OnePlus 6 im Test: Immer noch ein Preis-Leistungs-Killer?

Peter Hryciuk 1

Das OnePlus 6 besitzt einen Notch, ist im Vergleich zum Vorgänger größer sowie teurer geworden und verzichtet immer noch auf gewisse Ausstattungsmerkmale, die bei anderen High-End-Smartphones zum Standard gehören. Ob das OnePlus 6 im Test trotzdem überzeugen konnte, verraten wir euch jetzt.

OnePlus 6 im Test: Immer noch ein Preis-Leistungs-Killer?
Bildquelle: GIGA - OnePlus 6.

OnePlus 6 im Test: Inhaltsverzeichnis

Erster Eindruck vom OnePlus 6 im Video

OnePlus 6 im Hands-On.

Noch bevor das OnePlus 6 offiziell vorgestellt wurde, haben wir bereits ein Exemplar zum Test erhalten. Dieses haben wir im oberen Video ausgepackt, durften zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht ins Detail gehen. Für einen ersten Eindruck hat es trotzdem gereicht und den Rest liefern wir euch jetzt im Testbericht.

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Unser Testurteil zum OnePlus 6

OnePlus hat gut vorgearbeitet: Noch bevor das Smartphone offiziell vorgestellt wurde, hat man in einem Teaser-Bild enthüllt, dass das OnePlus 6, wie so viele Android-Smartphones heutzutage, mit einem Notch ausgestattet ist. Das hat dafür gesorgt, dass die geschätzte Community den Schock bis zur finalen Präsentation verarbeiten konnte. Hat zwar geklappt, trotzdem kann man den Notch hassen oder lieben. Wir haben uns mittlerweile damit angefreundet. Er ist nun einmal bei fast jedem aktuellen Smartphone zu finden und erzeugt ein etwas randloseres Design. Nachfolgend gehen wir auf die Eigenheiten des Designs ein:

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OnePlus 6 in Bildern: Riesiges Glas-Smartphone mit Notch.

Die Kerbe im Display sorgt dafür, dass im oberen Bereich etwas weniger Platz für Benachrichtigungen und Symbole ist. Das ist auch beim OnePlus 6 der Fall. Da die Uhrzeit als statische Anzeige zudem auf die linke Seite gewandert ist, können nur noch drei Benachrichtigungen dargestellt werden. Die Community hat sich beschwert, OnePlus hat Besserung gelobt. Was das heißt, bleibt offen. Generell hat man das Gefühl, dass die Software dieses Mal nicht ganz fertig ist. Eine Always-On-Display-Funktion war zuerst vorhanden, wurde dann aber wegen Bedenken bei der Akkulaufzeit entfernt. Bei einem OLED-Display dürfte so eine Funktion eigentlich nicht zu viel Akku verbrauchen. Zunächst fehlten auch noch Funktionen, die bei der Präsentation angekündigt wurden. Der Selfie-Portrait-Modus und weitere kleinere Verbesserungen wurden vor wenigen Tagen per Update nachgeliefert.

OnePlus 6 mit größerem Bildschirm

Während das OnePlus 5T eine Bildschirmdiagonale von 6,01 Zoll besitzt, ist das OnePlus 6 um 0,27 Zoll auf 6,28 Zoll angewachsen. Der Zuwachs entfällt auf den Notch, sodass das Smartphone an sich in der Höhe sogar kleiner geworden ist. Dafür ist es etwas breiter, dicker und schwerer. Das merkt man aber – wenn überhaupt – nur bei einem direkten Vergleich. Insgesamt bedeckt das riesige Display fast die komplette Front des Smartphones. Schaltet man die On-Screen-Tasten aus und nutzt die Gestensteuerung, hat man den kompletten Bildschirm für Inhalte zur Verfügung. Obwohl die Auflösung mit 2.280 x 1.080 Pixeln immer noch deutlich hinter der Konkurrenz liegt, ist das AMOLED-Panel sehr hell und schön anzuschauen. Die Helligkeitsregelung stellt das Display aber immer etwas zu dunkel ein, sodass man nachjustieren muss.

OnePlus 6 mit Gestensteuerung

Die Gestensteuerung, die OnePlus mit dem neuen Smartphone eingeführt hat, funktioniert gut. Für den Test haben wir diese von Beginn an aktiviert und kommen mittlerweile damit zurecht. Anfangs ist es noch ungewöhnlich, später aber wirklich praktisch und man bedient das Smartphone fast ohne hinzuschauen. Die Funktionsweise wirkt nur auf den ersten Blick kompliziert:

  • Home: In der Mitte von unten ins Display streichen.
  • Zurück: Vom linken oder rechten Bereich ins Display streichen.
  • Zuletzt verwendete Apps: In der Mitte ins Display streichen und halten.

