Galaxy Note 8 Hardware und Performance: Spitzensportler ohne Schwächen

Stefan Bubeck 5

Das hauseigene SoC Exynos 8895 mit acht Prozessorkernen ist kein Kind von Traurigkeit. Wir haben unter Geekbench 4.1.1 gemessen: Mit 1.996 Punkten im Single-Core- und 6.720 Punkten im Multicore-Test besetzt das Samsung Galaxy Note 8 aktuell den Leistungsthron in der Android-Welt.

Abseits der Messwerte zeigt sich im täglichen Gebrauch, dass Samsungs Flaggschiff durch fast nichts in Bedrängnis gebracht werden kann. Aufwendige 3D-Spiele laufen flüssig, erst Auflösungen oberhalb von Full-HD können für Ruckler sorgen.

Die Android-Oberfläche kommt nie ins Stocken, Apps starten zügig. Die 6 GB RAM (S8/S8 Plus haben nur 4 GB) sind top, machen sich im Alltag aber kaum bemerkbar. Sie kommen erst dann zum Tragen, wenn extrem viele Apps geöffnet sind und ein schneller Wechsel erfolgen soll. Dieses Smartphone dürfte hardwareseitig für die nächsten Jahre gerüstet sein.

Die Audio-Sektion bewerten wir zwiespältig: Der Mono-Lautsprecher rechts unten will so gar nicht zum überragenden Display passen. Eine Stereo-Setup hätte das Galaxy Note 8 zum ultimativen Taschen-Kino qualifiziert – schade. Immerhin ist der Speaker ordentlich laut und verzerrungsfrei. Pluspunkte gibt’s für die verbaute Klinkenbuchse und Bluetooth 5.0 – so ist der Kopfhörer-Betrieb sowohl im Oldschool-Modus gesichert als auch für zukünftige Entwicklungen vorbereitet. Der Klang an der Buchse ist einwandfrei. Die beigelegten In-Ears stammen vom Audio-Spezialisten AKG und sollten die allermeisten Benutzer zufriedenstellen: Bassstark, klar, natürlich und mit einem stoffummantelten Kabel. Nur Audiophile werden sie durch Kopfhörer der 100-Euro-Klasse (oder besser) ersetzen wollen.

An der Empfangsstärke und der Gesprächsqualität bei Telefonaten können wir nichts beanstanden, da ist man mit dem Note 8 auf der sicheren Seite. Wer eine Dual-SIM-Version möchte, findet diese exklusiv im Samsung-Onlineshop unter dem Namen „Galaxy Note 8 Duos“.

Das Galaxy Note 8 ist gemäß dem Standard IP68 staub- und wassergeschützt. So übersteht es das Untertauchen bei 1,5 m Wassertiefe für 30 Minuten.

Beim internen Speicher war Samsung etwas knausrig: In der Preisklasse, in der das Note 8 spielt, wären bestimmt auch mehr als 64 GB möglich gewesen. Andererseits zeigen sich Apple (iPhone X) oder LG (V30) hier auch nicht spendabler. Immerhin lässt sich bei Samsung und LG eine microSD-Karte als Erweiterung einstecken – das ist auch 2017 noch eine praktische Funktion.

Galaxy Note 8 im Akku-Test

Die 3.300-mAh-Batterie im Galaxy Note 8 ist kleiner als der 3.500-mAh-Speicher im S8 Plus, muss aber ein 0,1 Zoll größeres Display-Panel versorgen. Was bedeutet das? Nun, im Normalfall kommt man nicht in die Bredouille. Allerdings ist dieser „Normalfall“ eine Definitionssache. Wer das Note 8 selten aus der Tasche zieht und nur gelegentlich die Mails checkt oder ein Foto schießt, kommt locker auf drei Tage mit einer Ladung Strom. Wer ausgiebig in 4K filmt und aufwendige Spiele genießt, wird es kaum bis zum Abend schaffen. Wir hatten im Testzeitraum am Ende des Tages (7-23 Uhr, ohne Energiesparfunktionen) inklusive zwei Stunden Netflix am Abend meist 20-30 Prozent Restladung zur Verfügung – das ist ordentlich, aber eben kein Ausdauerwunder.

