Es war die „Mittelklasse-Schönheit“, der „fast perfekte Allrounder“ und der „Preis-Leistungs-Kracher aus China“. Auch wir haben das OnePlus X im Test nach Erscheinen in höchsten Tönen gelobt – heute wagen wir einen zweiten Blick. Und stellen fest: Nach einigen Monaten im Alltagsbetrieb nervt dann doch einiges.

 

OnePlus X

Facts 

Das OnePlus X ist mittlerweile für 239 Euro zu haben und das ganz ohne Invite. Doch lohnt sich das Gerät wirklich noch, insbesondere weil auch die Top-Geräte aus dem Jahr 2015 immer preiswerter zu haben sind? Nun, zumindest sollte man die sechs drängendsten Probleme kennen, die beim OnePlus X nicht sofort ersichtlich sind, aber nach ein paar Monaten total nerven.

1. Die Kamera ist manchmal unbrauchbar

Von Anfang an war das OnePlus X nicht für seine perfekte Kamera bekannt. Tatsächlich haben mehrere Tester der 13-MP-Hauptkamera zu viele Schwächen bei Nachtaufnahmen und eine nicht optimale Farbdarstellung attestiert. Der fehlende optische Bildstabilisator führt im Alltag oft zu verwaschenen Fotos. Insbesondere die Software sorgt dafür, dass manche Aufnahmen völlig misslingen.

OnePlus X Beispiel für Shutter Probleme

Schuld ist die in der Automatik eingestellte zu lange Verschlusszeit, hier kennt zumindest die vorinstallierte Kamera-App keinen Tiefstwert. Videos in der Dunkelheit werden so zwar oft erstaunlich hell und farbecht, erinnern aber eher an einen Stop-Motion-Film. Selbiger Bug nervt auch bei Nacht-Fotos: Schon beim kleinsten Zittern der Hand werden diese komplett unscharf.

Und was ist eigentlich los mit der Frontkamera? Auf vielen Selfies erscheint das eigene Gesicht zu lang, zu breit oder gestaucht – die Front-Cam verzerrt Proportionen. Und ein Zombie-Blässe-Filter ist gleich mit eingebaut.

OnePlus-X-Verwackelt
OnePlus-X-Selfie

2. Kontakte-Chaos

Ein reiner Softwarefehler, der leicht zu beheben wäre: Egal über welchen Google-Account man die Kontakte synchronisiert, in der Telefon-App herrscht das reinste Chaos. Standardmäßig sollte der Dialer die Kontaktnamen nach Vornamen sortieren. Wird die App jedoch geschlossen, werden beim nächsten Mal alle Kontakte – obwohl anders eingestellt – einfach wieder nach Nachnamen sortiert. Seltsamer Workaround: Einen Kontakt kurz öffnen, dann wird plötzlich wieder richtig sortiert. Das ändert aber nichts an einem weiteren nervigen Fehler: Manche Namen erscheinen aus unerklärlichen Gründen einfach zweimal.

OnePlus-X-Screenshot-Kontakte
OnePlus-X-Screenshot-Kontaktliste

3. Akku-Schwächen

Auf dem Papier reiht sich der Akku mit rund 2.500 mAh im Mittelfeld ein. In der Realität stimmt das aber nicht: Nach mehreren Monaten im Betrieb kann man das Gerät oft dabei beobachten, wie der Akku in wenigen Minuten schlicht leer gesaugt wird. Dies mag an einer schlechten Kalibrierung oder an nicht optimierten Apps und Software liegen. Manchmal zählt die Anzeige trotz angeschlossenen Ladekabels sogar rückwärts. Das bringt uns zum nächsten No-Go: Die Ladezeit. Ein kompletter Ladezyklus dauert stundenlang. Quick Charge? Nicht vorhanden! Das wusste man zwar im Voraus – wie nervig das Fehlen des Features aber im Alltag wird, war dann doch überraschend.

OnePlus X bei Amazon

4. Gesten – eine nette Idee ...

... wenn sie denn funktionieren würden. Nur allzu oft tippe ich verzweifelt auf dem dunklen Display herum, um das Gerät per Double-Tap aufzuwecken. Das gelingt manchmal, manchmal nicht. Die Gestensteuerung funktioniert nur dann perfekt, wenn man sie gerade so gar nicht brauchen kann: Da beginnt im Uni-Hörsaal schon einmal lauthals die Musik zu spielen, weil das Gerät denkt, ich hätte ein Play-Symbol aufs ausgeschaltete Display gezeichnet.

Bilderstrecke starten(9 Bilder)
Die größten Smartphone-Enttäuschungen 2015: Was war das denn, bitte?!

5. Viel zu rutschig

Pro: Das OnePlus X mit Gorilla Glas 3 hält viel aus. Contra: Das muss es auch! Typisches Szenario: Das Handy zum Laden auf den Tisch legen und später wundern, wie es denn von alleine auf den Boden gelangt ist. Der leichte Zug eines USB-Kabels oder die geringste Unebenheit lassen das Handy mit der Glasrückseite abstürzen oder aus der Hand rutschen. Meines ist mindestens schon 30 Mal zu Boden geknallt, hat dies aber – abgesehen von ein paar Schrammen – immer überstanden. Das mitgelieferte Silikon-Case schafft Abhilfe, sieht aber ehrlich gesagt nicht allzu toll aus.

oneplus-x-test-2271

6. Der OnePlus-Kundenservice

Last but not least: Hoffe, dass dein OnePlus X nicht zum Garantiefall wird! Denn der Support des chinesischen Herstellers ist alles andere als auf Zack. In meinem konkreten Fall musste ein Case getauscht werden. Die Antwortzeit des Supports belief sich pro E-Mail auf 10 bis 14 Tage. Zwar wurde am Ende eine Lösung gefunden, so eine Wartezeit ist aber trotzdem inakzeptabel.

OnePlusSim

Fazit

Für Ästheten bleibt das OnePlus X trotz dieser Makel weiterhin die erste Wahl in der Mittelklasse. Doch das tolle Design bringt Einbußen mit sich: Das Gerät rutscht selbständig von jeder Fläche und einen ordentlichen Akku konnte OnePlus auch nicht in das dünne Gehäuse zwängen. Das lässt sich nun nicht ändern, aber andere Fehler müssten nicht sein – viele der Bugs könnte OnePlus mit einfachen Software-Fixes ausbügeln. Doch auf Updates scheint man nicht sonderlich Wert zu legen: Auch das Update auf Android 6.0 Marshmallow lässt weiter auf sich warten.

OnePlus X bei Amazon

Quiz: Wie gut kennst du dich in der iPhone-Welt aus?