Razer Phone im Test: Wie Gaming ist dieses Smartphone?

Frank Ritter

Fantastisches 120-Hz-Display: Check. Toller Klang: Check. Im Test zum Razer Phone klären wir, ob das reicht, um ein gutes Smartphone zu sein.

Razer Phone im Test: Wie Gaming ist dieses Smartphone?

Die Geschichte der Gaming-Handys ist eine Geschichte der Fehlschläge. Nokia produzierte mit dem N-Gage in den Neunzigern ein irres Konzept, das floppte. Sony-Ericsson wandte sich Anfang der Zehnerjahre an die eigene, PlayStation-verwöhnte Zielgruppe, versagte aber mit dem Xperia Play in vielen wichtigen Details (Leistung, Display, Kontrolle) und traute sich an keinen Nachfolger heran. Trotzdem wollten und wollen Menschen auf ihren Handys spielen. Und weil sämtliche Versuche scheiterten, die Telefon-Hardware ans Gaming anzupassen, wurden halt die Games an mobile Geräte angepasst. Angry Birds, Candy Crush, Temple Run und Clash of Clans sind nur einige der Mobile Games, die über die Jahre Milliarden Menschen begeisterten. Nicht obwohl, sondern weil sie wenig komplex sind, schnell konsumierbar, auch auf Geräten mit wenig Leistung laufen und konstant wiederkehrende Belohnungsmomente ausgerichtet sind – um Suchtspiralen zu schaffen. Core Gamer-rümpfen darüber standesgemäß die Nase – um trotzdem Candy Crush Soda anzuwerfen, wenn sie mal 10 Minuten auf ihren Bus warten müssen.

Nun schreiben wir aber mittlerweile das Jahr 2018. Smartphones haben ein Leistungsniveau erreicht, mit dem das Spielen von A-Titeln möglich ist. Komplexe Games wie PUBG, Fortnite und Final Fantasy XV erobern mobile Plattformen, MOBAs wie Vain Glory und PC-Umsetzungen wie World of Tanks machen auf Smartphones „echten“ Spielen auf dem PC Konkurrenz. Die Spiele sind da, die Leistung ist da, aber … es gibt kaum aktuelle Smartphones, die auf die Zielgruppe Core Gamer zugeschnitten sind.

Razer, bekannt für High-End-Laptops und PC-Gaming-Peripherie wie Mäuse und Tastaturen, hat sich daran gestört und das Heft in die Hand genommen. Anfang 2017 übernahm der US-Konzern zunächst das Smartphone-Startup Nextbit. Die wiederum hatten mit dem Erstling Nextbit Robin 2016 einen Achtungserfolg hingelegt, das nur offenbar kaum jemand gekauft hat. Ende 2017 kam dann also der erste Nachwuchs aus dieser Liaison auf den Markt: das Razer Phone – und damit das erste Gaming-Smartphone seit 7 Jahren, wenn man so will.

Razer differenziert aber beim Konzept. Die Firma wolle kein Gaming-Smartphone bauen, sondern ein Smartphone für Gamer, so der Lingo der Presseabteilung. Klingt spitzfindig, ist aber wichtig – der Smartphone-Aspekt steht beim Razer Phone im Vordergrund. Die Gaming-Fähigkeiten des Geräts sollen das Smartphone ergänzen, nicht einschränken. Welche sind das?

  • technische Daten im High-End-Bereich: Snapdragon 835, 8 GB RAM
  • ein bewusst kantiges Design, damit man das Gerät gut im Landscape-Modus halten kann
  • Lautstärketasten, die auch im Landscape gut bedienbar sein sollen
  • Stereo-Front-Lautsprecher mit „Dolby Atmos“-Unterstützung für virtuellen Raumklang
  • ein großer Akku mit 4.000 mAh Kapazität, der auch bei starker Auslastung länger durchhält
  • ein optimiertes Kühldesign, damit der Prozessor länger einen hohen Takt halten kann
  • ein IGZO-Displaypanel von Sharp mit 120-Hz-Support und die selbst entwickelte „Ultramotion“-Technologie für adaptive Bildwiederholraten, vergleichbar mit Freesync und G-Sync am PC
  • ein spezieller Game-Launcher, mit der für jede Spiele-App Parameter, wie Auflösung und maximale Frameraten, individuell festgelegt werden können

Hier unser erster Eindruck zum Razer Phone im Hands-On-Video:

Razer Phone im Hands-On: Gamer-Smartphone mit 120-Hz-Display.

