Keine Angst, das Samsung Galaxy Note 5 kommt natürlich auch nach Europa [Meinung]

Frank Ritter

Das war eine ziemliche Bombe, die Samsung da am vergangenen Donnerstag hat platzen lassen: In hiesigen Gefilden werde Samsung das Galaxy Note 5 nicht veröffentlichen, das Galaxy S6 edge+ werde stattdessen seinen Platz an der Flaggschiff-Phablet-Front einnehmen. Fans der klassischen Note-Serie waren enttäuscht, eingeschnappt, erbost gar, dass sie ihren geliebten Stylus gegen ein paar unmotiviert abgerundete Seiten eintauschen sollten. Kein Grund für derlei Emotionen, denn natürlich wird das Galaxy Note 5 auch in den deutschsprachigen Ländern erscheinen. Warum wir das glauben? Aus unserer Sicht sprechen fünf gute Gründe dafür.

Grund 1: Marktforschung und Timing

Es gibt, grob eingeteilt, zwei Typen von Menschen, die in den vergangenen Jahren auf die Phablets der Galaxy Note-Serie abgefahren sind: Einerseits Multimedia-User, die auf das große Display standen, etwa für Filme, Videoclips und Games. Andererseits die Produktivnutzer („Prosumer“), die die zusätzliche Funktionalität wollten, sprich: Stylus-Eingabe, Schrifterkennung, Multitasking und dergleichen. Erstgenannte Gruppe, und das ist nur eine Einschätzung meinerseits, dürfte die bedeutend größere sein. Das weiß Samsung als Konzern, der ein nicht unbedeutendes Budget in die Marktforschung investiert.

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Samsung Galaxy Note: Rückblick auf die Geschichte des Spitzen-Phablets

Nun sind die Note-Geräte bei weitem nicht mehr die einzigen Geräte mit großen Displays am Markt. Größter Konkurrent ist natürlich Apple mit seinem iPhone 6 Plus, dessen Nachfolger wahrscheinlich Anfang September, kurz nach der IFA, auf einer eigenen Keynote präsentieren wird und das schätzungsweise ab Ende September, Anfang Oktober verkauft wird. Dass Samsung sein Galaxy S6 edge+ bereits jetzt vorgestellt hat und Anfang September in den Handel bringt, hat den einleuchtenden Vorteil, dass Samsung somit knapp einen Monat früher als Apple mit seinem Phablet am Markt ist – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und warum nur das edge+? Nun, Samsung war selbst überrascht ob der Tatsache, dass das Galaxy S6 edge – ohne Plus – gerade auf den europäischen Märkten gut funktioniert. Und mit den nach unten gewölbten Rändern des S6 edge+ hat das Phablet ein optisches Alleinstellungsmerkmal, das gerade im Vergleich zur ebenso Style-verliebten Apple-Konkurrenz zieht und vielleicht sogar ein paar Apple-Fans schwach werden lässt.

Warum hat Samsung dann nicht gleich das Galaxy Note 5 mit den sich nach unten verjüngenden Seiten ausgestattet? Dies hätte den Nachteil, dass der Stylus stets in Gefahr liefe, abzugleiten – nicht gerade ideal im Handling. Und warum bringt Samsung nicht auch in Europa das Galaxy Note 5 und S6 edge+ gleichzeitig heraus? Nun, Samsung würde hier einerseits riskieren, die Nutzer mit zwei relativ ähnlichen Geräten zu verwirren – zumal die Prosumer-Zielgruppe der Note-Serie wahrscheinlich sowieso nicht auf das iPhone 6s Plus (oder wie auch immer es heißt) setzen würde. Andererseits kann es sich Samsung auch nicht leisten, auf diese Zielgruppe zu verzichten. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt …

Grund 2: Samsung ist immer noch Samsung

Dass Samsung bestimmte Geräte nur in wenigen Ländern herausbringt, kommt eher selten vor. Im Gegenteil: Der südkoreanische Hersteller ist dafür bekannt, die Märkte mit unterschiedlich benannten, aber fast identischen Mittelklasse-Geräten zu fluten. Die Frage mag profan klingen, aber warum sollte Samsung ausgerechnet bei seinem Feature-Flaggschiff und ausgerechnet einem der drei wichtigsten Geräte des Jahres eine Ausnahme machen? Das klingt ein wenig nach PR-Stunt, nach künstlicher Buzz-Erzeugung. Vielleicht gibt es auch andere Gründe für die Verzögerung, etwa Lieferverknappungen für Note-spezifische Hardware-Komponenten wie den Digitizer oder dergleichen.

