Funktionalität des Galaxy Note 8: Man muss es schon wollen

Stefan Bubeck 5

Das Galaxy Note 8 bringt einige Merkmale mit sich, die es aus der Masse herausheben sollen. Fangen wir mit dem schwächeren Punkt an, dem Iris-Scanner zum Entsperren des Handys. Wie beim S8 gilt auch hier: Er funktioniert meistens – aber eben nicht immer. Man muss regelrecht üben, die beste Position zu finden. Bei gleißendem Sonnenlicht sollten Brillenträger lieber das Entsperrmuster oder den Fingerabdrucksensor nutzen, das klappt wenigstens garantiert und ist superschnell. Der Scanner ist – rückseitig und auf Höhe der Kameralinsen – unglücklich positioniert, aber auch das wurde bereits beim S8 und S8 Plus bemängelt. Man gewöhnt sich daran, das dauert eben ein paar Tage.

Ein echtes Highlight der Note-Serie ist und bleibt der S-Pen, der auf der rechten Seite im Gehäuse sicher verstaut wird. Dieser Stauraum dürfte einer der Faktoren dafür sein, dass die Akkukapazität des Note 8 etwas geringer ausfällt, als sich so manch einer erhofft hat. Aber dazu später mehr. Ein gezielter Druck auf die rechte untere Ecke des Gehäuses und der Stylus springt hervor, ohne dabei herauszufallen. Dann kann man ihn durch ein sanftes Ziehen entnehmen. Fühlt sich sehr durchdacht an und funktioniert wunderbar.

Der S-Pen ist deutlich dünner und auch etwas kürzer als ein normaler Bleistift. Der Stylus gleitet leichtfüßig über das Display, der Widerstand beim Schreiben ist genau richtig. Ein Bleistift auf Büropapier ist rauer, das Schreibgefühl beim Galaxy Note 8 erinnert eher an einen Ink-Roller auf glattem Hochglanzpapier. Mit 4.096 Druckstufen und einer 0,7 mm feinen Spitze eignet er sich für künstlerische Tätigkeiten. Unsere Redakteurin Christin Richter hat das getestet und für gut befunden, wie unser Video dokumentiert. Note-8-Kaufinteressenten sollten sich unbedingt fragen, ob sich sich in diesem Video wiederfinden:

Zeichnen mit dem S-Pen des Samsung Galaxy Note 8.

Wer an der Nützlichkeit des S-Pens im eigenen Alltag begründete Zweifel hat, dürfte eher mit einem Galaxy S8 Plus glücklich werden. Der Stylus ist etwas, das man wollen muss. Es ist ein Feature, das großes Potenzial mit sich bringt – aber nur, wenn der Bedarf danach vorhanden ist. Das ist keine nette Dreingabe für seltene Einsätze. Business-Anwender, Architekten, Illustratoren und Kreative sind hier die Zielgruppe.

Natürlich eignet sich der S-Pen auch für das präzise Navigieren durch Tabellenblätter oder eine schnelle Notiz (auch im gesperrten Zustand). Aber das ist nicht den Aufpreis wert, der fürs Note 8 im Vergleich zum S8 Plus aufgerufen wird. Wer nicht vorher schon genau weiß, wozu der Stylus gebraucht werden soll, wird dessen Nutzen auch nicht spontan nach dem Kauf entdecken. Galaxy Note 8 kaufen – ja oder nein? Der S-Pen ist hier das entscheidende Kriterium.

Die Software des Galaxy Note 8: Eine Entdeckungsreise für erfahrene Anwender

Wer aus der iOS-Welt stammt und aufgrund des Samsung Galaxy Note 8 einen Wechsel anstrebt, sollte hart im Nehmen sein, denn hier ist nicht alles vorgekaut und man hat bei fast allem einen Strauß voller Optionen zur Auswahl. Installiert ist Android 7.1.1 (Build N950FXXU1AQI1) mit Samsung Experience 8.5 (vormals bekannt als TouchWiz). Mit an Bord sind Samsung-Apps wie Gear, Health oder die Ausmal-App PENUP. Ein zukünftiges Update auf Android 8.0 Oreo ist sicher, nur das Datum steht noch nicht fest.

Vor allem in den ersten Stunden nach der Ersteinrichtung poppen zahlreiche Hinweise und Tutorials auf, die auf diese oder jene Funktion hinweisen, ohne dass man danach gefragt hätte – etwa die Videoverbesserung, sobald man das erste Mal YouTube öffnet. So landet man unfreiwillig in den Einstellungen und muss wieder zurück navigieren.

Auch nach dieser Einführungsphase bleibt das Galaxy Note 8 eines der komplexesten Geräte am Markt, die Funktionsvielfalt ist überwältigend. Der S-Pen hat sein eigenes Menü, das beim Zücken des Stifts auf der rechten Seite aufspringt. So lassen sich schnell Screenshots, GIFs (Smart Select), animierte Schriftzüge (Live-Nachricht) oder Notizen erstellen.

An der abgerundeten Displaykante befindet sich das Seiten-Paneel, das einen schnellen Zugriff auf VIP-Kontakte, Apps, das Wetter oder mehr bietet. Einen Homebutton in Form einer Hardware-Taste gibt’s nicht, dieser wird stattdessen bei Bedarf eingeblendet. Wir haben uns dafür entschieden, die Navigationsleiste dauerhaft einzublenden – es ist schließlich genug Platz auf dem Display vorhanden.

Die fortgeschrittenen Anwender freuen sich über die Multitasking-Fähigkeiten. So lassen sich im Seiten-Paneel App-Paare ablegen, die dann gemeinsam im Splitscreen starten. Dank 6,3-Zoll-Displaydiagonale ergibt das in einigen Fällen durchaus Sinn. Eine nützliche Kombination ist etwa Email und Excel zusammenzulegen.

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iPhone X vs. Galaxy Note 8: Vergleich der Smartphone-Giganten.

Ob nun das Samsung Galaxy Note 8 zu kompliziert oder einfach nur enorm flexibel ist, das liegt im Auge des Betrachters. So oder so: Wer sich ein Note 8 kauft, muss eine gewisse Einrichtungszeit einplanen. Auch nach mehreren Tagen lässt sich in den Tiefen der Einstellungen noch etwas Nützliches entdecken oder eine Verhaltensweise an die persönlichen Präferenzen anpassen. Uns hat das gefallen – als Geschenk für den betagten Opa eignet sich Samsungs Multitalent jedoch nicht, den beglückt man lieber mit einem iPhone. Das Note 8 ist für Profis. Sorry, Opa.

Das Kapitel Bixby haben wir nicht aufgeschlagen. Wenn der digitale Assistent auch auf deutsch verfügbar ist, dann werden wir uns ihm widmen. Bis dahin können auch Google Assistant und Amazon Alexa diese Aufgaben erfüllen. Die Dex Station, die das Galaxy Note 8 zu einem PC aufwerten könnte, wird zu einem späteren Zeitpunkt von uns getestet.

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