Werbeblockade via App: Wie iOS 9 das mobile Web verändert

Ansgar Warner 30

Zu den Features von iOS 9 gehört die Option, Werbe- und Tracking-Blocker zu installieren – mit diesen Apps soll die Nutzung von Safari optimiert werden. Für die Endanwender klingt das vielversprechend, für die Werbewirtschaft bedrohlich.

„Wer nicht wirbt, der stirbt“ – das gilt nicht nur offline, sondern erst recht im Web. Ein Großteil des kostenlos angebotenen Contents ist werbefinanziert, ohne Affiliate-Links, Banner & Co. bliebe so manche Seite leer. Apple könnte dem werbefinanzierten Web aber bald den Todesstoß versetzen: mit iOS 9 haben Nutzer erstmals die Möglichkeit, spezielle Apps zum „Content Blocking“ zu installieren – vergleichbar mit Werbeblockern auf dem Desktop.

Sind die entsprechenden Skripte mit Hilfe von Apps wie „Crystal“ oder „Disconnect“ (Tracking-Blocker) deaktivert, ist im Safari-Browser auf dem iPhone Schluss mit Pop-Up-Werbung, Autoplay Videos oder automatische Umleitungen zum App Store. Das bringt auch Vorteile bei der Akulaufzeit und beim verbrauchten Datenvolumen.

Doch wird die Performance merklich besser? Owen Williams von The Next Web hat mit „Crystal“ einen solchen Content Blocker getestet, und über seine Erfahrungen berichtet: „Ich war von den Ergebnissen sehr beeindruckt und geradezu verblüfft, wie groß bei einer Mobilfunk-Verbindung die Auswirkungen sind, wenn man Tracker, Banner und andere Skripte abschaltet“.

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Die Crystal-Entwickler selbst versprechen, dass eine Seite im Durchschnitt vier mal schneller lädt, und das Datenvolumen sich beim mobilen Surfen fast halbiert. Williams kann das nur bestätigen, bei einigen Seiten wie Macworld, PC Gamer oder The Verge mit Ladezeiten von bis zu 15 Sekunden war der Effekt offenbar sogar deutlich größer, bei ohnehin recht flink ladenden Seiten wie der New York Times oder Wired dagegen kleiner.

Das Ende für werbefinanzierten Content wird das neue iOS-Feature aber bestimmt nicht bedeuten: denn über Apples neue News-App kommt die Reklame doch wieder herein, in diesem Fall ohne Blockadmöglichkeit, dafür aber ausgeliefert über Apples eigenes Werbenetzwerk iAd. Gleiches gilt für native Apps anderer Anbieter.

Zumindest zur Verbesserung der Surf-Erfahrung auf dem iPhone findet Williams Apples neue Strategie aber berechtigt: „Jahrelang haben Seitenbetreiber Skript auf Skript angehäuft, ohne sich um die mobile Nutzererfahrung zu kümmern. Die Werbeblocker geben ihnen einen Grund, sich wieder mal um die Performance ihrer Seiten zu kümmern“.

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