Zum Schutz der eigenen Privatsphäre ist manch einer gewillt, recht drastische Wege zu gehen: Das zur Wahrung der Anonymität ins Leben gerufene Torproject ist nun um eine Anleitung erweitert worden, wie man ein handelsübliches Moto E in ein abhörsicheres Gerät verwandelt. Von vielen grundlegenden Smartphone-Funktionen muss man sich dabei allerdings verabschieden.

 

Moto E

Facts 

Nach den Enthüllungen des Abhörwahns von Geheimdiensten wie beispielsweise der NSA, bangen viele Bürger um die Sicherheit ihrer Privatsphäre und befürchten, von der Regierung oder kriminellen Hackern ausspioniert zu werden. Gerade als Smartphone-Nutzer macht man sich durch die zahlreichen Verbindungen und Sensoren, die ein modernes Gerät mit sich bringt, zu einer wandelnden Zielscheibe für Lauschangriffe.

Im Rahmen des Torprojects -- einer Initiative, die den Nutzern die Anonymität im Internet sichern soll und unter anderem auch den berühmt berüchtigten Tor-Browser hervorgebracht hat - wurde von dem Entwickler Jacob Appelbaum eine Anleitung veröffentlicht, die das Moto E mit einigen Handgriffen zu einem sicheren Gerät machen soll.

Moto E - günstig und passend modifizierbar

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Es gibt gute Gründe, ausgerechnet das Moto E als Basis für die Entwicklung eines abhörsicheren Gerätes geeignet erscheinen lassen. Das Smartphone ist beispielsweise relativ günstig, sodass man ohne große Bedenken Modifikationen durchführen kann. Zudem sind detaillierte Informationen zum Innenleben sowie bezüglich des Quellcodes verfügbar.

Darüber hinaus ist das Motorola-Smartphone für sicherheitsbewusste Anwender dank der Kompatibilität zu SnoopSnitch sehr attraktiv. Mithilfe der Android-App ist es möglich, das genutzte Mobilfunknetzwerk auf verdächtigte Aktivitäten hin zu überprüfen und so das Moto E nicht nur abhörsicher zu machen, sondern auch Überwachungsversuche festzustellen.

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Potenzielle Risiken entstehen hier etwa durch Fake-Mobilfunknetze, die mittels IMSI-Catcher Telefongespräche abfangen sowie Tracking-Geräte und unerwünschte OTA-Updates. SnoopSnitch kann hier durch eine recht umfangreiche Analyse des lokalen Mobilfunknetzwerkes Abhilfe schaffen und gehört damit zum Standardrepertoir im Kampf gegen die mobile Spionage - sofern man eines der kompatiblen Geräte sowie Root-Zugriff besitzt.

Preis: Kostenlos

Software-seitig erfordert es vor allem einiges an Selbstdisziplin, um das Moto E gegen Spionage-Angriffe abzusichern. Zunächst einmal sollte man die Google-Dienste tunlichst meiden und unter anderem auch auf den Play Store verzichten. Notwendige Apps können natürlich weiterhin manuell als APK installiert werden.

Der Root-Vorgang zur Verwendung von SnoopSnitch wird in einer Anleitung von den XDA Developers erläutert, allerdings sollte man bei der Erstellung eines Google-Accounts, die unter Umständen beim Bootloader-Unlock über die offizielle Motorola-Webseite notwendig sein kann, eine Wegwerf-SIM zur Authentifizierung verwenden. Im Idealfall führt man die Prozedur in irgendeinem Internet-Café und nicht in den eigenen vier Wänden durch.

Tatsächlich ist es ein wenig widersinnig, das Gerät zur Steigerung der Sicherheit mit einem Bootloader-Unlock zu versehen, denn sobald das Smartphone in die falschen Hände gerät, lässt es sich dadurch erheblich leichter manipulieren. Zudem wird unter Umständen sogar die Speicherverschlüsselung ausgehebelt.

Wer auf ein Maximum an Sicherheit setzen möchte, solle daher besser auf einen temporären Root-Zugriff  zurückgreifen, welcher allerdings nach jedem Neustart wiederhergestellt werden muss. Gegen Spionage empfiehlt Appelbaum ebenfalls die Applikationen Orbot, Orwall und Sensor Readout.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

Motorola Moto E zu abhörsicherem Gerät umrüsten: Hardware-Anpassungen sind vonnöten

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Auch mit der sichersten Software ist beim Motorola Moto E jedoch noch genug Spielraum gegeben, um es abhören zu können. Appelbaum empfiehlt daher einen rigorosen Umbau des Moto E, bleibt allerdings eine genauere Anleitung hierzu schuldig. Das Low-Budget-Smartphone scheint aber im Vergleich zu anderen Geräten recht einfach zerlegbar zu sein, im Endeffekt bleibt es zudem dem Nutzer überlassen, welchen Sensoren er nicht über den Weg traut.

Die Kamera sollte natürlich in jedem Falle entfernt oder unbrauchbar gemacht werden, doch auch Sensoren wie zum Beispiel das Gyroskop könnten für Spionageangriffe missbraucht werden, von den verbauten Mikrofonen und Lautsprechern ganz zu schweigen. Dass das umgebaute Moto E im Endeffekt nur noch als mobiler Hotspot taugt, ist wohl der Preis, den man für die Sicherheit zahlen muss.

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Quelle: Torproject, via Y Combinator

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Tuan Le
Tuan Le, GIGA-Experte.

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