Wozu noch sperrige TV-Kameras? Ein Schweizer Lokalsender schickt seine Reporter nur noch mit dem iPhone 6 auf die Straße – und will so Kosten sparen, ohne dass die Qualität leidet.

 

iPhone 6

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iPhone 6

Ein Reporter steht auf der Straße, in der rechten Hand ein mächtiges Mikrofon, er blickt nach vorn und spricht. Doch wo ist sein Kamerateam? Wo ist überhaupt die Kamera? Schaut man genauer hin, merkt man, was hier gerade passiert: die Geburt des Selfie-TV-Journalismus. In der linken Hand hält der Reporter nämlich einen Selfie-Stick, an dessen Ende ein iPhone 6 via iSight-Kamera den Beitrag aufzeichnet.

Rund um Genf ist das keine Science-Fiction mehr, seit dem Sommer testet der Schweizer Lokalsender Léman Bleu den iPhone-only-Betrieb, die alten TV-Kameras bleiben vorerst eingemottet. „Das ist eine Chance, Fernsehen auf ganz andere Art zu machen“, so Laurent Keller, Direktor des französischsprachigen Senders gegenüber der Tageszeitung Le Temps. Man wolle weg von der Bunker-Logik der bisherigen Nachrichensendung, ran an die Ereignisse vor Ort: „Mit diesem kleinen Werkzeug können unsere Journalisten live berichten, Beiträge für das Web aufzeichen und auch die sozialen Netzwerke erreichen“. So wurde etwa eine Pressekonferenz der Genfer Börse von den iPhone-Reportern live via Periscope gestreamt.

Das vom helvetischen Mobilfunkbetreiber Swisscom technisch unterstützte Experiment sei aber schlicht auch „ein Weg, um die Kosten des Sendebetriebs zu reduzieren“, so Keller. Die Investitionen bewegten sich im Bereich einiger tausend Schweizer Franken, für einen TV-Sender mit einem Mini-Etat von 4 Millionen Franken sei das ein wichtiges Argument. Die Qualität soll darunter nicht leiden: „Es ist ein Vorurteil, dass das iPhone schlechtere Qualität liefert als eine Standard-Kamera“, so der Senderchef. „Es ist ein anders Bild, aber mit einer sehr interessanten Körnung, so dass wir ganz einfach anders filmen können als bisher“.

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