Apple will gebrauchte iPhones in Indien verkaufen – Staat könnte sich querstellen

Florian Matthey 2

Nach China möchte Apple auch im zweiten Milliarden-Land Indien wachsen. Dafür bräuchte das Unternehmen wohl günstigere iPhones – und denkt über den Verkauf gebrauchter Geräte nach. Noch gibt es aber viele bürokratische Hürden.

Apple will gebrauchte iPhones in Indien verkaufen – Staat könnte sich querstellen

Apples Indien-Strategie ist bislang nicht wirklich einheitlich: Klar ist, dass sich reiche Inder auch für das iPhone 6 und iPhone 6s interessieren. Die allermeisten Inder können aber nicht so viel Geld für ein Smartphone ausgeben, so dass Apple vor zwei Jahren das iPhone 4 in Indien wieder-einführte, um ein „billiges“ Gerät im Programm zu haben. Ende letzten Jahres senkte das Unternehmen massiv den Preis des iPhone 5s, so dass es in Indien für weniger als 300 Euro erhältlich war.

Viele Beobachter rechneten damit, dass Apple den niedrigen Preis des iPhone 5s in Indien nach der Veröffentlichung des iPhone SE beibehalten oder noch weiter senken könnte. Stattdessen nahm das Unternehmen das iPhone 5s – wie auch in allen anderen Ländern – komplett aus dem Programm. Anders als sein 4-Zoll-Vorgänger ist das iPhone SE in Indien aber alles andere als günstig – mit 39.000 Rupien (rund 520 Euro) ist die 16-Gigabyte-Variante sogar noch teurer als in Deutschland.

Apples Strategie für das Gewinnen von Marktanteilen scheint jetzt zu sein, gebrauchte „generalüberholte“ iPhones in Indien für einen günstigen Preis zu verkaufen. Allerdings ist dies Smartphone-Herstellern auf dem in weiten Teilen noch protektionistisch abgeschirmten indischen Markt für aus anderen Ländern importierte gebrauchte Geräte aktuell nicht erlaubt. Apple versucht laut Bloomberg, als erster Hersteller diese bürokratische Hürde zu überwinden. Schon im Jahr 2015 hatte Apple einen entsprechenden Antrag gestellt, den das Umweltministerium dann aber ablehnte. Dieses Jahr versucht es der iPhone-Hersteller erneut.

Dies sei allerdings alles andere als einfach: Branchen-Vertreter warten die Regierung davor, dass sich dadurch die Menge an elektronischen Abfällen in dem Land stark erhöhen würde und indische Hersteller unter einer Änderung der Regeln durch die verstärkte Apple-Konkurrenz zu leiden hätten. Vor allem aber würde ein solcher Schritt die „Make in India“-Kampagne des Premierministers Narendra Modi „zur Farce“ werden lassen: Mit dieser versucht der indische Staat, mehr Investoren dazu zu bringen, auch in Indien zu produzieren. Den indischen Markt mit in China hergestellten gebrauchten iPhones zu überschwemmen würde dazu nicht passen. Sudhir Hasija, Chef des indischen Herstellers Karbonn Mobiles, glaubt, dass aus „Make in India“ dann „Dump in India“ werden könnte.

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