Bis hier hin scheint das G4 also unspektakulär – gut, aber unauffällig. Und dann benutzt man die Kamera: Auf dem Papier stehen 16 MP, ein optischer Bildstabilisator, Laser-Autofokus, eine lichtstarke f/1.8-Blende, ein 1/2.6 Zoll großer Sensor, ein LED-Blitz sowie RAW-Support. Das alles fügt sich beim Fotografieren zum einem Gesamtbild zusammen, dass zuweilen und vor allem bei Nachtaufnahmen den Atem verschlägt.

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Bei guten Lichtverhältnissen, wie sie in jüngst vorherrschten, hält die 16 MP-Kamera des G4 die zahlreichen Berliner Sehenswürdigkeiten und Fassaden ganz besonders famos fest, vor allem beeindruckt die HDR-Funktion des Automodus, die dunkle wie helle Bereiche gleichermaßen intensiv und erkennbar aufs digitale Fotopapier zaubert. Ebenfalls überzeugt die Farbtreue der Fotos, die das G4 durch den verbauten Farbspektrumsensor erreicht: Tatsächlich ähneln sich die Szenerien beim direkten Vergleich von Display und Realität direkt nach dem Auslösen so sehr, wie bei kaum einem anderen Smartphone (wozu natürlich aber auch der farbechte Screen des G4 beiträgt). Bei Tag und in hellen Umgebungen sticht die Kamera des G4 nach meinem Empfinden damit selbst die bisherigen Foto-Asse Samsung Galaxy S6 und Huawei P8 aus.

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Und bei Nacht machen die genannten Konkurrenzmodelle respektive sämtliche anderen Smartphones dann buchstäblich keinen Stich mehr gegen das, was das G4 produziert: Auch wenn hier natürlich auch eine gewisse softwareseitige Nachverbesserung- und -schärfung zum Einsatz kommt: Ich habe noch nie – nochmal: noch nie — von einem Smartphone geschossene Nachtfotos gesehen, die dermaßen rauschfrei, feinkörnig und vor allem in der Tiefe des Bildes noch so scharf sind, wie die Aufnahmen, die das G4 buchstäblich zaubert. Selbst die meisten Kompaktkameras müssten da wohl die Waffen strecken.

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Da stehen auch die Videoaufnahmen in bis zu UHD-Auflösung nicht nach, die ebenfalls richtig scharf, farbecht und dank Bildstabilisator recht unverwackelt gelingen. Weiterhin funktionieren Scharfstellen sowie Belichtungswechsel beim Wechsel von nah nach fern respektive von hellen zu dunklen Motiven ausreichend schnell. Negativ fällt bei schnellen Schwenks lediglich der recht heftige Rolling Shutter-Effekt sowie für manchen Nutzer das Fehlen einer 60 Fps-Option für 1080p-Videos auf — mit dem G4 können lediglich 720p-Clips mit 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden; UHD und FHD-Filmchen werden mit 30 Fps gespeichert. Hier haben sowohl das Galaxy S6 als auch das HTC One M9 die Feature-Nase vorn.

Die Krönung dürfte – zumindest für ambitionierte Hobbyfotografen – dann noch der manuelle Modus der Kamera-App sein, in dem Fotos nicht nur optional im RAW-Format für die spätere Bearbeitung gespeichert werden können, sondern der auch jede erdenkliche Einstellung durch den Nutzer bietet: Weißabgleich, Fokus, ISO-Wert, Belichtungszeit und -speicher können allesamt händisch nach Belieben justiert werden; mit durchaus merklichen und je nach Können effektiven Ergebnissen.

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Bleibt festzuhalten: Wem die Kamera das wichtigste Feature an seinem Smartphone ist, der braucht nicht weiter über iPhone 6, Samsung Galaxy S6 oder HTC One M9 nachdenken, der greift einfach zum LG G4 – besser geht es in dieser Disziplin derzeit nicht.

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Software: Living in a Material World ...

An Googles im Zuge von Android 5.0 Lollipop eingeführten Material Design mögen sich die Geister scheiden, LG hält sich beim UI des G4 zumindest lose an den neuen Stil, den Mountain View etabliert hat: Die Benutzeroberfläche des G4 besteht aus pastelligen Farben, flachen Icons, hellen, klar strukturierten Menüs, was durchaus als gelungene Interpretation des Material Design gewertet werden kann.

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Funktional bietet das G4 wieder das ungemein praktische KnockOn-Feature, eine App zur Steuerung der heimischen Hi-Fi-Geräte per IR-Blaster, den nach Bedarf abschaltbaren Smart Bulletin-Homescreen, der links vom eigentlichen Startbildschirm Infos aus Kalender, der Health-App und der eigenen Musiksammlung mit „smarten“ Tipps und Einstellungen anzeigt, eine integrierte Backup-App sowie einen Dateimanager, eine Radio-Anwendung, die wie gehabt nur bei angeschlossenen Kopfhörern funktioniert – Bloatware ist hingegen faktisch nicht vorhanden.
Praktisch können indes für einige Nutzer und Szenarien nach etwas Einarbeitung die genannten Smart Settings sein, die das automatische Aktivieren und Abschalten bestimmter Funktionen, Profile und Apps je nach jeweiligem Aufenthaltsort à la Tasker ermöglichen.

Unter dem LG-UI läuft derzeit noch Android 5.1 Lollipop – gerüchteweise könnte der 5,5 Zoller die derzeit ganz aktuelle Version 5.1.1 überspringen und zu einem späteren Zeitpunkt dann direkt auf Android M aktualisiert werden. Offiziell hat LG sich dazu noch nicht geäußert.

 

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