Speziell das 120-Hz-Panel hat mich als Gamer auszuprobieren gereizt. Stellt sich die Frage: Geht das Konzept auf? Ist dieses 750-Euro-Smartphone (UVP und Stand April 2018 immer noch aktueller Bestpreis) sein Geld wert? Nun, in vielerlei, aber leider nicht in jeder Hinsicht. Ich habe das Razer Phone 2 Wochen benutzt, hier sind die Erkenntnisse.

Was mir am Razer Phone im Test gefiel

Fangen wir mit den Highlights an, davon gibt es einige.

Der Bildschirm

Das Display ist toll. Auch wenn ich AMOLED-Panels sonst besser finde, ist der 120-Hz-Modus in dem verbauten Sharp IGZO-Panel eine Wucht. Merkwürdig, dass Razer ihn nicht von Beginn an aktiviert – standardmäßig sind 90 Hz eingestellt, mit denen das Razer seine größte Stärke nicht vollständig ausspielt. Der erste Schritt nach Inbetriebnahme sollte also sein, in den Einstellungen die Bildwiederholrate auf 120 Hz umzustellen.

Wer denkt, dass 120 Hz nur in Spielen Vorteile bringen, vertut sich. Vor allem das Scrolling in den Menüs im Betriebssystem und die Animationen beeindruckten mich. Kein Smartphone, das ich je getestet habe, steuert sich so geschmeidig wie das Razer Phone. Insbesondere wenn man danach wieder auf ein Smartphone mit normalem 60-Hz-Panel wechselt, merkt man, wie himmelweit dieser Unterschied ist. Dass die Blickwinkelstabilität und Helligkeit geringer ist, als beispielsweise bei Display-Primus Samsung, muss man verknusen – die 120 Hz holen das aber raus. Hey, Apple, Huawei und Samsung: Schaut auf dieses Telefon und macht eure Panels endlich auch 120-Hz-fähig (Apple machts schon bei seinen iPad Pros, aber es geht mir um Smartphones).

Die Leistung

Das Razer Phone hat jede Menge Reserven und beschleunigt aktuelle, anspruchsvolle 3D-Titel so, wie es sich gehört. Auch wenn der Snapdragon 835 nach Marktstart des Razer Phone durch den etwas höher taktenden Snapdragon 845 (verbaut zum Beispiel im Sony Xperia XZ2) an der Leistungsspitze abgelöst wurde, läuft auf dem Gerät jedes aktuelle Android-Game gut – und das wird auch in den nächsten 2 Jahren so bleiben. Das optimierte Kühlsystem und die Metalloberfläche bewirken, dass hohe Taktraten länger als bei anderen Geräten gehalten werden. Im Alltag merkt man das aber eher nicht, allenfalls am warm werdenden Gehäuse. Das ist wohlgemerkt ein gewünschter Effekt. Er spricht dafür, dass Wärme gut aus dem Gehäuseinnern abgeleitet wird. Wer das nicht mag, sollte das Leistungsniveau fürs gewünschte Spiel im Game Launcher begrenzen.

Die Lautsprecher

Das Razer Phone hat tollen, glasklaren Sound. Weil die Stereo-Speaker Volumen im Gehäuse haben und in Richtung des Nutzers erschallen, ist sogar ein bisschen „Wumms“ dahinter – selbst bei hohen Lautstärken. Klar, Party machen geht damit nicht unbedingt, für den mittlerweile ja nicht mehr ganz unüblichen Anwendungsfall „Netflix per Handy“ ist das Razer Phone aber die aktuell beste Smartphone-Option. Auch weil mit Dolby-Atmos-Unterstützung und diversen Profilen der Sound noch etwas runder und weniger flächig klingt als bei anderen Smartphones. Ja, mir ist bewusst, dass das etwas esoterisch klingt, aber der Unterschied wird deutlich, wenn man Atmos ausschaltet. Die Lautsprecher sind also richtig klasse, haben nur einen Nachteil: Sie nehmen ziemlich viel Platz an der Front weg – dazu gleich mehr.

Software-Anpassungen

Zusätzlich zu einem weitgehend naturbelassenen Android installiert Razer netterweise den Nova Launcher in der Pro-Version vor – und damit den besten Launcher für viele Android-Enthusiasten. In einem separaten Artikel erklären wir, was man mit Nova alles machen kann:

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12 Bilder
10 Gründe, warum Nova Launcher auf jedes Android-Handy gehört.