Über die Gründe können wir nur spekulieren, im Ergebnis kommt es aber auf das Gleiche heraus. Wetten, dass Samsung auf der IFA-2015-Pressekonferenz oder etwas später seinen „We heard you, loud and clear“-Moment zelebriert und zu unser aller Erleichterung das europäische Note 5 wie einen Phönix aus der Asche auferstehen lässt? So kann sich Samsung auch gleich noch ein wenig volksnah inszenieren – obwohl dieses Vorhaben sicherlich jetzt schon komplett durchgeplant ist.

Samsung Galaxy Note 5 im Hands-On.

Grund 3: Ein Präzedenzfall

Schon im letzten Jahr gab es einen vergleichbaren Fall. Wir erinnern uns: Da wollte Samsung wissen, ob man das Galaxy Note edge – den halben Vorgänger des S6 edge+ – auch nach Deutschland bringen wolle. Das Ganze mit einer schon damals aus unserer Sicht etwas halbseidenen Aktion: Man bat um etwas mehr als 120.000 Stimmen-Klicks auf der Samsung-Website, die natürlich innerhalb kürzester Zeit erreicht wurden, und rührte zusätzlich noch ein wenig die Werbetrommel für das, aus damaliger Sicht, kuriose Gerät. Natürlich war von vornherein klar, dass die Klickzahl erreicht würde, natürlich war der Hersteller perfekt auf den positiven Ausgang vorbereitet. Zack, fertig: kostenlose Werbung. Das Konzept hat funktioniert, warum sollte Samsung es nicht wiederholen?

Grund 4: „Vorerst“

Kommen wir zu einem etwas handfesteren Beleg: Ein winziges Wörtchen in der Pressemitteilung, die Samsung zum Start von Galaxy S6 edge+ und Galaxy Note 5 herausgab: Im kleinen Passus am Ende heißt es (Hervorhebung von uns):

In Deutschland wird das Samsung Galaxy Note 5 vorerst nicht erhältlich sein.

Dieses „vorerst“ lässt Raum für Interpretationen und ist zuminmdest keine so definitive Absage an ein europäisches Note 5 wie man mancherorten liest.

Grund 5: Das ominöse F-Modell

Ein letzter deutlicher Hinweis erreichte uns über eine Leser-Mail an den Kollegen Chris von TabTech. Danke an der Stelle an Rick. So ist bei der Zertifizierungsstelle Bluetooth-SIG auch ein Gerät mit dem Ländercode SM-920F gelistet – SM-920 repräsentiert die Gerätefamilie Galaxy Note 5 (das S6 edge+) das F zum Schluss stand zuletzt immer für die europäischen Versionen der Galaxy-Geräte.

samsung-galaxy-note-5-bluetooth-sig

Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Rest-Unsicherheit bleibt

Die Zeichen sind eigentlich deutlich, hundertprozentig sicher können wir aber natürlich nicht sein. Falls unsere Prognose zum Europastart des Note 5 aber eintrifft, dürften wir aber sicher schon recht bald davon hören – Samsung wird das Galaxy Note 5 vermutlich nicht zu einem Zeitpunkt in die alte Welt bringen, zu dem das Gerät schon ein alter Hut wäre. Die Pressekonferenz auf der IFA 2015 wäre ein gelungener Anlass – der Hersteller würde es damit sogar schaffen, nicht mit der Tradition der Vorgänger zu brechen und hätte damit sogar noch ein wichtiges Gerät für eine der wichtigsten Elektronikmessen des Jahres im Gepäck. Wir sind gespannt – und halten euch natürlich auf dem Laufenden.

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