Wer damit überhaupt nicht klar kommt, kann natürlich zu den klassischen On-Screen-Tasten wechseln. Sensitive Tasten an der Front unter dem Display gibt es hingegen nicht mehr, seitdem der Fingerabdrucksensor auf die Rückseite des Smartphones gewandert ist. Dieser arbeitet sehr schnell, zuverlässig und sicher – ganz im Gegenteil zur Gesichtserkennung. Diese funktioniert zwar auch gut, ist aber nicht sicher. Mit einem einfachen Foto lässt sich die Gesichtserkennung austricksen. Auch hier muss OnePlus nachbessern, denn das hat beim OnePlus 5T nicht so einfach geklappt.

Performance und Akkulaufzeit überzeugen

Wer ein OnePlus-Smartphone kauft, muss sich um die Leistung und Akkulaufzeit im Grunde kaum große Gedanken machen. Das ist beim OnePlus 6 nicht anders. Display-On-Zeiten zwischen 5 und 6 Stunden sind normal. Insgesamt kommt man mit dem OnePlus 6 gut über den Tag. Selbst am Abend hat man noch genug Reserven. Möchte man doch auf Nummer sicher gehen, kann man das Smartphone innerhalb kürzester Zeit schnell wieder aufladen. Dazu ist aber der Adapter von OnePlus nötig. Andere USB-C-Ladegeräte funktionieren zwar auch, die Ladezeit verlängert sich aber deutlich. Was fehlt, ist eine kabellose Ladefunktion – trotz einer Rückseite aus Glas.

Die Leistung des optisch kaum angepassten Android-8.1-Oreo-Betriebssystems ist einfach nur herausragend. Wer ein OnePlus-Smartphone kauft, der kann sicher sein, dass das Smartphone absolut flüssig läuft. Das gilt nicht nur für die ersten Wochen nach dem Kauf, sondern über Jahre hinweg. Wenn wir mal wieder zu einem OnePlus 3 greifen, dann läuft das Gerät immer noch flüssiger als ein Galaxy S8 nach einem halben Jahr im Einsatz.

Technisch ist das OnePlus 6 erstklassig ausgestattet. Unser Testgerät besitzt 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher. Es gibt noch weitere Konfigurationen, die an das Finish der Rückseite gekoppelt sind:

  • Mirror Black mit 6 GB RAM und 64 GB internem Speicher
  • Mirror Black mit 8 GB RAM und 128 GB internem Speicher
  • Midnight Black mit 8 GB RAM und 128 GB internem Speicher
  • Midnight Black mit 8 GB RAM und 256 GB internem Speicher
  • Silk White mit 8 GB RAM und 128 GB internem Speicher

Insgesamt ist das Smartphone sehr gut verarbeitet, liegt angenehm in der Hand und fühlt sich auch sehr wertig an. Es kommt zwar immer Glas und Metall zum Einsatz, die Rückseiten fühlen sich aber je nach Ausführung anders an. Wem das Glänzende nicht so gefällt, der greift zu einer matten Version. Neben Schwarz gibt es auch Weiß. Damit deckt OnePlus viele Geschmäcker ab.

OnePlus 6 mit „verbesserter“ Dual-Kamera

Im Vergleich zum Vorgänger hat OnePlus den Hauptsensor der Dual-Kamera durch ein neueres Modell ersetzt. Der Sony IMX519 besitzt mit 1,22 µm etwas größere Pixel als der Vorgänger und dürfte demnach etwas besser in Low-Light-Situationen abschneiden. Insgesamt ist die Dual-Kamera des OnePlus 6 ganz gut, wenn die Lichtbedingungen stimmen. Wird es dunkler, ist deutliches Bildrauschen zu sehen. Wir haben den Kamera-Test in New York gemacht und verraten euch nachfolgend weitere Details:

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OnePlus 6 im Kamera-Test: Eine sehenswerte Foto-Tour durch New York.

Insgesamt ist die Kamera des OnePlus 6 nicht schlecht, kann aber mit der Bildqualität eines Samsung Galaxy S9 Plus oder Huawei P20 Pro nicht mithalten. Besonders in diesem Bereich besteht seit Jahren großes Verbesserungspotenzial bei OnePlus. Die Kamera hatte bei OnePlus-Smartphones noch nie den höchsten Stellenwert, war aber auch nie wirklich schlecht.

OnePlus 6 mit Ausstattungsmängeln

Preislich ist das OnePlus 6 im Hinblick auf die technischen Daten sehr gut ausgestattet, doch es gibt auch fehlende Features, die bei der Konkurrenz zum Standard gehören.

  • Keine Stereo-Lautsprecher: Der Klang des einen, an der Unterseite angebrachten Lautsprechers ist zwar gut, aber nicht vergleichbar mit der Konkurrenz, wenn Stereo-Lautsprecher verbaut sind.
  • Kein Wireless-Charging: Trotz Rückseite aus Glas lässt sich das OnePlus 6 nicht kabellos aufladen.
  • Keine IP-Zertifizierung: Offiziell ist das OnePlus 6 nicht gegen Staub und Wasser geschützt. Einen kleinen Regenschauer dürfte das Smartphone trotzdem überstehen. Darauf anlegen wollten wir es im Test aber nicht und haben den Kontakt mit Wasser gemieden.

