iPhone 6 & Co.: Für Apple eher peinlich (Kommentar)

Kamal Nicholas 122

Viele Menschen haben der Präsentation des neuen iPhone 6 entgegen gefiebert und freuen sich über das Ergebnis. Ich persönlich finde die ganze Sache aber eher etwas peinlich.

Nein, ich will keinen Rant über Apple oder iPhones schreiben und es liegt auch nicht in meinem Interesse, iPhone-Fans das neue Gerät madig zu machen. Smartphones und die dazugehörigen Betriebssystem sind wie so ziemlich alles auf der Welt reine Geschmackssache und deshalb soll sich jeder das Gerät besorgen, das er gut findet. Was ich hier aber tun möchte ist zu erklären, warum ich das neue iPhone und auch die Apple Watch eher peinlich für das Unternehmen finde und warum ich selbst tatsächlich etwas enttäuscht bin.

Apple: Wo ist der einstmalige Visionär?

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iPhone 6 und Lumia 930 im Kamera-Vergleich [Galerie]

Man kann von Steve Jobs halten was man will (Genie, Wahnsinniger, beides), er war vor allem auch eins: Ein Visionär. Ohne das iPhone wären wir heute wahrscheinlich nicht da, wo wir jetzt sind. Klar, es gab auch andere intelligente Mobilfunkgeräte, bevor das iPhone erschien. Doch erst mit dem ersten iPhone schaffte es das Smartphone an sich, so richtig populär zu werden und sogar für eine emotionale Bindung bei der Kundschaft zu sorgen.

Dann starb Steve Jobs und mit ihm ganz offenbar auch das Visionäre. Klar, Apple macht weiterhin gute Produkte und ja, das Unternehmen weiß auch weiterhin, wie man präsentiert, vermarktet und verkauft. Alles in allem wirkt die Sache für mich aber nicht mehr überzeugend. Wo ist das Neue, das Aufregende, das Andere? In den neuen iGeräten jedenfalls nicht.

Ich möchte hier aber nicht auf die Präsentation an sich eingehen (die ich nur am Rande verfolgt habe), es geht mir viel mehr um die Produkte, die Apple vorgestellt hat und die nicht mehr als ein müdes Lächeln bei mir hervorgerufen haben.

Größer ist nicht immer besser

Mit seinem neuen Line-Up hat Apple in meinen Augen einiges falsch gemacht und kannibalisiert sich dadurch selbst. Wie hieß es noch beim iPhone 5, das mit einem 4 Zoll großen Display ausgestattet war? Das Verhältnis von Daumen zum Display bei diesem Gerät ist „entweder a:) ein erstaunlicher Zufall oder b:) gesunder Menschenverstand“.

iPhone 5 TV-Werbung \"Hand\".

Also was ist passiert: Ist entweder a:) die durchschnittliche Größe einer menschlichen Hand innerhalb eines Jahres deutlich gewachsen oder hat b:) Apple den Verstand verloren? Aus Nutzersicht habe ich von Apple-Nutzern aus meinem Freundeskreis immer wieder gehört, dass das iPhone 5, 5s oder 5c von der Größe her perfekt sei (interessanterweise war die Größe des iPhone 4/4s auch schon perfekt). Also können doch sowohl das iPhone 6 als auch das 6 Plus nicht perfekt sein.

Apple: Der Anführer, der zum Mitläufer wird

Warum also macht Apple das? Vielleicht lautet eine Antwort ja, weil es alle anderen machen. Samsung hat es im Jahr 2011 mit dem Galaxy Note als einer der ersten (der erste?) getan und ein Smartphone mit einem Display jenseits der 5 Zoll-Grenze (5,3“) herausgebracht. Die Resonanz zumindest hierzulande entsprach eher einem überheblichem Grinsen. Nicht selten gab es (nicht zuletzt auch seitens Apple-Nutzern) die Aussage zu hören, dass doch kein Mensch ein so großes Display bräuchte. Tja, und drei Jahre später machen alle anderen Hersteller, und nun auch Apple, das Gleiche. Und ich bin mehr als gespannt, was die gleiche Generation von iPhone-Nutzern (denn diese Leute sind ja auch nur 3 Jahre älter) davon hält.

