OnePlus 5: Der kuriose Grund für den „Gummiband-Effekt“

Rafael Thiel 14

Ein unschöner Fehler umtreibt derzeit einige Besitzer des neuen OnePlus 5. Beim Scrollen kommt es zu Darstellungsfehlern, die aber laut OnePlus völlig normal und natürlich seien. Offenbar hat der Hersteller in gewisser Weise sogar recht: Es gibt einen schlüssigen Grund für diesen „Gummiband-Effekt“ – so kurios er auch ist.

OnePlus 5 im Test.

Das fehlerhafte Scrolling-Verhalten in Worten zu erklären ist nicht einfach. Beim Wischen scheint es, als seien Bereiche des Displays träge und reagieren erst mit leichter Verzögerung. Daraus folgt ein Gummiband-ähnlicher Effekt, da sich die Inhalte erst auseinanderdehnen und dann wieder zusammenrücken. Ein Video veranschaulicht das:

Noch mysteriöser wird es, da nur einige Geräte betroffen zu sein scheinen. Benutzt OnePlus womöglich Displaypanel verschiedener Produzenten? Keineswegs, so zumindest ein offizielles Statement: „(…) Einige Nutzer berichten über einen sichtbaren visuellen Effekt beim Scrollen. Das ist normal, es gibt keine Unterschiede bei den verwendeten Bildschirmen innerhalb des OnePlus 5“.

Der Fehler soll also „normal“ sein. Klingt erstmal so, als wolle der Hersteller nur ausweichen – doch anscheinend trifft es tatsächlich zu, wenngleich der Ausdruck „normal“ durchaus euphemistisch ist. Die Kollegen von XDA haben sich nämlich auf Spurensuche begeben und einen möglichen Grund für diesen „Gummiband-Effekt“ gefunden. Offenbar ist das Displaypanel des OnePlus 5 verkehrt herum eingebaut, also um 180 Grad gedreht. Im Quellcode des Smartphones finden sich eindeutige Hinweise darauf, damit der fürs Display zuständige Controller das erhaltene Bild vor der Darstellung um ebenjene 180 Grad dreht.

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OnePlus 5: Display umgedreht eingebaut

Eine solche Codezeile ist in Smartphones normalerweise nicht enthalten. Denn angewandt beispielsweise auf das OnePlus 3T, zeigte das Display des letzten OnePlus-Modells ein auf den Kopf gestelltes Bild dar. Mit dem Wissen fällt auch auf Teardown-Bildern auf, dass sich der Display-Controller des OnePlus 5 unter- anstatt wie gewöhnlich oberhalb des Akkus befindet. Das könnte an der hinzugekommenen Dual-Kamera liegen, die die Ingenieure erfinderisch werden ließ, um alle Komponenten platzsparend im Gehäuse unterzubringen.

OnePlus-5-Gummiband-Effekt-Display-Code-1

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So gesehen handelt es sich nicht um einen Defekt und ist irgendwo auch „normal“. Bei diversen Smartphones tritt nämlich, so XDA, bei umgedrehter Betrachtung ein ähnlicher „Gummiband-Effekt“ auf. Das können unsere Leser gerne testen: Einfach das Smartphone drehen und innerhalb einer beliebigen App scrollen. Der Effekt tritt, wie gesagt, nicht bei jedem Modell auf, aber angeblich zumindest bei einigen, was auf ein natürliches – in anderen Worten „normales“ – Verhalten hindeutet. Warum besagter Effekt überhaupt auftritt? Unklar. Möglicherweise hat es mit einer Latenz zwischen Übertragung der Daten vom Controller und der Darstellung auf dem Panel zutun, aber das ist nur Spekulation.

OnePlus 5: „Gummiband-Effekt“ ist reproduzierbaren Ursprungs

Hingegen keine Spekulation ist wohl, dass OnePlus recht hat: Der „Gummiband-Effekt“ ruht tatsächlich nicht auf einem Bug oder einer fehlerhaften Display-Charge. Allerdings bleibt es ein Geheimnis, ob sich der Hersteller des Problems bewusst war, als er sich dazu entschloss, das Display verkehrt herum einzubauen, oder nun genauso überrascht ist, wie wir alle. So oder so hat OnePlus entweder zukünftige Beschwerden billigend in Kauf genommen oder aber unzureichende Qualitätssicherung betrieben.

Glücklicherweise tritt der Effekt nur vereinzelt auf oder wird zumindest nur vereinzelt bemerkt. Denn trotz ein paar fragwürdiger Entscheidungen ist das OnePlus 5 ein gutes Smartphone, das belegt nicht zuletzt unser Testbericht. Bei unserem Modell konnten wir übrigens keinen „Gummiband-Effekt“ feststellen.

Quelle: XDA via 9to5Google

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