usw. zwangsweise davon betroffen. Dementsprechend halte mit meiner Kritik nicht hinterm Berg (siehe Teil 4 meines Tests).”