Doch nicht nur die Größe des Displays ist in meinen Augen irgendwie peinlich (wohlgemerkt für Apple, denn ich persönlich mag große Displays ja sehr gerne). Auch sonst hat das Gerät kaum Neues zu bieten. Es ist ja in Ordnung, ich habe auch nicht viel erwartet (ich bin der Meinung, dass der Smartphone-Markt momentan so ziemlich gesättigt und vorerst ausgereizt ist), aber dann muss man sich auch nicht als sonst wer hinstellen und sich mit Geräten brüsten, die eigentlich nicht mehr mehr können als ihre Vorgänger, außer eben größer zu sein.

iPhone-6-rear

Ok, da ist ein etwas schnellerer Prozessor, es gibt sogar einen eingebauten Barometer. Die Kamera ist etwas besser und hat wieder einen „True Tone Blitz“. Hier ist dann das iPhone 6 Plus sogar noch interessanter, denn dort kommt ein optischer Bildstabilisator zum Einsatz. Und auch sonst sind die Spezifikationen ein wenig aufgemotzt. Und wow: Das iPhone kann jetzt sogar NFC. Aber das war es dann auch schon. Kein vermutetes Saphirglas, keine anderen Überraschungen.

Insgesamt liest sich das Datenblatt wie ein etwas älteres Android-Telefon. Ich weiß, Daten sind nicht alles und bei Apple macht vor allem die hervorragende Abstimmung von Betriebssystem und Hardware die sehr positive Nutzererfahrung aus. Doch das iPhone 6 und das 6 Plus sind im Gegensatz zu dem Großteil seiner Vorgänger einfach so überhaupt nicht aufregend. Und das ist schade, gleichzeitig aber auch sehr interessant: denn es verdeutlicht, wie der Markt sich verändert.

Das Gleiche gilt übrigens für die Apple Watch, die nicht nur der ASUS ZenWatch ähnlich sieht, sondern die wie auch fast alle anderen bisherigen Smartwatches keinen wirklichen Mehrwert gegenüber einem Smartphone bringt. Stattdessen zeigt diese sich als ebenfalls eher rechteckige Uhr, die das Smartphone nur um die gleichen Funktionen am Handgelenk erweitert.

zenwatch-apple-watch

Das alles wäre nicht so schlimm, wäre da nicht der wahnwitzige Preis für die Geräte. Das iPhone 6 war schon immer teuer, 699 Euro sind quasi noch im Rahmen (im Vergleich zu anderen Highend-Smartphones, was das iPhone 6 aber den Spezifikationen nach eigentlich gar nicht ist). Aber Apple scheint im Kopf nicht mehr ganz sauber zu sein, wenn für die 128 GB-Version des iPhone 6 Plus 999 Euro verlangt werden. Das macht mich fast sprachlos…

Meine Meinung:

Die visionären Jahre von Apple sind vorbei. Das soll nicht heißen, dass das sich in Zukunft nicht auch wieder ändern kann, zu den Vorläufern gehört das Unternehmen aus Cupertino aktuell aber in meinen Augen ganz und gar nicht mehr. Zu sehr erinnern alle vorgestellten Geräte an Produkte anderer Hersteller, die es nicht nur wesentlich günstiger, sondern auch schon seit einer Weile gibt. Versteht mich nicht falsch, das iPhone 6 ist alles andere als ein schlechtes Smartphone und ein echtes Bild der Geräte kann und werde ich mir erst dann machen, wenn ich sie selbst in der Hand hatte. Alles in allem bin ich aber nicht beeindruckt. Und da hätte ich von Apple einfach mehr erwartet.

Wer weiß, vielleicht tue ich dem Ganzen aber auch total unrecht und das iPhone 6 ist der absolute Hit. Vor allem auf die Kamera in der Praxis bin ich gespannt. Und sollte ich meine Meinung dann ändern, werde ich das natürlich auch mit euch teilen.

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