Touchscreen-Defekte des iPhone 6: Apple ist sich des Problems bewusst

Florian Matthey 6

Einige Benutzer des iPhone 6 haben mit einem Konstruktionsproblem zu kämpfen, das mit der Zeit den Touchscreen unbrauchbar macht. Apple-Store-„Geniuses“ kennen das Problem, Apple will aber offiziell keinen Fehler einräumen.

Die „Touch-Krankheit“ des iPhone 6 betrifft vor allem das iPhone 6 Plus. Die „Krankheit“ äußert sich meist zunächst durch graue Streifen auf dem Display des Gerätes, mit der Zeit hört dann der Touchscreen auf zu funktionieren, so dass das iPhone unbrauchbar wird.

Der Defekt liegt allerdings nicht im Display oder Touchscreen selbst: Stattdessen kann es vorkommen, dass sich der Touch-Controller-Chip vom Logic Board des iPhone löst. Das hat zur Folge, dass nur ein kostspieliger Austausch des Boards – beziehungsweise meist: des ganzen iPhone – Abhilfe schaffen kann. Die Ursache für das Ablösen ist wiederum das „Bendgate“-Problem des iPhone 6: Das Gehäuse lässt sich einfacher verbiegen, als dies bei früheren iPhones und den Nachfolge-Modellen iPhone 6s und iPhone 7 der Fall ist.

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iPhone 6 und Lumia 930 im Kamera-Vergleich [Galerie]

Zwar verbiegen die Geräte beim normalen Gebrauch nicht so stark, wie es bei Extrembelastung in YouTube-Videos der Fall ist, die nach der Veröffentlichung des iPhone 6 die Runde machten. Allerdings reichen die kleineren Verbiegungen doch aus, um über Monate oder Jahre die Lösung des Chips vom Logic Board zu verursachen. Apple hat den Chip im iPhone 6s auch anders positioniert, so dass der Fehler mit den neueren Geräten nicht auftauchen dürfte. Da die Verbiegungen vor allem durch den Transport des Gerätes in der Hosentasche auftreten, ist das iPhone 6 Plus offenbar häufiger betroffen als das kleinere Modell.

Motherboard berichtet nun unter Berufung auf zwei „Genius“-Spezialisten aus Apple Stores, dass Apple sich des Problems bewusst ist: Die Spezialisten berichten, dass sie bei der Fehler-Diagnose Symptome in ein Terminal eingeben müssen, das ihnen zunächst auch beim iPhone 6 vorschlug, das Display des Gerätes auszutauschen. Mit der Zeit habe sich dies aber bei den beschriebenen Symptomen ausschließlich beim iPhone 6 und iPhone 6 Plus geändert: Das System habe dann sämtliche Reparatur-Anmeldungen blockiert und sofort den Austausch des Gerätes angeordnet.

In den USA kostet ein solcher Komplett-Austausch eines defekten iPhone 6 Plus, das sich nicht mehr im Garantiezeitraum befindet, 329 US-Dollar. Die Kunden, die sich keines Fehlverhaltens bewusst sind, seien dementsprechend verärgert. Apple habe den Umgang mit diesem Ärger aber komplett den Genius-Mitarbeitern im Store überlassen. Store-Manager hätten sich zwar in Einzelfällen – vor allem dann, wenn die Garantie erst vor kurzem abgelaufen war – für einen kostenlosen Austausch entschieden; hier gibt es von Apple aber die Anweisung, diese nicht zu häufig vorzunehmen.

Da es sich offenbar um einen Konstruktionsfehler und nicht um normale Alterserscheinungen eines Smartphone handelt, gibt es gute Argumente dafür, dass Apple den Austausch dennoch kostenlos vornehmen oder betroffenen Kunden die Gebühr erstatten sollte. Dementsprechend ist in den USA bereits eine Sammelklage gegen Apple anhängig. Wie sich der Fall weiter entwickelt, bleibt abzuwarten.

iPhone 7 Plus im Kameravergleich mit iPhone 7 und 6s.

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