Samsung Galaxy S4-Benchmarks: GPU-Takt-Schummelei bei Leistungstests

Frank Ritter 17

Samsung sieht sich aktuell mit Vorwürfen konfrontiert, bei den Octa Core-Version seines Smartphone-Flaggschiffs Galaxy S4 geschummelt zu haben: So soll ein Mechanismus erkennen, wenn eine Benchmark-App läuft und dann – und nur dann – wird die GPU zwecks besserer Ergebnisse auf ihren Maximaltakt gebracht. So würden Benchmarks signifikant mehr Leistung berichten als die Performance, die das Gerät real im Alltag bringt.

Samsung Galaxy S4-Benchmarks: GPU-Takt-Schummelei bei Leistungstests

Die Hardware-Experten von Anandtech untersuchten nach diversen Hinweisen zwei Exemplare des Samsung Galaxy S4, also jene Variante GT-I9500 mit Exynos 5410-Achtkern-CPU und PowerVR SGX 544MP3-GPU, die hierzulande nicht erhältlich ist. Laut Aussage eines Beyond3D-Forennutzers würde das Galaxy S4 den laut Prozessor-Spezifikationen maximal möglichen GPU-Takt von 532 MHz nie erreichen — außer in synthetischen Benchmarks. AnandTech konnte das bestätigen: Beobachtete man den GPU-Takt in manchen Benchmark-Apps, so stieg er auf ebenjene 532 MHz, während er in allen anderen Anwendungen, beispielsweise Spielen, nie die 480 MHz überschritt.

Außerdem soll beim Start einer solchen Benchmark-App ein spezieller CPU-Modus aktiv werden, der auf dem Octa Core-SoC verhindert, dass die vier „schwächeren“ A7-Kerne anlaufen und stattdessen grundsätzlich die vier stärkeren A15-Kerne mit einer Taktfrequenz von mindestens 1,2 GHz rennen. Ähnliches Verhalten ließ sich sogar bei der hierzulande verkauften Quad Core-Version des Galaxy S4 mit Qualcomm Snapdragon 600-SoC beobachten: Dort läuft die CPU während eines Benchmarks mit allen Kernen grundsätzlich auf dem Maximaltakt von 1,9 GHz, selbst wenn gerade gar keine Leistungsmessung durchgeführt wird.

In Bezug auf die CPU sollte dennoch beachtet werden, dass der Maximaltakt grundsätzlich allen Apps zur Verfügung steht – in den genannten Fällen wird im Prinzip nur das automatische Herunterskalieren eingedämmt beziehungsweise abgeschaltet; dieser Schummelversuch dürfte sich aber nicht in besseren Benchmarks niederschlagen.

Nähere Untersuchungen des Sachverhalts führten eine Anwendung namens TwDVFSApp.apk in der Galaxy S4-Firmware zu Tage, die ein Hardware-Profil mit dem vielsagenden Textstring „Benchmark Booster“ aktiviert, sobald eine App aus einer Liste aktiv ist. In einer hardgecodeten Whitelist findet man dann auch einige App-Namen im Klartext, für die Samsung das High End-Hardware-Profil aktiviert.

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Es handelt sich um die verbreiteten Benchmarks

In der App ist zudem ein Broadcast-Mechanismus enthalten, der das Profil auch für weitere Apps aktivieren kann. So ergaben die Tests von AnandTech auch, dass der Benchmark-Boost im bekannten GLBenchmark 2.5.1 aktiv war — ironischerweise in der funktionsgleichen, aber umbenannten Nachfolge-App GFXBenchmark 2.7 jedoch nicht.

Aufgrund dieser Nachlässigkeit Samsungs kann man dann auch den realen Unterschied in der Performance des regulären und des getürkten Hardware-Profils ermitteln: Hält man die Benchmark-Ergebnisse beider Apps gegeneinander, ergibt sich ein durchschnittlicher Leistungsunterschied von 11 Prozent zwischen den GPU-Taktraten von 480 und 532 MHz.

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Technisch gesehen liegt die Frequenz von 532 MHz noch in den Spezifikationen des Exynos 5410; Samsung liegt es natürlich frei, die Spezifikationen je nach Gerät herabzusenken und kann dafür auch gute Gründe haben: Akkuschonung, Verhinderung einer zu hohen Gerätetemperatur, Systemstabilität, ja sogar Marketing (die Galaxy Note-Modelle hatten beispielsweise bei gleicher CPU in den vergangenen zwei Jahren stets einen etwas höheren CPU-Takt als die Galaxy S-Geräte) sind legitime Gründe.

Hier ist der Fall aber anders gelagert: Die Tatsache, dass ein höherer GPU-Takt auf dem Galaxy S4 erreicht werden kann, aber nur in Apps, die zur Leistungsmessung verwendet werden, ist ein arglistiger Täuschungsversuch gegenüber uns Journalisten und jenen Nutzern, für die die Performance eines Smartphones ein Kaufargument ist. Ähnliche Fälle gab es auch schon bei Grafiktreiber-Optimierungen auf dem PC (zum Beispiel im Falle von HAWX bei Nvidia). Wir hoffen, dass solche Praktiken nicht weiter auf mobilen Geräten Einzug halten, Samsung in Zukunft fair spielt und schnellstmöglich entweder die GPU-„Optimierung“ für Benchmark-Apps entfernt oder den erhöhten GPU-Takt allen Apps zur Verfügung stellt.

Quelle: AnandTech [via Lars], Danke auch an Markus für den Hinweis!

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