LG G5 vs. Moto Z vs. Project Ara: Welches modulare Konzept überzeugt?

Rafael Thiel 4

Was zeichnet ein modulares Smartphone aus? Darauf haben Google, LG und Lenovo grundverschiedene Antworten auf Lager. Doch welches Konzept hat die besten Zukunftsaussichten? Wir stellen das LG G5 mitsamt „Friends“, das Moto Z mit den Moto Mods sowie Project Ara gegenüber. 

LG G5 vs. Moto Z vs. Project Ara: Welches modulare Konzept überzeugt?

Rückblickend könnte 2016 als das Jahr der modularen Smartphones in Erinnerung bleiben – das erste, wohlgemerkt. Denn die aktuellen Versuche großer Konzerne der Branche wirken vielleicht auf den ersten Blick vielversprechend, bei genauerer Betrachtung gibt es dann aber doch noch einiges zu bemängeln. Doch beginnen wir erstmal mit einer kurzen Vorstellung der fraglichen Konzepte.

LG G5 mit Magic Slot und Friends

Den Auftakt machte dieses Jahr das LG G5: Das neue Flaggschiffmodell des südkoreanischen Herstellers überraschte mit einem sogenannten „Magic Slot“, der die Unterseite des Geräts in ein austauschbares Modul verwandelte. Auf diese Weise kann der Nutzer zusätzliche Funktionen sowie erweiterte Akkukapazität andocken. Zu den möglichen Modulen, die der Hersteller Friends nennt, zählen aktuell das LG CAM Plus, das neben einem 1.200 mAh-Energiespeicher auch einen dedizierten Kamera-Button nebst Zoom-Regler mitbringt, sowie das LG Hi-Fi Plus, das den Sound per DAC-Audiokonverter verbessert.

Moto Z und die Moto Mods

Moto Z moto-mods-insta-share-projector

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch die Modularität des Moto Z. Bei diesem Gerät können Moto Mods genannte Module auf der Rückseite über PIN-Anschlüsse als zusätzliches Cover angedockt werden. Zur Auswahl stehen Ausführungen mit integriertem Akku, Lautsprechern von JBL und eingebautem Mini-Projektor.

Project Ara

Das dritte Konzept im Bunde ist natürlich Project Ara: Infolge des Verkaufs von Motorola an Lenovo verblieb das ATAP-Team (Advanced Technology and Projects) in Mountain View und tüftelte weiter am modularen Smartphone-Projekt.

Project Ara

In der ursprünglichen Form sollte Project Ara ein Smartphone nach Baukasten-Prinzip sein: Das Grundgestell bietet neben Gimmicks auch beliebigen Prozessoren, Displays, Kameras und dergleichen Platz, so zumindest die Ausgangs-Idee. Nach technischen Rückschlägen und aufgeschobener Pilotphase präsentierte Google auf der diesjährigen I/O-Entwicklerkonferenz eine neue Version von Project Ara – zur Enttäuschung im Publikum, denn aus der ursprünglichen Modularität war nur ein Bruchteil übrig geblieben. Nur noch im Grunde optionale Module wie Kamera, sekundäres Display und Co. waren auswechselbar – der technische Kern ist hingegen fest verbaut.

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Welches modulare Konzept überzeugt?

Die Ausgangsfrage dieses Artikels zu beantworten, gestaltet sich nach reiflicher Überlegung schwierig. Denn im Endeffekt kann keines der genannten Konzepte so wirklich überzeugen. Es ist offenkundig, dass wir es noch mit der ersten Generation modularer Smartphones zu tun haben, die noch viel Luft nach oben lässt.

Dabei ist beispielsweise der Ansatz von LG und Lenovo gar nicht mal so verkehrt. Mittels simpler Mechanismen kann der Nutzer selbstständig Funktionen hinzufügen, ohne zu einem anderen Gerät greifen zu müssen. Diese Flexibilität ist löblich, kommt aktuell aber noch mit kaum einem Mehrwert daher – eher im Gegenteil: Das LG G5 verfügt diversen Berichten zufolge, so auch in unserem Test des G5, über überdimensionierte Spaltmaße zwischen Gehäuse und abnehmbarer Unterseite. Wie sich das Moto Z in natura schlägt, bleibt abzuwarten, da der Marktstart erst im September erfolgen soll.

Dasselbe gilt im Übrigen auch für Project Ara, denn laut Google sollen im Herbst erste Entwicklerversionen verteilt werden. Der ansonsten so ambitionierte Konzern aus Mountain View machte aber bekanntlich leider einen Rückzieher von dem, was Enthusiasten als wahre Modularität bezeichneten. Als Grund dafür nennt Google diverse Umfrageergebnisse, wonach die Mehrheit der Nutzer derartige Komponenten wie CPU, GPU, Akku und Display angeblich gar nicht austauschen wollen.

Semi-Modularität ohne Mehrwert

Doch aus welchem Grund greift Google bei einem solch ambitioniertem Moonshot auf die Meinung der Mehrheit zurück? Natürlich macht sich aktuell kaum jemand Gedanken darüber, wie es wohl wäre, den Prozessor nach Gutdünken auszutauschen. Allerdings ist es genau dieser Gedanke, der Project Ara, ehemals als Phonebloks bekannt, so faszinierend gemacht hat. Die neue Version hingegen ist kein Konzept, das rundherum überzeugt.

Denn letztendlich bringt diese Semi-Modularität, die LG, Lenovo und mittlerweile auch Google verfolgen – ich wiederhole mich – kaum einen Mehrwert. Vielleicht möchte ich den Akku nach zwei Jahren austauschen, weil die Ausdauer nachlässt? Womöglich möchte ich nach einem Jahr auch den neuesten Prozessor sowie mehr Arbeitsspeicher haben, weil ich die Leistung brauche? Ein Mini-Projektor hilft mir da nur wenig weiter und am Ende werde ich mit den hier genannten Konzepten doch zu einem neuen Smartphone greifen müssen.

Das könnte, neben technischen Hürden, auch die Motivation der Hersteller sein, die Modularität einzuschränken: Wenn Kunden anstatt eines ganzen Smartphones nur einzelne Bauteile nachkaufen, bleibt natürlich gegebenenfalls Geld auf der Strecke. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest Google bereits ein Project Ara 2.0 im Hinterkopf hat, das den Erwartungen an ein modulares Smartphone gerecht(er) wird – die erste Generation überzeugt leider nicht.

Project Ara, LG G5 oder Moto Z?

Facebook-Umfrage

Auf Facebook haben wir eine kleine Umfrage durchgeführt, um Meinungen darüber einzuholen, welches modulare Konzept denn am ehesten noch überzeugt. Das Ergebnis spricht für sich: Project Ara, insbesondere in der ursprünglichen Form, weiß aktuell am meisten zu gefallen. Während das LG G5 immerhin noch ein paar ehrenwerte Stimmen sammelt, hat das Moto Z praktisch keine Chance in der Gunst der potenziellen Käufer.

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