OnePlus 6: Erfolg durch attraktiven Preis – und Amazon?

Insgesamt hat das OnePlus 6 im Test überzeugt. Man bekommt zwar nicht so viele Features wie beim Samsung Galaxy S9 Plus und die Kamera hinkt auch hinterher, doch dafür ist die Performance der Software unschlagbar, das Smartphone ist technisch sehr gut ausgestattet und kostet mit 519 Euro auch verhältnismäßig wenig. Der Verkauf findet über Amazon in Deutschland statt, sodass das OnePlus 6 allein durch die Listung dort enorm an Reichweite gewinnen kann. Waren OnePlus-Smartphones früher ein Geheimtipp, könnte das OnePlus 6 durch Amazon den Durchbruch in den Mainstream schaffen.

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OnePlus 6 im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 88 %

Das hat uns am OnePlus 6 gefallen

  • Sehr gute Performance der kaum angepassten Android-Software.
  • Gute Akkulaufzeit. Man kommt über den Tag und hat genug Reserven für den Abend.
  • Dash Charge lädt das OnePlus 6 in kürzester Zeit auf – man benötigt aber das Netzteil von OnePlus.
  • Display mit Notch stellt Inhalte scharf und farbenfroh dar. Helligkeit ist ausreichend hoch, um gut im Freien abgelesen werden zu können.
  • 3,5-mm-Klinkenbuchse vorhanden, sodass normale Kopfhörer oder Lautsprecher angeschlossen werden können.
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das fanden wir am OnePlus 6 nicht so gut

  • Software wirkt nicht final. Es muss mit Updates nachgebessert werden.
  • OTG-Modus nicht vom Werk aus aktiv und muss manuell eingeschaltet werden.
  • Kein Wireless-Charging.
  • Keine IP-Zertifzierung und somit offiziell nicht wasserdicht.

Gut zu wissen

  • Der Notch kann „abgeschaltet“ werden. Unter Einstellungen > Display > Notch-Display ist die Funktion zu finden.
  • OTG-Funktion muss manuell eingeschaltet werden unter Einstellungen > Erweitert > OTG-Speicher. Nach 10 Minuten wird die Funktion deaktiviert, wenn das OTG-Feature nicht verwendet wird.
  • Spielmodus schafft Ruhe beim Zocken. Unter Einstellungen > Erweitert > Spielmodus kann man festlegen, welche Benachrichtigungen während eines Spiels zum Benutzer noch durchdringen. Es lässt sich auch festlegen, für welche Spiele der Spielmodus aktiviert wird und ob die volle Leistung zur Verfügung stehen muss.
  • Das Oxygen OS sieht zwar wie pures Android aus, erlaubt aber viele sinnvolle Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt praktische Gesten, Anpassungsmöglichkeiten für die On-Screen-Tasten und vieles mehr. Besonders der dunkle Modus, der passend zum OLED-Display fast alle Inhalte schwarz anzeigt, ist sehr praktisch und dürfte Energie sparen. Die Software des OnePlus 6 bietet viel zum Entdecken und Ausprobieren.

OnePlus 6: Technische Daten im Überblick

Display 6,28 Zoll, AMOLED, 2.280 x 1.080 Pixel, Gorilla Glass 5
Prozessor Snapdragon 845, Octa-Core mit bis zu 2,8 GHz
Arbeitsspeicher 6/8 GB RAM
Datenspeicher 64/128/256 GB UFS 2.1 (nicht erweiterbar)
Hauptkamera Hauptsensor: 16 MP, Sony IMX519, Pixelgröße 1,22 µm, Electronic Image Stabilization (EIS), OIS, Blende f/1.7, 4K-Videoaufnahme bei 60 fps
Zweitsensor: 20 MP, Sony IMX376K, Pixelgröße 1,0 µm, Blende f/1.7
Frontkamera 16 MP, Sony IMX371, Pixelgröße 1,0 µm, Electronic Image Stabilization (EIS), Blende f/2.0, 1080p-Videoaufnahme bei 30 fps
Akku 3.300 mAh mit „Dash Charge“-Schnellladefunktion
Konnektivität LTE, 2×2 MIMO WiFi-ac, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, Glonass, BeiDou, USB-Typ-C (USB 2.0)
Abmessung 155,7 x 75,4 x 7,75 mm
Gewicht 177 Gramm
Betriebssystem Android 8.1 Nougat mit OxygenOS
Farben Mirror Black, Midnight Black, Silk White
Besonderheiten Dual-SIM, Dual-Kamera, Kopfhöreranschluss

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