Daneben gibt es eine Theme-Engine und mit dem Game Booster ein Tool, über das man für Spiele-Apps individuell Parameter wie Auflösung, Deckelung der Framerate, Anti-Aliasing (MSAA) und CPU-Takt festlegen kann. Praktisch!

Die Verarbeitung

Es ist eigen, folgt definitiv nicht den aktuellen Trends und dürfte auch nicht jedermanns Sache sein. Man kann aber definitiv festhalten, dass das Industriedesign on fleek ist. Symmetrie, saubere Verarbeitung, geringe Spaltmaße, wertige Materialien – so muss das sein. Nur die kleinen Löcher an den Lautsprechern sind nicht optimal, hier kann sich Staub ablagern.

Die Verpackung

Heidewitzka, ist die hübsch. Hier wird schon beim Öffnen kommuniziert: Wertiges Produkt, gut angelegtes Geld. Die Hardware bestätigt das dann auch. Nicht nur das Telefon selbst, sondern auch das Netzteil nebst textilummanteltem Kabel und das sonstige Zubehör wirken edel. Well done, Razer.

Was okay war

Nicht berauschend, aber gut waren einige weitere Aspekte, von denen ich hier die wichtigsten nennen möchte.

Der Akku

4.000 mAh klingt viel und ist es auch. Für einen normalen Arbeitstag reicht die Kapazität auch dicke – zum Vergleich: Während das Galaxy S9 bei meinem Nutzungsverhalten bereits bei 12 Stunden die Segel streicht, komme ich mit dem Razer Phone 20 Stunden und mehr zurecht. Das ist okay, allerdings hätte ich angesichts der Akkukapazität etwas mehr erwartet. Zum Vergleich: Mit dem OnePlus 5T habe ich in der Regel nach 24 Stunden 30 % übrig. Was hilft: Always-On-Display abschalten, Display nicht heller als nötig regeln. Cool ist, dass die Schnellladetechnik Quick Charge 4.0 integriert ist – die Ladegeschwindigkeit kommt aber immer noch nicht an DashCharge bei OnePlus heran.

Die Kamera

Das Razer Phone hat eine Dual-Kamera auf der Rückseite – eine 12-MP-Kamera mit einer Blendenöffnung von f/1.8 und ein 12-MP-Modul mit einer Blendenöffnung von f/2.6 und zweifachem optischen Zoom. Die macht stabile Fotos. Keine berauschend guten, aber solide Bilder, wenn das Licht stimmt und man die Kamera ruhig hält – optische Bildstabilisierung ist nicht vorhanden. Allgemein wirken die Bilder etwas dunkler als bei anderen Geräten, unter Lowlight-Bedingungen vermatschen die Bilder mitunter ziemlich stark, hier scheint die Rauschunterdrückung zu aggressiv vorzugehen. Der optional zuschaltbare HDR-Modus wirkt subtil, kann aber etwas mehr aus den Bildern herausholen. Einen Porträtmodus oder andere Aufnahmemodi bietet Razer in seiner funktionsarmen Foto-App nicht an.

Im Video-Bereich enttäuscht das Razer Phone. Unabhängig von der gewählten Auflösung kann es keine Videos mit 60 FPS aufnehmen, die elektronische Bildstabilisierung ist nur in 1080p-Auflösung aktiv und bewirkt starkes Ruckeln im Sucher während der Aufnahme. Im finalen Video sind die Ruckler zwar nicht mehr vorhanden, allgemein scheint die Kamera von der Prozessorleistung und den Optimierungen des Snapdragon 835 kaum Gebrauch zu machen. Hoffentlich bringen Firmware-Updates in Zukunft Linderung.

Der Speicher

64 GB Speicher sind eine angemessene Größe für die meisten Smartphone-Nutzer. Angesichts des Gerätepreises und der Zielgruppe – Games verbrauchen traditionell relativ viel Platz auf einem Smartphone – hätten es ruhig 128 GB sein können. Immerhin kann man den Speicher per micro-SD-Karte erweitern.

