Verwendet Apple gar keine Saphirkristalle beim Home-Button und der Objektivabdeckung des iPhone 7? Erste Anwendertests führten zu dieser Vermutung, Apple sah sich sogar zu einem Dementi gezwungen. Doch was steckt wirklich dahinter?

 
Apple iPhone 7
Facts 
Update vom 6. Oktober 2016: Laut einer neuesten Erklärung von Apple, verwendet man doch reinen Saphir für die Objektivabdeckung. Die Hintergründe hierzu in einem separaten Artikel auf GIGA APPLE.

YouTuber „JerryRigEverything“ staunte nicht schlecht: Die Objektivabdeckung und der Home-Button des iPhone 7 und iPhone 7 Plus zeigten sich weniger kratzresistent, als das versprochene Material vermuten lässt. Schon bei der Stufe 6 auf der Mohs-Härteskala zeigten sich erste Kratzer – wir berichteten. Immer noch ein guter Wert, allerdings sollten sich die Saphirkristalle doch bis zur Härte 8 oder 9 resistent zeigen. Verwendet Apple vielleicht gar kein Saphirglas?

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Apples Versprechen bei allen aktuellen iPhones – vor der Linse steckt ein Saphirkristall, wirklich?

Angesichts dieses ungeheuren Verdachts veröffentlichte Phil Schiller – Apples bekannter Marketing-Vizepräsident – über Twitter gar ein eindeutiges Dementi und bestätigte nochmals den Einsatz von Saphirkristallen beim iPhone 7. Dennoch: Das eigentliche Rätsel bleibt bestehen.

Geringerer Härtegrad: Reproduktion des Testergebnis

„JerryRigEverything“ ließ dies keine Ruhe. In einem neuen Video untersucht er den Sachverhalt nochmals bis ins kleinste Detail. Zunächst muss als Vergleichsobjekt eine Tissot-Uhr mit Saphirglas herhalten. Diese zeigt sich erwartungsgemäß von ihrer starken Seite – erst ab Härtegrad 8 sehen wir Kratzer. Beim iPhone 7 und seinen Vorgängern hingegen reicht schon ein „Härte-Pickel“ mit dem weicheren Grad 6, um Spuren zu hinterlassen. Warum nur, hat Phil Schiller etwa gelogen und Apple verwendet nachweislich doch kein Saphirglas?

Apples Definition von Saphirglas: Kreativ und diskutabel

Im nächsten Testschritt schafft ein Diamanttester Aufklärung: Die Objektivabdeckung besteht tatsächlich aus Saphir, wenngleich das Ergebnis nicht so deutlich ausfällt im Vergleich zur Tissot-Uhr. Allerdings: Der Diamanttester reagiert nur positiv auf der Vorderseite der Objektivabdeckung – nicht beidseitig. Damit nicht genug: „JerryRigEverything“ macht sich in Richtung Universität auf und lässt das Material jeweils in einem Elektronenmikroskop und mittels Röntgenfluoreszenzanalyse überprüfen. Das Ergebnis vereinfacht: Im Gegensatz zum reinen Saphirglas finden sich in Apples Objektivabdeckung noch weitere chemische Elemente, die da eigentlich nicht hineingehören, beispielsweise Silizium.

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Ein „kleines“ Elektronenmikroskop für den Test – Kostenpunkt rund eine Million US-Dollar.

Allem Anschein nach verwendet Apple eine Laminierungstechnik, die man sich sogar exklusiv patentieren ließ. Sprich: Der Hersteller überzieht normales Glas mit einer dünnen Saphirkristallschicht. Im Ergebnis ist diese zwar kratzresistent, nicht aber auf dem Niveau eines massiven Saphirkristalls. Kostengründe dürften am Ende hierfür verantwortlich sein. Ergo: Apples „Objektivabdeckung aus Saphirkristall“ ist zwar per se keine Lüge, aber auch nicht die ganze Wahrheit.

Quelle: JerryRigEverything

iPhone 7 im Test von GIGA APPLE:

Farbwahl beim iPhone 7 – eure Meinung?

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