iPhone: Warum Apple einen kostenlosen Akkutausch anbieten sollte

Sebastian Trepesch 6

Bis vor kurzem war der Akkutausch für einige iPhone-Modelle deutlich günstiger. Ich meine: Der Preis soll dauerhaft so niedrig bleiben, oder gar komplett kostenlos werden. Denn dafür gibt es gute Gründe:

iPhone: Warum Apple einen kostenlosen Akkutausch anbieten sollte
Bildquelle: GIGA.

Wie lange benutzt man ein iPhone? Bis man die neuere Technik möchte, bis es kaputt geht oder – bis die Akkulaufzeit zu kurz ist. Es liegt in der Physik der Sache, dass Akkus altern, mit der Zeit an Kapazität verlieren. Das verkürzt nicht nur die mögliche Nutzungszeit des iPhones mit einer Ladung. Das iPhone  kann nach ein paar Jahren zudem keine so großen Leistungsspitzen abrufen wie im Neuzustand und wird teilweise sogar gedrosselt.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit: Nutzererlebnis

Apple rühmt sich dafür, die Geräte lange mit Updates zu versorgen – und im Vergleich zu den meisten Android-Herstellern stimmt das definitiv. Selbst auf dem iPhone 5s von 2013 läuft noch das aktuelle iOS 12. Apple hat das System auf alten Geräten in einzelnen Bereichen sogar noch etwas beschleunigen können.

Doch was nützt das, wenn der Akku nicht mehr mitspielt?

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Eine Frage der Glaubwürdigkeit: Umweltschutz

In Sachen Umweltschutz sieht sich Apple ebenfalls als Vorreiter, zahlreiche Pressemitteilungen und das Recycling-Programm zeugen davon.

Das Beste für die Umwelt wäre es, wenn iPhones möglichst lange genutzt werden können. Und nicht allein wegen eines müden Akkus in der Tonne landen (oder bestenfalls: im Recycling-Programm).

Teurer Akkutausch: Das Problem ist hausgemacht

Dass man den Akku nicht selbst austauschen kann, ist einzig und alleine eine Entscheidung des Herstellers: An die Batterie kommt man selbst mit passendem Werkzeug nur sehr schwer heran, die Bauteile sind stark verklebt, ein Akkufach für einen wechselbaren Akku gibt es erst recht nicht.

Klar möchte heute niemand ein platzverschwendendes Steckfach für einen wechselbaren Akku in einem Top-Smartphone. Aber mit vier Schrauben und etwas Fingerspitzengefühl sollte ein Austausch auch dem Privatnutzer problemlos möglich sein.

Apple hat sich dagegen entschieden – je neuer die Modelle, desto schwieriger wird der Tausch. Da fällt es schwer, den Bemühungen zum Umweltschutz Glauben zu schenken.

So gelangt man an das Innenleben des iPhone 6:

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Der Akkutausch muss günstiger werden – oder gleich komplett kostenlos

Wenn Apple dem Nutzer schon keinen Akkutausch gestattet, könnte ihn das Unternehmen selbst günstig anbieten. So wie es für einige Modelle bis zum 31.12.2018 der Fall war, für 29 Euro im Rahmen eines Austauschprogramms. Jetzt verlangt Apple wieder 49 Euro für den Akkutausch der iPhones mit Homebutton, gar 69 Euro für den der Face-ID-Modelle. Jeweils plus 12,10 Euro (!) Versandkosten – falls nicht vor Ort im Apple Store getauscht wird.

Oder schneidet sich Apple damit ins eigene Fleisch? Das Austauschprogramm nimmt Tim Cook – neben weiteren Punkten – als Ausrede für einen schwächelnden iPhone-Absatz. Aber mal ehrlich: Erstens handelt es sich immer noch um eines der erfolgreichsten Quartale von Apple (genaueres am 29.01., da gibt es die Quartalszahlen), zweitens sind die Hauptursachen doch eher anderorts zu suchen (Preisgestaltung, mangelnde Innovationen, Importschwierigkeiten). Drittens sind gebrauchte iPhones eine gute Konkurrenz zu günstigen Android-Smartphones, und binden mehr Kunden an die Apple-Dienste.

Man könnte die Not zur Tugend machen und das Verkaufsargument „iPhones laufen lange“ ausbauen: Apple wäre glaubwürdiger, wenn es zumindest einen Akkutausch pro Gerät kostenlos anbieten würde. Oder wie wäre es mit einer Laufzeitgarantie? „Dein iPhone wird 5 Jahre lang gut funktionieren. Wir kümmern uns um alles.“

Für Nutzer und Umwelt wäre das die beste Option. Und Neugeräte wird Apple trotzdem – oder gerade deswegen – zu Genüge absetzen.

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