Project Ara: 10 Fragen und Antworten zum modularen Smartphone – Release, Preis, Bauweise & mehr

Andreas Floemer 13

Gestern fiel der Startschuss für Googles Project Ara-Entwickler-Konferenz. Im Zuge dessen kamen eine Reihe neuer Details und Informationen über das modulare und revolutionäre Smartphone ans Tageslicht. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen.

Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, dass Motorola das Projekt „Phonebloks“, den Traum eines modularen Smartphones vom Niederländer Dave Hakkens, mit dem eigenen „Project Ara“ vereinte. Mittlerweile ist das Ara-Team nach dem Verkauf von Motorola an Lenovo bei Google ansässig und eifrig dabei an der Zukunft des Smartphones der Zukunft zu feilen. Man hat sich zudem eine strikte Deadline auferlegt: In einem Jahr muss das Produkt marktreif sein.

Eigentlich wollte man heute den kürzlich angekündigten funktionierenden Prototypen präsentieren, doch es kam ganz anders: In Zuge einer Vorab-Präsentation mit einigen Entwicklern ließ jemand das Gerät auf den Boden fallen, wodurch das Display in die Brüche ging, so Brad Molen von engadget. Daher bleibt uns vorerst kein Blick auf das Gerät vergönnt. Nichtsdestotrotz hat Googles ATAP-Team (Advanced Technologies and Products-Division), das mit der Entwicklung des modularen Smartphones betraut ist, einige Details enthüllt, die bislang nicht bekannt waren.

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10 Fragen und Antworten zum Project Ara

1. Wie findet die Kommunikation zwischen den einzelnen Modulen statt?

Im Ara-Phone kommen einige Technologien zum Einsatz, die es in Geräten für Endverbraucher bisher nicht gegeben hat. Bei einem solchen modularen Gerät ist es durchaus möglich, dass die Bauteile physisch weit voneinander entfernt liegen, wodurch die Daten-Kommunikation nicht zuverlässig und schnell geschähe, würde man auf klassische  Verbindungen setzen. Daher verwendet man im Ara-Gerät einen neuen Standard, der UniPro getauft wurde und Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 10 GB/s erreichen kann. Ferner möchte man sich nicht auf physische Kontakte verlassen, die anfällig für Verschmutzungen oder Störungen anderer Art sind. Entsprechend werden so genannte kapazitive Interkonnektoren verbaut – drahtlose Kontaktstellen, die auf kurze Distanz zuverlässige und rasche Datenübertragung realisieren sollen. Bei SoC und RAM sind die damit ermöglichten Geschwindigkeiten indes nicht ausreichend, weshalb man sich gezwungen sieht, diese Elemente in einem Modul unterzubringen.

2. Werden Module nur eine Funktion besitzen?

Laut Googles Ara-Chef Paul Eremenko hat der Modul-Entwickler die Möglichkeit, so viele Funktionen unterzubringen, wie in das Element hineinpassen. So kann in einem Kamera- oder rückseitigen Display-Modul beispielsweise auch ein kleiner Zusatzakku integriert werden, um so zusätzliche Energiereserven bereitzustellen.

3. Will Google selbst Hardwarelieferant werden?

Google beziehungsweise das Ara-Team hegt keine Pläne, eigene Module anzubieten. Man beabsichtigt in erster Linie, den Grundstein für die Entwicklung eines Marktes für modulare Smartphone zu legen. Google setzt darauf, dass insbesondere kleine Hardware-Hersteller sich bei den von Google bereitgestellten Open Source Design-Tools, dem MDK, bedienen und passende Module entwickeln. Aber auch große Hersteller wie HTC, Samsung und Co. sowie Produzenten von Komponenten wie Kameras, Speicher oder Prozessoren wolle man für die Idee eines solchen Produkts erwärmen.

4. Wie lässt sich das modulare Smartphone individualisieren?

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Basis des Ara-Phones ist ein sogenanntes Endoskskelett, oder kurz Endo. In dieses lassen sich alle für ein Smartphone benötigten Bauteile in Form besagter Module einfügen. Damit die Module nicht aus dem Endo fallen, werden sie mittels Elektropermanent-Magneten fixiert. Durch die Module – sofern sich viele unterstützende Hersteller finden – lässt sich das Smartphone nach eigenen Vorstellungen zusammenstellen: Prozessor, Kamera. Display und mehr sind beliebig austausch- und ersetzbar.

