Samsungs Falt-Smartphone: Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Kaan Gürayer 6

Laaaangweilig! Beim Blick auf die Smartphone-Branche überkommt einem nur noch müdes Gähnen. Kleinste Fortschritte werden schamlos als Revolution verkauft, während echte Technik-Sprünge seit Jahren auf sich warten lassen – zumindest bis jetzt. Denn wieder einmal hat es Samsung geschafft, mit dem Galaxy Fold einer fast schon klinisch toten Industrie neues Leben einzuhauchen. 

Samsungs Falt-Smartphone: Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Nicht nur Samsung feiert in diesem Jahr mit der Vorstellung des Galaxy S10 ein kleines Jubiläum, sondern auch der Autor dieser Zeilen. Vor genau zehn Jahren habe ich mir mein allererstes Smartphone zugelegt – ein Motorola Milestone. Ohne wie ein kriegsmüder Soldat wirken zu wollen: In diesen zehn Jahren habe ich wirklich alles gesehen. Von HTCs traurigem Sturz in die Bedeutungslosigkeit über den atemberaubenden Aufstieg von Huawei bis hin zu den spektakulären Fehlschlägen von Microsoft, endlich einen Fuß in den Mobilfunkmarkt zu bekommen.

Erst ausgelacht, dann kopiert: Das Samsung Galaxy Note

Vielleicht muss ich deshalb schmunzeln, wenn ich mir jetzt die Kritik am Galaxy Fold anhöre. Zu unhandlich sei Samsungs Falt-Smartphone, zu unausgereift die Technik und mit einem Preis von 1.900 US-Dollar natürlich auch viel zu teuer. Die Rüffel kommen mir doch irgendwie bekannt vor … Ach ja, genau: Das gleiche hat man 2011 bei der Vorstellung des allerersten Galaxy Note auch gesagt. In einer Zeit, in der die 3,5-Zoll-Displaydiagonale des iPhone das Maß aller Dinge waren, musste sich Samsung für den 5,3-Zoll-Bildschirm im Ur-Note regelrecht Spott anhören. Der Erfolg gab den Südkoreanern allerdings Recht: Nur wenige Jahre später hatten alle namhaften Handyhersteller XXL-Smartphones im Programm – inklusive Apple.

Das gleiche Spiel wiederholte sich, als Samsung die abgerundeten Bildschirmränder vorgestellt hat: „Wer braucht denn sowas?“ oder „Total unnütz!“ waren einige der freundlicheren Kommentare zu den Edge-Displays. Und heute? Von Huawei über Xiaomi bis hin zu Sony verbauen alle bekannten Android-Hersteller Displays mit abgerundeten Rändern. Wieder hat am Ende Samsung Recht behalten. Wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten.

Auf einem Unpacked-Event hat Samsung das Galaxy Fold vorgestellt: 

Samsung Galaxy Fold: Das weltweit erste faltbare Smartphone.

Mit dem Galaxy Fold denkt Samsung das Smartphone radikal neu

Jetzt beweist Samsung erneut den Mut, mit Konventionen zu brechen und etwas Neues zu schaffen. Und die Geschichte wiederholt sich: Wieder kommen die Nörgler aus ihren Ecken gekrochen und kritisieren das Unternehmen dafür, neue Wege zu bestreiten. Das „Smartphone“ radikal neu denken zu wollen.

Dass das Galaxy Fold ein Verkaufsschlager wird, wage auch ich zu bezweifeln. Selbst wenn der Preis fällt, ist die UVP von 1.900 US-Dollar dermaßen hoch angesetzt, dass das Falt-Handy wohl kaum den Massenmarkt durchdringen kann. Aber das ist gar nicht der Punkt. Auch das erste Galaxy Note mit Edge-Display war für damalige Verhältnisse extrem teuer und nicht für den Mainstream gedacht – trotzdem hat es Samsung in den Handel gebracht.

Andere Hersteller tüfteln auch an Falt-Smartphones – hinter verschlossenen Türen: 

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Faltbare Smartphones: Das planen Samsung, Huawei, Xiaomi und Co.

Galaxy Fold: Samsung hat den Mut, das Falt-Smartphone an die Öffentlichkeit zu bringen

Irgendwann reichen Simulationen oder interne Tests nämlich nicht mehr aus, irgendwann muss ein neues Produkt auf den Markt und sich dort realen Bedingungen stellen. Nur so können Stärken und Schwächen objektiv eingeschätzt werden, um im Anschluss darauf aufbauen zu können. Das allerdings erfordert Mut.

Hier geht es nämlich nicht um den 27. Aufguss einer im Grunde schon zu Ende entwickelten Gerätekategorie, sondern um ein völlig neues Produkt. Dafür applaudiere ich Samsung! Dass sie das Galaxy Fold nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag weiter im stillen Kämmerlein entwickeln, sondern die Courage haben, mit ihrem Falt-Smartphone an die Öffentlichkeit zu gehen – mit allen positiven oder negativen Konsequenzen, die daraus womöglich erwachsen.

Und wenn in zwei oder drei Jahren das Galaxy Fold 3 erscheint, das alle Kinderkrankheiten seiner Vorgänger ausgemerzt hat, erinnern sich hoffentlich alle Kritiker an Samsungs Mut. Denn auch in der Smartphone-Branche gilt: Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

(Hinweis: Die in diesem Kommentar geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.)

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