Das iPhone 6 in den Fängen der Smartphone-Mafia (Videos)

Ben Miller 9

Der Schwarzmarkt hat die Warteschlangen vor den Apple Stores übernommen. Über 10 Millionen iPhone 6 und iPhone 6 Plus wurden in den ersten drei Tagen verkauft. Ein großer Teil dieser iPhones wandert über dunkle Kanäle nach China und Russland.

Das iPhone 6 in den Fängen der Smartphone-Mafia (Videos)

In Russland gehen die neuen iPhones erst Ende September in den Verkauf. In China musste Apple erst kürzlich den Verkaufsstart des iPhone 6 und iPhone 6 Plus auf unbestimmte Zeit verschieben. In diesen Ländern ist die Nachfrage nach den neuen iPhones enorm. Das Angebot jedoch ist gering bzw. nicht existent. So lange wollen betuchte Russen und Chinesen natürlich nicht warten. Dieser Zustand ruft wenig überraschend Schwarzhändler auf den Plan, die die Nachfrage bedienen wollen.

Nun gibt Apple in seinen Retail Stores zumindest in den ersten Verkaufsstagen maximal zwei iPhones pro Kunde ab. Für den Schwarzhändler selbst rentiert es sich nicht, wenn er sich für nur zwei Stück anstellt. Also werden Personen, Strohmänner und -frauen, engagiert, die sich für den Schwarzhändler in die Schlangen einreihen. Das machen die Strohmänner natürlich nicht aus Spaß an der Freude. Je nach Wartezeit kann so ein Strohmann 100 US-Dollar/Euro oder mehr pro iPhone verdienen.

Am meisten verdienen natürlich die Schwarzhändler, erst recht, wenn sie als eine der Ersten die neuen iPhones anbieten können. Nur dann können sie die Preise bestimmen. Je mehr Strohmänner ein Schwarzhändler für den iPhone-Verkaufsstart anstehen lässt, desto größer ist sein Gewinn. Online-Bestellungen rentieren sich für Schwarzhändler nicht. Apple nennt noch keine genauen Lieferzeiten. Bis diese Geräte eintreffen, sind die Schwarzmarktpreise bereits zu weit gesunken.

Auf dem Schwarzmarkt kostet ein iPhone 6 derzeit um die 1900,- US-Dollar, ein iPhone 6 Plus ist mit rund 3250,- US-Dollar schon deutlich teurer. Die beliebtesten Farben sind, wie zu erwarten, Gold und Spacegrau, für die man auch gerne 500,- US-Dollar Aufschlag verlangt.

Die Hintermänner sammeln die von ihren Strohmännern gekauften iPhones nicht selten direkt von den Apple Stores ein und wandern dann mit Taschen voller iPhones zu weiteren Sammelstellen. Es wird sich auch schon mal mehrfach angestellt.

Der New Yorker Filmemacher Casey Neistat zeigt in seinem neusten Video, wie systematisch die chinesische iPhone-Mafia die New Yorker Apple Stores leerkauft.

Interessanterweise werden auch in China selbst iPhones geschmuggelt. In Hong Kong ist der offizielle Verkauf bereits angelaufen, im restlichen China wie gesagt noch nicht. Schwarzhändler stört das aber nicht. Man klebt sich die iPhones einfach an die Knöchel oder versteckt sie in Lebensmitteln, wandert damit über die Grenze und verkauft die guten Stücke dann für das Vierfache weiter.

In Palo Alto Apple Store läutete Apple-CEO Tim Cook höchstpersönlich den Verkaufsstart des iPhone 6 und iPhone 6 Plus ein. Ob alle in der Warteschlange wusste, mit wem sie da gerade Fotos machen?

Auch in Deutschland ist die iPhone-Mafia zugange. Statt Chinesen stehen hier aber primär Russen an. Auf kleinen Zettelchen haben sie notiert, welche Modelle und welche Farben sie kaufen (sollen). Enthusiastische Apple-Fans sind in der Unterzahl. Gejubelt wie früher wird schon lange nicht mehr. Wie Kollege Sven in seinem Artikel bereits anmerkte, ist der „Apple-Spirit“ verflogen.

Nun könnte man meinen, dass Apple diese Veränderung nicht weiter stört. Verkauft ist schließlich verkauft. Persönlich glaube ich aber, dass sich Apple durchaus an diesem Schwarzhandel stört, nicht nur weil die Apple-Fans verdrängt werden. Schließlich werden die neuen Produkte nicht umsonst als Luftfracht um die halbe Welt geflogen.

Große Länder wie China und Russland haben eigene Produktionskapazitäten zugeordnet bekommen. Wenn jetzt beispielsweise iPhones über dunkle Kanäle von Europa nach Russland verschoben werden, kann es sein, dass dann die Nachfrage beim offiziellen Verkaufsstart in Russland nicht mehr so groß ist wie kalkuliert und man einen Überschuss in den Lagern liegen hat. In Europa hat man dann zu wenige iPhones und in Russland zu viele. Dann muss die Ware umverteilt und erneut verschickt werden. Das alles kostet.

Helge Bruhn, der in der Berliner iPhone-Schlange ganz vorne stand, hat seine Tage vor dem Apple Store in einem Videotagebuch festgehalten.

Der Youtube-Channel Berlin Q&A hat es sogar geschafft, zumindest einem der Anwesenden den wahren Grund für sein Warten zu entlocken.

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