Das Design

Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten. Dankbar bin ich zumindest dafür, dass Razer mit seinem ersten Smartphone nicht den Weg der PC-Gaming-Hardware gegangen ist. Ihr wisst schon: Kantige Formen, Alien-Raumschiff-Optik, LED-Beleuchtung und dergleichen. Trotzdem ist das Design des Razer Phone eigen. Das fängt beim ziemlich undezenten Logo auf der Rückseite an, dagegen wirkt der angebissene Apfel auf der iPhone-Rückseite schon subtil. Dann ist das Gerät einfach groß. Klar, ein Smartphone mit 5,7-Zoll-Display wird nie ein kompaktes Gerät sein, aber Razer ist auch sonst nicht sparsam mit dem Platz. Das kantige Design im Stile früherer Sony-Geräte tut sein Übriges – einhändige Bedienung ist deswegen und wegen des glatten Materials beinahe durchgehend unmöglich, mehr als einmal ist mir das Gerät fast aus der Hand gefallen – und ich habe normal große Herrenhände. Wohlgemerkt: Das betrifft den Alltagseinsatz im Porträtmodus. Im Landscape ist das Razer Phone eine wunderbare Multimediamaschine – wenn man es mit zwei Händen festhält. Einhändiges Halten wird aufgrund der Größe und des Gewichts schnell anstrengend.

Ultramotion

Razer hat eine FreeSync-ähnliche Technologie integriert, mit der sich die Bildwiederholrate an die FPS anpasst, die von der GPU geliefert wird. In der Theorie sollte das ein flüssigeres Spielerlebnis bieten, mit weniger Mikrorucklern oder Bildrissen und mit geringerem Inputlag. Ich habe es mit verschiedenen Games (PUBG Mobile, Riptide GP: Renegade, Gear Club) ausprobiert. Der Effekt ist subtil, aber wahrnehmbar. Den weitaus größeren Unterschied macht aber auch an der Stelle das 120-Hz-Display – zumindest wenn der Titel anspruchslos ist. Ein banaler 2D-Titel wie Slidey profitiert enorm; bei anspruchsvollen 3D-Games nahm ich auch mit Ultramotion kaum einen Unterschied wahr, vermutlich, weil die Framerate häufig bei 60 FPS gedeckelt war und auch nur wenig Ausreißer nach unten stattfanden.

Was weniger gut war

Das Razer Phone ist ein gelungenes High-End-Smartphone mit diversen Stärken. Aber auch Schwächen. Das sind diese hier:

Die Buttons

Beim seitlich in den Powerbutton integrierten, recht schmalen, Fingerabdrucksensor hat sich Razer von Sony inspirieren lassen. Das ist okay, man muss aber stets noch die Taste drücken, um das Gerät zu aktivieren. Da die Erkennungsgenauigkeit auch nicht ganz so hoch ist wie bei Konkurrenzgeräten, ist das etwas unkomfortabel. Die Lautstärketasten sind zu klein und lassen sich zu schwer eindrücken, liegen in einer für Rechtshänder nicht allzu gut erreichbaren Position. Das Argument, man könne die Lautstärke so im Landscape besser regeln, zieht auch nicht so richtig.

(Lange) veraltete Software

Zum Release Mitte November 2017 kam das Razer Phone mit Android 7.1.1 auf den Markt – also einem Betriebssystem, das damals schon fast ein Jahr alt und seit knapp 3 Monaten veraltet war. Erst kurz vor Ende des Testzeitraums, im April wurde Android 8.1 auf das Razer Phone ausgerollt. Das ist einfach zu spät. Immerhin läuft jetzt ein aktuelles Android auf dem Razer Phone – bleibt zu hoffen, dass Razer auch in Zukunft die Software aktualisiert, und zwar am besten zeitnaher.

Bluetooth-Probleme

Im Betrieb hatte ich immer wieder Probleme mit dem Aufrechterhalten von Bluetooth-Audio-Verbindungen. Die Bluetooth-Verbindung wurde normal etabliert, die Wiedergabe brach aber nach einigen Sekunden ab. Das Problem trat sowohl mit einem Bluetooth-Speaker auf, als auch mit einem Kopfhörer und verschiedenen Amazon-Echo-Geräten – in verschiedenen Foren fanden sich gleichlautende Berichte. Bei einem kurzen Test nach dem Update auf Android 8.1 trat das Problem nicht mehr auf, sei aber pro forma erwähnt.

Die Vibration

Es mag nach einer Kleinigkeit klingen, aber sie fällt auf: Der Vibrationsmotor im Razer Phone ist absurd schlecht. Das Ding klingt wie Röchelhusten bei Wollmäusen, vibriert wie ein Massagestab mit verendendem Akku und wirkt irgendwie … kaputt. Was ist da schiefgelaufen, bitte?