Nützlich ist da die Schnellladefunktion, die sich mit dem beigelegten Netzteil verwenden lässt. Wer im Laufe des Tages auch nur 15 Minuten an eine Steckdose ran kann, muss sich eigentlich keine Sorgen machen. Als netter Bonus wird auch Wireless Charging unterstützt, man muss also nur Daheim und auf der Arbeit eine Station aufstellen, auch dann wird kein Akku-Problem auftauchen.

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5 Dinge, die das Galaxy Note 8 noch besser machen würden.

Kamera des Galaxy Note 8: Samsungs High-End-Debut im gemischten Doppel

Was in der großen Android-Welt anderswo schon in der Mittelklasse zu finden ist, führt Samsung mit Note 8 nun endlich auch in seinem Portfolio ein: Zwei 12-MP-Linsen bilden die Dual-Kamera auf der Rückseite des Phablets. Die eine mit Weitwinkel und f/1.7-Blende und die andere mit Teleobjektiv und f/2.4-Blende. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Apple beim iPhone 7 Plus. Andere Hersteller nutzen Dual-Kameras anders: Das LG G6 bietet einen Super-Weitwinkel, das Huawei P10 einen Monochrom-Sensor.

Welche Vorteile bringt die Dual-Kamera des Galaxy Note 8? Vereinfacht gesagt teilen sich hier die beiden Linsen die Arbeit auf: Die Weitwinkel-Linse übernimmt das Nahfeld, das Teleobjektiv die Ferne. Das bringt einen Vorteil beim Zoomen, man kann Bildausschnitte vergrößern, ohne dass dabei gleich die Qualität einbricht, wie das bei einem digitalen Zoom der Fall ist.

Dank fortschrittlicher Software ist aber auch etwas ziemlich Spannendes möglich, das noch selten zu finden ist: Die Kamera fotografiert ein Motiv zweifach und hat so Informationen zum Vordergrund und zum Hintergrund eines Motivs. Per Schieberegler lässt sich dann in der App nachträglich die Schärfe des Hintergrunds einstellen, was zu einem schönen Tiefeneffekt führt. Apple nennt das „Portrait-Modus“, bei Samsung ist es der „Live-Fokus“. Das Note 8 bekommt das gut hin und zieht hier qualitativ am iPhone 7 Plus (iOS 10) vorbei, wenn auch nur minimal. Vor allem in den Randbereichen des Objekts im Vordergrund kann auch Samsung gewisse Verluste bei den Details jedoch nicht verhindern. Aber maßvoll eingesetzt kann „Live-Fokus“ Portrait-Aufnahmen durchaus einen glaubwürdigen Bokeh-Effekt verleihen, den man ansonsten von Spiegelreflex-Kameras kennt. Uns hat’s gefallen.

Live-Fokus beim Samsung Galaxy Note 8

Videos profitieren davon, dass beide rückseitig verbauten Kamerasensoren optisch stabilisiert sind und allzu verwackelte Aufnahmen verhindern. So gelingen auch Filme im Gehen, etwa bei einem launigen Spaziergang an der frischen Luft. Aufgenommen werden kann UHD 4K (3.840 x 2.160 Pixel) mit 30fps; wer in Full-HD filmt, kann dies sogar mit superflüssigen 60 fps tun.

Samsung Galaxy Note 8 Testvideo (4K, 30 fps).

In der Disziplin Selfies konnte das Note 8 im Test überzeugen, die Frontkamera nimmt in einem nützlichen, aber nicht übertriebenen Weitwinkel auf. Die Bildqualität stimmt, zahlreiche Filter sind auch an Bord:

Samsungs erste Dual-Kamera ist fantastisch. Wer Wert auf ausgezeichnete Fotos und Videos legt, sollte das Note 8 auf seine Einkaufsliste setzen. Es schlägt sich auch unter schlechten Lichtbedingungen besser als fast alle Konkurrenten, der Autofokus ist beachtlich schnell. Die App ist flink und vielfältig – das Galaxy Note 8 ist ein ernstzunehmender Kandidat für den Job der „Hauptkamera“ bei den allermeisten Benutzern.

Einzig in der Disziplin „Schnappschuss“ gibt es bessere Vertreter. Das liegt aber nicht an der Qualität der Kamera, sondern vielmehr an der bereits beschriebenen Größe des Phablets. Schnell und einhändig ein Foto aus der Hüfte schießen – da greifen wir doch lieber zum kompakteren S8.

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