iPhone 6: Verkaufsstart mit Polizeischutz – ist das noch normal? (Kommentar)

Sven Kaulfuss

Ein befremdliches Video, was ich auf YouTube erblicke. Mit voller Montur – Pistole und Schlagstock inkl. – schützen Polizisten den Eingang der Dresdner Altmarktgalerie. Nicht vor randalierenden Hooligans, sondern vor einer wartenden Meute von iPhone-6-Käufern.

Videoquelle: Wochenkurier (YouTube)

Vorab: Es bleibt friedlich, auch als ein Apple-Store-Mitarbeiter kurz vor neun Uhr verkündet, dass alle Bestände des iPhone 6 aufgebraucht sind. Gehen sie bitte weiter, hier gibt es nichts mehr zu sehen. Wie auch in anderen Städten, sammelten sich auch in Dresden unüberschaubare Menschenmassen vor dem Einkaufszentrum. Nicht erst in den letzten Stunden, schon Tage zuvor campierten einige Kaufwillige. Aus meiner alten Heimat Sachsen kommen diese aber nicht allesamt.

Wiederverkäufer bestimmen das Bild

In Elbflorenz trifft sich die Welt zum iPhone-Kauf. Sie kommen aus Tschechien, Polen, Österreich, Russland, Weißrussland, der Slowakei und der Ukraine. Ein Belgier übernimmt die Organisation der Wartenden, schon 2012 und 2013 war Letse Akhmedovitch Edilov in Dresden, um sich sein neues iPhone zu holen. In seiner Heimat startet der Verkauf hingegen erst nächste Woche. Für den Eigenbedarf schlagen jedoch nicht alle Anwesenden zu. So auch Dusan Dadko. Der Slowake lebt in Wien und wurde zusammen mit weiteren Kollegen von seinem Chef beauftragt iPhones zu kaufen. Diese werden dann in Österreich – natürlich – zu weit höheren Preisen weiterveräußert. Er ist nicht allein, den Plan haben noch andere in diesen Stunden. Eine Szenario, dass sich heute auch vor anderen Apple-Stores so abspielte.

Apple ist sich des Problems bewusst, schon seit Jahren erhält man deswegen maximal nur zwei Stück der begehrten iPhones pro Käufer. Abhalten tut dies niemanden. Die Wiederverkäufer und Glücksritter „überfallen“ noch immer jedes Jahr die Apple Stores auf der Hatz nach dem neuen iPhone und vor allem dem schnellen Geld.

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Ursache des Wahnsinns: Der geldscheißende eBay-Käufer

Es sei ihnen gegönnt. Jedoch lässt mich dieses Video nicht los. Da stehen doch tatsächlich – vom Steuergeld bezahlte – Polizisten und sichern den Bereich weiträumig ab. Es ist nicht diese Tatsache die mich aufregt, vielmehr die Umstände der Notwendigkeit für deren Einsatz. Ist dies noch der alte „Apple-Spirit“? Schon lange nicht mehr. Wer jetzt noch nicht begriffen hat: Apple ist im Massenmarkt angekommen, ein Modeunternehmen mit noch immer sehr hohem Sexy-Faktor. Dies lockt auch Geschäftemacher an, denen der ursprüngliche Geist der Firma unbekannt und gleichgültig ist. Die eigentliche Ursache ist jedoch beim „Endkäufer“ zu finden. Jene „Knallköpfe“ denen Geld nichts bedeutet und denen es demnach auch nichts ausmacht für ein iPhone 6 den doppelten Preis zu zahlen, nur um es als Erster zu haben.

Man solle mich bitte nicht falsch verstehen. Seit 20 Jahren nutze ich Apple-Produkte, noch bevor Steve Jobs und der Erfolg zurückkam hielt ich das Banner mit dem angebissenen Apfel hoch. Auch nutze ich heute noch immer voller Leidenschaft die Produkte aus Cupertino. Indes: Mit einem Wahnsinn solchen Ausmaßes möchte ich nichts mehr zu tun haben. Natürlich freut mich der anhaltende Erfolg Apples, indirekt verdanke ich den Jungs sogar seit Jahren meine Jobs in der Branche. Doch festzuhalten gilt: Der ursprünglichen Apple-Nutzer hat seinen Führungsanspruch an verschwenderische Blender abgegeben.

Wir lernen: Ein modischer Massenmarkt erhöht leider auch die Anzahl der Idioten unter den Vernünftigen – egal wo, Mensch bleibt Mensch. Nur finden wir diese nicht vor den Apple Stores, sondern wie sie vor ihrem eBay-Account ein iPhone 6 mit „Deppenaufschlag“ kaufen.

Zum Thema:

Quellen: Sächsische Zeitung und Wochenkurier

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