Der Siegeszug der 1.000-Euro-Smartphones beginnt, weil wir das so wollen

Stefan Bubeck 18

1.000 Euro fürs nächste iPhone oder ein Galaxy Note 8? Ja, denn die Kundschaft will es so. Ein Kommentar.

Der Siegeszug der 1.000-Euro-Smartphones beginnt, weil wir das so wollen
Bildquelle: Martin Hajek und iStock.

Was auch immer Apple am kommenden Dienstag im Steve Jobs Theater vorstellt und wie es dann heißt – iPhone 8 oder iPhone Edition – es dürfte ziemlich teuer werden. Sollte die New Yorks Times mit ihrer Prognose recht haben, dann sind das 999 US-Dollar, die hierzulande dann zu einem Preis von 1.149 Euro werden könnten. Auch Samsung „spinnt“ bei der Preisgestaltung: Die Koreaner rufen 999 Euro für das neue Galaxy Note 8 auf.

Darüber mag man den Kopf schütteln, denn solche Beträge für ein Handy kann sich einfach nicht jeder leisten und wirken auf den ersten Blick überzogen. Trotzdem werden die Hersteller ihre Absatzziele erreichen und uns zukünftig noch mehr dieser teuren Smartphones bescheren. Es ist September 2017 und die Ära der 1.000-Euro-Handys hat offiziell begonnen.

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1.000 Euro fürs Smartphone: Technik zweitrangig

Man könnte an dieser Stelle versuchen, technisch zu argumentieren und die Kosten für Bauteile plus Forschung und Marketing zu addieren. Aber so denken die Kunden nicht, zumindest nicht die Mehrheit. So denken nur Menschen, die sich mit Technik auskennen. Die Marketing-Experten bei Apple und Samsung aber sprechen diejenigen an, die „sich selbst das Beste gönnen“ möchten. Das ist eine größere Zielgruppe.

„Für mich das Beste“ – diese menschliche Eigenschaft kommt auch bei Handys zum Tragen. Die Hersteller bedienen das, sie bieten uns eine „Lösung“ an: „Du bekommst hier das beste Gerät, es kostet 1.000 Euro, selbstverständlich zahlbar in Raten. Wir haben aber auch was günstigeres, zum Beispiel…“ „Nee, ich nehme das Flaggschiff. So oft wie ich das benutze, will ich da nicht an der falschen Stelle sparen.“

Hand aufs Herz: Wer denkt nicht auch so? Wenn nicht hier, dann woanders. Markenbutter, Markencola, Markenzigaretten, Markenjeans, Markenmatratze oder Markenfahrrad: Überall sind Menschen, die in ganz bestimmten Fällen keine Kompromisse machen. Zusammengenommen sind sie sogar die erschlagende Mehrheit – denn wer kann von sich behaupten, er greife stets zum Preis-Leistungs-Sieger (aka. Billigheimer), egal um was es geht? Irgendwo hat jeder seinen Premium-Anspruch.

Fazit: Es geht nicht darum, ob die 64 GB Speicher beim Note 8 zu wenig sind oder Apple dem Kunden mit einem Randlos-Display-Design ein Feature teuer andreht, das es anderswo für die Hälfte gibt – das sind Fragen aus der Welt der Technik. Die neue Gattung der 1.000-Euro-Handys lässt sich so aber nicht vollständig begreifen.

Sie kommen nämlich aus einer Paralleldimension mit anderen Gesetzmäßigkeiten – eine Welt, die wir alle gemeinsam erschaffen haben. Es ist die Welt, in der Kunden statt zur Billig-Plörre zum echten Red Bull zum fünffachen Preis greifen. Hier schaut sich niemand nach dem Preisbrecher um, denn der kommt nicht in Frage.

„Gönn dir“ ist kein sinnentleerter Spruch – es ist unsere menschliche Natur.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

Bildquelle (Titel): Martin Hajek und iStock

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