iPhone SE: Wie Apple einen kleinen Kraftprotz bauen wollte – und scheiterte [Meinung]

Tuan Le 33

Gestern Abend hat Apple wieder einmal versucht, das Rad neu zu erfinden – und beim Versuch ist es diesmal eindeutig geblieben. Während der Konzern in ferner Vergangenheit (und das geben wir neidlos zu) durchaus zurecht als Innovator gefeiert wurde, war die gestrige Apple Keynote insbesondere im Hinblick auf die Vorstellung des neuen iPhone SE eine unfreiwillig komische Tragödie. Ein Kommentar aus der Android-Redaktion zu dem Trauerspiel.

iPhone SE im Hands-on:

iPhone SE – Hands-on – Ersteindruck.

Die Highlights der gestrigen Keynote waren noch die Beiträge zum Umweltschutz sowie der medizinischen Forschung, ja vielleicht auch das flammende Plädoyer von Tim Cook zur Bedeutung der Privatsphäre – natürlich zu sehen im Kontext des aktuellen Rechtsstreits mit dem FBI. Auch softwareseitig gibt es einige Weiterentwicklungen oder Adaptionen bekannter Features (wie zum Beispiel Nightshift), die zwar nicht bahnbrechend, aber für die Apple-Nutzerschaft sicherlich durchaus als nett zu bezeichnen sind.

Aber was war bei der Hardware los? Wir klammern mal das „neue“  iPad Pro im Formfaktor des iPad Air aus und hoffen, dass Apple sich bei der Nomenklatur eine weniger verwirrende Lösung einfallen lässt. Über die Nylon-Armbänder für die Apple Watch wollen wir ebenso wenig Worte verlieren – auch wenn wir uns ein wenig fremdgeschämt haben, als tatsächlich Leute im Publikum deshalb klatschten.

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iPhone SE: Gute Idee, grauenhafte Umsetzung

Das iPhone SE sorgte im ersten Moment bei uns für Verwunderung, dann für Stirnrunzeln und schließlich – so ziemlich in dem Moment, als die deutschen Preise bekannt geworden sind – für ungläubiges Kopfschütteln. Dabei war der Gedankengang hinter der Entwicklung des Smartphones eigentlich nicht falsch. Apple hat festgestellt, dass bis heute das iPhone 5S reißenden Absatz unter den Kunden findet.

Das liegt zum einen am vergleichsweise geringen Preis von mittlerweile deutlich unter 400 Euro, zum anderen aber auch am kompakten Formfaktor dank des 4-Zoll-Displays, wie die Marketing-Experten in Cupertino korrekt festgestellt haben. Wäre da eine Neuauflage mit halbwegs aktueller Hardware nicht eine blendende Idee?

Ja, wäre es – wenn man es denn richtig umgesetzt hätte. Irgendwo bei der Entwicklung des iPhone SE sind aber drei grundlegende Dinge missverstanden worden:

  1. Design: Was die Nutzer am iPhone 5S mögen ist nicht das Design als solches, sondern der kompakte Formfaktor. Was um alles in der Welt hat Apple davon abgehalten, etwas an dem schon 2013 nur als unterwältigend zu bezeichnenden Verhältnis zwischen Display und Gehäuse zu verbessern, von den hässlichen Glasstreifen oben und unten auf der Rückseite mal ganz abgesehen? Damit katapultiert sich das iPhone SE optisch direkt in das Jahr 2013.
  2. Speicher: 16 GB interner Speicher sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Sony, Samsung, HTC und LG bieten schon seit den Flaggschiff-Modellen des letzten Jahres (in deren Preisklasse sich das iPhone SE definitiv bewegt) mindestens 32 GB, ohne den Kunden zusätzlich zur Kasse zu bitten. Apple kann uns nicht weismachen, dass das bei solchen Preisen nicht machbar ist.
  3. Preis: Der deutsche Preis ab 489 Euro ist überhaupt viel zu hoch angesetzt. Kunden, die tendenziell nach einem iPhone 5S Ausschau halten, werden wohl auch weiterhin eher zu Apples drei Jahre alten Spitzenmodell greifen  – zumindest, bis die Lagerbestände des iPhone 5S völlig leer sind.