Die Module selbst werden aber nicht der einzige Weg sein, das Gerät zu individualisieren, denn auch fürs Auge wird gesorgt sein. Man ist derzeit dabei eine App zu entwickeln, mit der die Gehäuse der einzelnen Module selbst gestaltet werden können. Diese Modulgehäuse werden per 3D-Druck hergestellt und sollen recht einfach vom Smartphone-Besitzer ausgetauscht werden können.

5. Was sind die Nachteile dieser Bauweise?

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Auch wenn die modulare Bauweise dank der umfangreichen Individualisierungsoptionen seine Vorteile hat, gibt es – zumindest zurzeit – noch eine Reihe von Nachteilen. Laut Eremenko muss man derzeit mit einer um 25 Prozent geringeren Akkulaufzeit als herkömmliche Geräte auskommen. Darüber hinaus ist ein ARA-Phone aufgrund der Modulbauweise auch schwerer und dicker. Bei den nächsten Ara-Generationen ist allerdings davon auszugehen, dass diese Kinderkrankheiten behoben werden.

6. Wieviel wird ein modulares Smartphone kosten?

Google wird anfangs ein Basis-Gerät, Grey-Phone genannt, anbieten. Dieses wird an Herstellungskosten etwa 50 US-Dollar kosten – wie hoch der tatsächliche Verkaufspreis liegen wird, hängt unter anderem davon ab, wie viel Google an dem Gerät verdienen möchte. Das Grey-Phone wird lediglich aus Display, Prozessor, Arbeitsspeicher und WLAN-Modul bestehen. Zusätzliche Elemente kann man sich hinzukaufen.

Man hat aber auch noch ein weiteres Gerät mit High End-Komponenten in Planung, welches mit saftigen 500 US-Dollar an Produktionskosten zu Buche schlägt. Ob dies zeitgleich mit dem Grey Phone vorgestellt wird, ist fraglich.

7. Wann wird das erste modulare Phone zu kaufen sein?

Angesichts dessen, dass das Ara-Team noch ein Jahr Zeit hat, das modulare Smartphone fertigzustellen, ist damit zu rechnen, dass das erste Modell Anfang 2015 in den Handel kommen wird. Cnet zufolge ist mit dem Verkaufsstart des Basismodell bereits im Januar 2015 zu rechnen. Damit liegt noch ein dreiviertel Jahr bis zur Marktreife.

8. Welche Größen wird es geben?

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Google hat im Zuge des Developer-Events nur ein mittelgroßes Modell gezeigt. Dieses liegt von den  Dimensionen etwa zwischen dem iPhone und dem Samsung Galaxy S5. Außerdem sind ein kleineres Gerät sowie ein größeres in der Mache – letzteres soll in etwa so groß wie ein Galaxy Note sein.

9. Wo bekommt man neue Module?

Damit Kunden rasch an neue Module gelangen können, wird Google einen Web-Shop eröffnen, der parallel zum Play Store betrieben wird. Zur leichten Entscheidungsfindung, welche Module man kaufen soll, hat man entweder die Möglichkeit, sich das Grey Phone zu kaufen, per installierter App Module simuliert zu testen und anschließend zu ordern. Falls man noch kein Ara-Phone besitzt, aber ein Freund oder Bekannter, kann man über den „Gastmodus“ des Fremdgeräts Module testen. Darüber hinaus, so heißt es, könnte es auch echte Ladengeschäfte geben, in denen man Module kaufen kann.

10. Ist das modulare Smartphone schon mit Android kompatibel?

Die aktuell vorliegende Android-Iteration ist noch nicht kompatibel mit der modularen Ara-Hardware. Man beabsichtigt allerdings, den notwendigen Support zum Marktstart im Januar 2015 zu realisieren. Bis dahin wird Google mit Sicherheit bereits die Android-Version 4.5 oder gar 5.0 vorgestellt haben.

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Noch ist es ein weiter Weg, bis das Ara-Phone marktreif ist, allerdings hat Google eine große Vision, denn durch die Modularität des Smartphones und der verschiedenen Endo-Größen möchte man die ganze Menschheit mit einem erschwinglichen Smartphone versorgen, das man nicht gleich wegwerfen muss, wenn ein Bauteil kaputt ist. Darüber hinaus liege laut Eremenko die Lebenszeit eines Ara-Phones bei bis zu sechs Jahren, während aktuelle Geräte weit kurzlebiger sind, da – insbesondere High End-Geräte – nach zwei Jahren zum „alten Eisen“ gehören. Beim Project Ara lassen sich veraltete Elemente kurzerhand gegen aktuelle auswechseln und die alten idealerweise noch weiterverkaufen.

Interessante Einblicke ins Project Ara von The Verge:

Quellen: The Verge, TNW, Cnet

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