Dual-SIM fehlt

Hersteller wie Samsung, HTC und Sony statten mittlerweile selbst ihre High-End-Modelle mit Dual-SIM-Funktionalität aus – zumindest im Direktverkauf. Dual-SIM ist von einem exotischen Nischenfeature zu einer Mainstream-Option geworden, und damit zum Standard. Warum Razer sich gegenüber diesem Trend verweigert, bleibt rätselhaft. Schließlich verkauft man die Geräte ausschließlich frei und muss sich nicht den Interessen der Netzbetreiber beugen. Das ist insbesondere deshalb schade, weil sich in Hard- und Software Hinweise darauf finden, dass Dual-SIM mindestens angedacht war (Form des SIM-Trays, Text-Schnipsel wie „SIM 1“ in der Software).

Nullrunde bei Klinkenbuchse und Kopfhörern

Dass manche Hersteller aufgrund der Bauform ihrer Geräte oder aus Kostengründen auf die Klinkenbuchse verzichten – geschenkt. Das gigantische und auch recht teure Razer Phone ist diesen Sachzwängen nicht unterworfen und hätte einen Headphone-Jack verdient gehabt. Ein Adapter Klinke auf USB-C liegt bei. Leider jedoch keine Kopfhörer – die zum Gerät passenden Hammerhead-Ohrhörer werden nur separat verkauft.

Sparsamkeit bei weiteren Extras

Ähnliches gilt für diverse weitere fehlende Extras, so zum Beispiel Unterstützung von kabellosem Laden per Qi Wireless, UKW-Radio-Unterstützung, Infrarot-Schnittstelle oder der fehlenden Wasserdichtheits-Zertifizierung. Für sich genommen sind das Extras, die sicher nicht jeder braucht. Dass Razer solche Sonderfeatures aber im großen Stil weglässt, ist bedauerlich und unterstreicht nicht den Premium-Anspruch, den das Gerät über seinen Preis für sich in Anspruch nimmt. Zumal schon viele weitere preiswertere Konkurrenzmodelle mindestens ein paar dieser Features integriert haben.

Und zum Schluss sei noch erwähnt, dass ein Gaming-fokussiertes Smartphone natürlich auch eine Gelegenheit gewesen wäre, einen Controller mitzuliefern – wer Spiele auf dem Smartphone zockt, will das eben nicht unbedingt immer auf dem Touchscreen tun und Razer hat zumindest an einem Punkt in der Vergangenheit bereits einen gebaut.

Test-Fazit zum Razer Phone

Ich habe das Razer Phone gerne genutzt. Nein, mein Impuls zum Zocken war dabei nicht größer als bei anderen Devices, aber ich bin einfach ein Riesen-Fan vom 120-Hz-Display. Auch wenn die reale Leistung dadurch nicht steigt, ist die wahrgenommene Performance beim Razer Phone einfach viel höher als bei anderen Smartphones. Ja, auch im Vergleich zu den High-End-Smartphones von Sony, Huawei, Samsung und Apple. Abgesehen von einigen Japan-exklusiven Sharp-Smartphones und einem Software-gehackten Sony Xperia XZ Premium gibt es bislang einfach keine Smartphones mit High-Framerate-(HFR)-Support – das möchte sich bitte ändern.

Auch die allgemeine Verarbeitungsqualität, die tollen Frontlautsprecher und der vorinstallierte Nova Launcher sind Highlights vom Razer Phone. Abgesehen davon ist mir das Smartphone aber zu klobig und unhandlich für die Alltagsnutzung. Ich finde, Razer sollte auch ein kleineres Gerät bauen. Dabei bitte auch Detail-Verbesserungen vornehmen, etwa im Bereich Vibrationsmotor und Software-Versorgung. Alles in allem aber ein runder Einstand im Smartphone-Sektor. Dranbleiben, Razer!

Test-Wertung zum Razer Phone

Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
Design streitbar, aber sauber verarbeitet.
Display: 4/5
Dunkel, schlechte Blickwinkel, aber fantastische 120 Hz.
Kameras: 2/5
Funktionsarme App, zu wenig Video-Optionen, Foto-Qualität höchstens durchschnittlich.
Software: 5/5
Dank (spätem) Software-Update endlich auf neuestem Stand, sinnvolle Ergänzungen zu Vanilla-Android.
Performance: 5/5
Immer noch ein Top-SoC des letzten Jahres, satter Arbeitsspeicher.
Telefonie und Audio: 4/5
Telefonie gut, aber nicht auf Top-Niveau. Hervorragende Lautsprecher.
Konnektivität und Speicher: 3/5
Für die Preisklasse zu wenig interner Speicher, Dual-SIM fehlt. Sonst gut.
Akku und Alltag: 3/5
Akku und Ladegeschwindigkeit für die Größe gut, gelegentlich Probleme im Alltag durch Gerätegröße und -Form

Gesamtwertung: 75 %

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