Liebe iPhone-Fans: Wie wäre es mit einem Sony Xperia Z5 Compact?

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Wenn man in der Vergangenheit über Apple-Produkte sprach, wurde nicht selten gelobt, dass die Entwickler und Ingenieure sich offensichtlich viele Gedanken um die Nutzer gemacht haben. Dies beim iPhone SE zu behaupten wäre, gelinde gesagt, gewagt.

Das iPhone SE ist ein iPhone 6S, gepresst in das 2013er-Design des iPhone 5S – zu einem Preis, den man heutzutage für solche Hardware wirklich nicht mehr zahlen muss. Abgesehen von den zahlreichen Flaggschiff-Smartphones, die es im Android-Sektor für unter 489 Euro gibt, hat Sony die Idee hinter dem iPhone SE schon vor geraumer Zeit mit der Xperia Z Compact-Reihe deutlich gelungener umgesetzt.

Sony Xperia Z5 compact vs. iPhone 6 - Vergleich.

Aktuellster Vertreter ist das Xperia Z5 Compact: Es ist in den Ausmaßen minimal größer als das iPhone SE, bietet dafür aber ein mit 4,6 Zoll in der Diagonale messendes Display, das fast so groß wie das 4,7-Zoll-Panel im deutlich weniger kompakten iPhone 6s ist. Das Display-to-Body-Verhältnis beträgt beim Xperia Z5 Compact respektable 70 Prozent, während es beim iPhone SE gerade Mal 60 Prozent sind. Die Dreistigkeit von Apple kennt kaum Grenzen – denn Sony hätte sich mit Sicherheit nicht getraut, die Hardware des Z5 einfach in das Gehäuse eines Sony Xperia S zu stopfen (und selbst das wäre ansehnlicher gewesen als das Revival des iPhone 5S-Looks).

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Dank des Snapdragon 810-Prozessors und 2 GB RAM ist das Z5 Compact leistungstechnisch auf einem hohen Niveau und kann darüber hinaus mit 32 GB erweiterbarem (!) Speicher aufwarten. Der 2.700 mAh starke Akku macht das Z5 Compact zu einem der ausdauerndsten Smartphones auf den Markt, das obendrein mit einem Fingerabdrucksensor und einer IP-Zertifizierung zum Schutz gegen Wasser und Staub aufwarten kann.

Sony Xperia Z5 compact
Bildschirm 4,6 Zoll HD, 1.280 x 720 Pixel, 319 ppi
Prozessor 2,0 GHz Octa Core Snapdragon 810 (64-Bit)
Kameras 23 MP (hinten); 5 MP (vorne)
Interner Speicher 32 GB (per SD-Karte erweiterbar)
Arbeitsspeicher 2 GB
Akku 2.700 mAh, fest verbaut, Quick Charge
Konnektivität Bluetooth 4.1, NFC, LTE, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, GPS, ANT+
Abmessungen und Gewicht 127 x 65 x 9 Millimeter, 139 Gramm
Farben Schwarz, Weiß, Gelb und Koralle
Software Android 5.1 Lollipop mit Sony UX

Sony Xperia Z5 Compact: Bereits ab 389 Euro erhältlich

Mittlerweile ist das Xperia Z5 Compact bei Amazon schon ab 389 Euro erhältlich und damit in unseren Augen eindeutig die bessere Alternative. Wer also tatsächlich mit dem iPhone SE liebäugelt, sollte sich die Sache doch bitte noch einmal genauer überlegen und vielleicht dem Sony-Smartphone eine Chance geben.

Mit einem Blick auf die Vergangenheit kennen wir den Ausgang der Geschichte aber leider nur zu gut: Trotz aller offensichtlichen Unzulänglichkeiten wird das iPhone SE reißenden Absatz finden und Apple darin bestärken, einen echten Marketing-Coup gelandet zu haben – aber zumindest kennt ihr jetzt die Wahrheit über das iPhone SE.

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Falls ihr euch dennoch nicht davon abhalten lassen wollt, hier geht es (ab dem 24. März) zum Iphone SE:

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